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Kultur

09.10.2019

Friedbergs „neues“ Schloss feiert seinen ersten Geburtstag

Purple Schulz trat zum Abschluss der Open-Air-Saison im Friedberger Schloss auf. Es war eine der best besuchten Veranstaltungen bisher.
Bild: Oliver Wolff

Sanierungskosten klettern auf 24 Millionen Euro. Warum es ab Mitte Dezember keine Veranstaltungen mehr gibt

Am Donnerstag Musik-Kabarett, am Sonntag der Frauenchor Vox Female, nächsten Donnerstag eine Dinner-Show, die so gut wie ausverkauft ist: Im Friedberger Schloss ist im Kultur-Herbst viel geboten. Ab 19. Oktober läuft dort eine Ausstellung des Augsburger Malers Lambert van Bommel. Er lebt mittlerweile auf den Kanaren, porträtiert aber nun „Menschen aus Friedberg“, weil er die Stadt und ihr Schloss so ins Herz geschlossen hat. Das Friedberger Kulturamt zieht eine zufriedene Bilanz des ersten Jahres nach der Wiedereröffnung im Oktober 2018. 140 Veranstaltungen gab es, davon über 90 städtische, die anderen waren privat. Denn auch Firmen, Geburtstagskinder oder Hochzeitspaare können Räume mieten. Der FCA richtete hier zum Beispiel seinen Neujahrsempfang aus.

Für ein "Kleinstadtmuseum" sind die Zahlen ein Erfolg

Zuvor war das Schloss jahrelang saniert worden, ein Projekt, das die Stadt gespalten hatte – auch wegen der Kosten. Auf 20 Millionen war das Budget daher ursprünglich begrenzt worden, durch Sonderwünsche der Stadträte – etwa ein teurer Eichenboden im ersten Stock – und konjunkturbedingte Preissteigerungen kletterten die Kosten auf fast 24 Millionen. Und noch gibt es keine Schlussrechnung. Außerdem rechnet ein Gutachten mit einem jährlichen Defizit von mindestens 750000 Euro. Für die meisten Besucher sind diese Summen unwichtig. Sie schätzen die stilvolle zurückhaltend-elegante Sanierung und das gelungene Museum mit nettem Café, das mit Einrichtungen bundesweit mithalten kann. Es setzt einen Schwerpunkt auf Uhren, präsentiert aber auch Sakralkunst und wartet mit einer bemerkenswerten archäologischen Abteilung auf. Von Mai bis Oktober hatte es 8000 Besucher. Viele Touristen, darunter Asiaten, Australier und Amerikaner, kamen über die „Romantische Straße“ – für ein Kleinstadtmuseum ein gutes Ergebnis.

Wer ein Konzert oder einen Kabarettabend im Wittelsbacher Schloss besuchen möchte, muss sich allerdings sputen – oder lange warten. Als letzter öffentlicher Termin ist am Wochenende, 7. und 8. Dezember, die Weihnachtsshow „Swinging in the Snow“ angesetzt.

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Danach wird das Schloss für Veranstaltungen geschlossen; das Museum bleibt allerdings weiter geöffnet. Grund sind die Vorbereitungen für die Bayerische Landesausstellung „Stadt befreit – Wittelsbacher Gründerstädte“, die vom 29. April bis 8. November 2020 parallel in Friedberg und Aichach läuft. Sie stellt dar, wie Bayern zum Städteland wurde.

Warum nächstes Jahr bis zu 100.000 Besucher erwartet werden

Das Haus der Bayerischen Geschichte beginnt Anfang des Jahres mit den Vorbereitungen für die aufwendige Schau mit kostbaren Leihgaben; davor müssen die Räume vorbereitet werden. Bis zu 100000 Besucher werden in den sechs Monaten erwartet. Gerade rüstet der Bauhof einen alten Getränkemarkt neben dem Schloss zum Besucherzentrum um.

Das veranstaltungsfreie Jahr wollen Schlossmanagement und Kulturabteilung nutzen, um am Konzept zu feilen und das Profil zu schärfen. Der Personalschlüssel soll überdacht, vermutlich erhöht werden, und es gilt, Gespräche mit Nachbarn zu führen. Diese hatten sich im Vorfeld der Sanierung ein Maximum von 165 Veranstaltungstagen jährlich sowie bestimmte Zeitfenster und Verkehrsregelungen erstritten. Ganz zufrieden sind sie aber noch nicht. In der Stadtgesellschaft gärt dagegen ein anderes Thema: Die Bürger haben mit ihren Steuern das Schloss bezahlt, aber wer dort feiern will, zahlt zwischen 700 und 1100 Euro, wer eine Kulturveranstaltung organisieren möchte, 750 Euro. Auch hier gibt es Stimmen, die eine nochmalige Überarbeitung des Preisgefüges fordern.

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