Newsticker

Steigende Infektionszahlen: Bundesregierung spricht für ganz Belgien eine Reisewarnung aus
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Fotografie als künstlerischer Fingerabdruck

25.03.2009

Fotografie als künstlerischer Fingerabdruck

Als "künstlerischen Fingerabdruck" bezeichnet Gerard Saitner seine Art zu fotografieren. Fast immer unterwegs entwickelt der in Augsburg aufgewachsene Fotograf für die Gegenden, die er bereist, feine Antennen für ihre Besonderheiten. So zeigt seine im Norden Vietnams entstandene Serie zunächst die typischen Landschaften: sattgrüne Reisfelder, tropische Vegetation, Hütten aus Bambusgeflecht und in silbrigem Dunst liegende Berge. Was dem Betrachter nicht sofort auffällt, sind die Lautsprecher. Sie sind Zeichen des kommunistischen Propagandanetzes, welches das Land überzieht. In Saitners Bildern erweitern sie die Idylle um eine bedrückende politische Dimension.

"Meine Fotos dokumentieren meine Sicht auf die Welt, sie erschließen sich nicht auf den ersten Blick", sagt der 52-jährige Fotograf, der sein künstlerisches Konzept während einer langen und sehr umfassenden Ausbildung entwickelt hat. Seine Wurzeln liegen in Augsburg. Beim Studium der Kunstgeschichte an der Augsburger Universität interessierten ihn besonders Prinzipien der Farbgebung und der Komposition in der Malerei. Parallel dazu experimentierte er mit der Lochkamera und verschiedenen Printtechniken wie Platinumdruck oder Dye-Transfer.

Eines seiner ersten Fotos - die Linden von Scherneck - veröffentlichte die Augsburger Allgemeine 1983. 1990 zeigte er seine Serie "Art Brut Künstler aus Gugging" im Brecht-Haus. Auch jetzt, da er seinen Lebensmittelpunkt in Paris und Bangkok hat, kommt er öfter im Jahr nach Augsburg um Verwandte und Freunde zu besuchen und künstlerische Kontakte zu pflegen.

Ein Workshop in Berlin bei dem amerikanischen Fotografen John Gossage, der Saitner einen ausgezeichneten Blick fürs Fotografieren attestierte, war ausschlaggebend für seinen Entschluss, Fotografie zu studieren. Erst in Kassel, wo er den experimentellen Techniken von Floris Neusüss folgte und Fotografie ohne Kamera betrieb.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Er setzte das Studium - dann mit Kamera - an der Fachhochschule Dortmund fort und erhielt für seine Diplomarbeit 1991 den renommierten Otto-Steinert-Preis: "Albanien - Land ohne Zwischentöne" ist eine eindringliche Schilderung der Kargheit und der Resignation angesichts eines gescheiterten Kommunismus, der dennoch bleiern verharrt. Unaufdringliche, aber vielschichtige Fotos, wie das von einer tristen Straße, wo staatliche Spitzel die Menschen unauffällig beobachten. Dokumentarische Autorenfotografie, die mehr zeigt, als nur Oberfläche.

"Die Ästhetik muss stimmen. Ästhetik im Sinne von Komplexität und Vielschichtigkeit, nicht im Sinne von Dekoration", sagt Saitner. Dennoch sind seine Fotos auch schön, zeigen die Perfektion, die aus der Beherrschung der Gestaltungsprinzipien resultiert. Konzept und Intuition wirken zusammen. Immer ist auch der Betrachter gefordert, denn "das Foto darf nie eine absolute Antwort geben".

Ideen für neue Projekte entstehen meist unterwegs, werden dann gründlich bedacht und vorbereitet. Dazu gehört auch, dass Gerard Saitner die Sprache des Landes, in dem er arbeiten will, zumindest soweit lernt, dass er sich verständigen kann. "Kommunikation ist das Wichtigste, wenn man interessante Fotos machen will." Manchmal arbeitet er unter sehr schwierigen, unbequemen Bedingungen. Und manchmal kann es auch gefährlich werden, wenn er bedroht oder - wie einmal in Phnom Penh - ausgeraubt wird.

Trotzdem geht es im Juni wieder nach Asien, um an einem Buch über "The Tropical Kingdom" Thailand zu arbeiten. Und im Herbst tritt er eine Professur an der Faculty of Visual Arts Ladkrabagn in Bangkok an.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren