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24.07.2018

Feuerwehrhaus wird zum Feierhaus

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Die Last ist abgefallen und das Wetter nahm Vorstand Karl Reute mit Humor: „Es hat beim Zeltaufbau gekübelt.“ Rechts: Die Kleiderkammer ist als gemeinsamer Pool aller drei Ortsteile konzipiert, erklärt hier Feuerwehrmann Herbert Graßl.

Einweihung In Langerringen findet zwei Tage lang ein Fest für das neue Gebäude statt. Worauf die Verantwortlichen nach zwei Jahren Bauzeit besonders stolz sind

Langerringen Dass Feuerwehren nicht nur löschen, sondern auch ausgiebig feiern können, ist bekannt – dass sich das neue Feuerwehrhaus in Langerringen zum Feiern eignet, wissen die Bürger jetzt auch. Mit einem zweitägigen Festwochenende wurde das Gebäude nach gut zwei Jahren Bauzeit offiziell eingeweiht. Und es hat seine feierliche Bewährungsprobe trotz des verregneten Himmels mit Bravour bestanden. Den Gottesdienst hielt Pfarrer Sebastian Kandeth auch gleich im neuen Feuerwehrgebäude ab. Der Bobinger Patenverein und die Kameraden umliegender Gemeinden waren zahlreich vertreten, nicht nur beim Festeinzug der Fahnen.

Irgendwie hatte die Kommunikation zwischen den Langerringer Floriansjüngern und ihrem Schutzpatron nicht so ganz geklappt. Karl Reute, mittlerweile fast ein Vierteljahrhundert Vorstand des Feuerwehrvereins, lachte trotzdem, auch wenn es „beim Aufbau gekübelt“ habe und ausgerechnet am Festsonntag die Wolken schwarz und tief am Himmel hingen. Aber der guten Stimmung tat das keinen Abbruch – auch nicht, dass die beabsichtigte historische Löschübung am Nachmittag einem heftigen Regenschauer geopfert werden musste. „Das Dach ist wenigstens dicht“, so der Kommentar eines Langerringers. Dafür konnte eine sogenannte Technische Hilfeleistung in einer gut inszenierten Schauübung demonstriert werden. Im Zusammenspiel mit der benachbarten Schwabmünchner Wehr und den Sanitätern des Roten Kreuzes konnten die Festgäste miterleben, wie eine Rettung nach dem Zusammenstoß zweier Autos abläuft. Nicht nur die vermeintlichen, auf den ersten Blick tatsächlich verletzten Unfallopfer hatten Glück, sondern auch die Zuschauer – der tiefschwarze Himmel hielt kurz die Luft an und seine Schleusen dicht. Das Szenario wirkte auf den ersten Blick nahezu echt, sogar die Alarmsirenen des Ortes wurden aktiviert und von Norden her kamen die Einsatzfahrzeuge mit eingeschalteten Sondersignalen. Mit vielfach gedrillten Handgriffen öffneten Helfer unter Einsatz der Hydraulikschere eines der Schrottfahrzeuge, hoben das Fahrzeugdach ab, bevor das gespielte Unfallopfer möglichst schonend gerettet und zum wartenden Krankenwagen gebracht werden konnte. Und es gab Technik zum Anfassen. Nachbarfeuerwehren hatten die neuesten Fahrzeuge mitgebracht: „Das ist der Stand der Technik“, wie Kommandant Vogt erwähnte.

In seiner Predigt sprach Pfarrer Kandeth von einer Perle in der Ortsmitte Langerringens. Über 3000 Arbeitsstunden hätten die Feuerwehrangehörigen ehrenamtlich eingebracht. Bei seiner Ansprache hatte Karl Reute erzählt, dass ein kleines Kreuz nach der Segnung seinen Platz im Floriansstüberl finden würde. Diesen Aufenthaltsraum zum „geselligen Zusammensein“ im Dachgeschoss segnete der Pfarrer bei seinem Rundgang daher ebenso wie die anderen Funktionsräume. Den Gottesdienst begleiteten die Gallusspatzen. Der Chor hatte Rainhard Fendrichs 35 Jahre alte Herzenshymne „Weus’d a Herz hast wia a Bergwerk“ zu „Feuerwehr“ umgetextet und damit das ausgedrückt, was Bürgermeister Konrad Dobler in seiner Rede mehrmals zum Ausdruck brachte: „Feuerwehr ist einfach eine Sache des Herzens.“ In seiner Rede ging Dobler aber nicht nur auf die Details wie Gründe und Kosten für den Neubau ein, sondern auch auf eine andere „Sache des Herzens“, nämlich die Entbehrungen der Ehepartner ehrenamtlicher Feuerwehrmitglieder. Er dankte ihnen mit Blumen. Schon Kommandant Thomas Vogt hatte erwähnt, dass allein 54 Sitzungen des gemeinsamen Feuerwehr-Bauausschusses notwendig gewesen seien, um Planungen und Umsetzung voranzutreiben. Dobler nutzte die Gelegenheit, Michael Reute auf der Bühne nach 24 Jahren als 2. Kommandant im Beisein seiner Frau zu verabschieden.

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„Die Gesellschaft lebt von Menschen, die mehr tun als ihre Pflicht“, lautete der Kernsatz von Martin Sailers kurzen Worten. Und mit Augenzwinkern in Anspielung auf die Redezeit seines Vorredners Dobler: „Auch wenn Landräte normalerweise länger reden dürfen als Bürgermeister.“ Dies toppte Kreisbrandrat Alfred Zinsmeister mit der Ankündigung, er rede noch kürzer als der Landrat, und er tat es tatsächlich. Das neue Feuerwehrhaus sei ein Glanzstück, mit der Lage in der Ortsmitte ein Vorbild. Selbst Kommandant Thomas Vogt hielt sich kurz. Dobler bezeichnete er als treibende Kraft, der immer für sie da gewesen sei. Auch wenn das Vorhaben durch staatliche Zuschüsse abgefedert wurde, den Löwenanteil hat die Gemeinde und der Feuerwehrverein zu stemmen. Deshalb bedankte sich Vogt bei allen Spendern der Bausteinaktion, deren Ergebnis die Einrichtung des Hauses ermöglicht habe.

Musikalisch begleitet hat die Feierlichkeiten der Musikverein Langerringen und damit auch die jungen Musiker des Projektes JECRA zugunsten des Neuen Haunerschen Kinderhospitals, die kürzlich in Großhadern beim Sommerfest vor 3000 Zuhörern auftraten. 4200 Euro konnten so bisher eingesammelt werden.

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