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Augsburger Presseball 2018

09.11.2018

Gipsy Kings: Der Weg zum Weltruhm führte über versohlte Hintern

„The Gipsy Kings featuring Nicolas Reyes and Tonino Baliardo“ sind die Stargäste des Augsburger Presseballs. Am 10. November bringen sie Flamenco-Pop in die Kongresshalle. Im Oktober waren sie noch in Brasilien auf Tour.
Bild: Marie Claire Margossian

Die Gipsy Kings sind Altmeister des Flamenco-Pop und Stargäste des Augsburger Presseballs. Alle kennen die Musiker, aber nur wenige ihre spannender Geschichte.

Achtung! Ohrwurmalarm! Bereit? Also: „Bamboleo“. Na, schon da? Genau: Bambole-o, Bambole-a. Nein? Noch nicht? Dann versuchen wir es mal hiermit: „Volare, o-ho, cantare, o-ho-ho-hooo!“ Wer jetzt noch immer nicht summt, für den gibt es nur drei Entschuldigungen: Er war entweder Ende der 1980er Jahren noch nicht geboren, ein Baby oder lebte auf einer einsamen Insel. Alle anderen sind nämlich an diesen Flamenco-Pop-Hits der Gipsy Kings nicht vorbeigekommen. Diese Lieder stürmten die Charts, liefen im Radio rauf und runter, wurden in Autos gesummt, auf Partys getanzt – weltweit.

Die wenigsten Zuhörer kennen aber die spannende Geschichte der Musiker, die Gold und Platin einspielten und fast 20 Millionen Platten verkauften. Höchste Zeit also, das mal nachzuholen. Denn Nicolas Reyes und Tonino Baliardo sind mit ihren Gipsy Kings am 10. November die Stargäste des Augsburger Presseballs und werden neben den Ohrwürmern „Bamboleo“, „Volare“, „Djobi Djoba“ noch viele andere Gute-Laune-Lieder aus ihrem großen und inzwischen auch Grammy-gekürten Repertoire im Gepäck haben.

Am Lagerfeuer sangen sie ihre Lieder

Eigentlich eignet sich die Geschichte der Band selber für ein Lied. Es steckt alles drin: Tradition, Familie, Erfolg, Liebe, Leidenschaft und auch Streit. Sie beginnt vor fast 100 Jahren. In den 1930er Jahren flüchtete einst eine Roma-Familie vor dem Spanischen Bürgerkrieg nach Südfrankreich und lebte dort in Wohnwagen.

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Alle drei Tage musste sie an einen neuen Ort ziehen, die Kinder durften ohne festen Wohnsitz nicht zur Schule gehen und lernten nicht zu lesen und zu schreiben. Also wurden die Geschichten mündlich und über Lieder weitergegeben, auch abends am Lagerfeuer, wenn die Männer sangen und Gitarre spielten und die Frauen tanzten. Und dann trug Musik maßgeblich dazu bei, dass sich das Leben der Familie veränderte.

Es gab gerissene Saiten und Schläge

Vater José Reyes wurde als Flamenco-Künstler berühmt. Er trat zusammen mit seinem Cousin, dem Gitarristen Manitas de Plata, unter anderem in der Carnegie Hall auf, hatte Fans namens Picasso, Salvador Dali und Miles Davis und verdiente plötzlich genug Geld, um mit seinen fünf Söhnen und seinen sechs Töchtern sesshaft zu werden. Die Familie zog in ein Haus in der Rue des Douaniers in Arles. Nur zur jährlichen Roma-Wallfahrt in Saintes-Maries-de-la-Mer wurden noch die Wohnwagen genutzt. Von solch einem Treffen gibt es noch ein altes Video auf Youtube, das José Reyes und Manitas de Plata beim Musizieren zeigt, neben ihnen ein kleiner Junge, der andächtig lauscht und blaues Kaugummi kaut: Nicolas, Reyes Sohn.

„Für uns Kinder war es wie ein Wunder, wenn wir damals unsere Väter und Onkel sahen, wie sie die ganze Nacht spielten, sangen und Spaß hatten. Wir wollten das Gleiche machen“, erinnerte sich der Bub von einst viele Jahre später in einem Interview. Also spielten die kleinen Jungen damals erst mit den Gitarren der älteren Brüder. „Nach vielen gerissenen Saiten und Schlägen auf den Hintern zeigten sie uns dann, wie es geht“, sagt Nicolas Reyes.

"Oh, you are Gipsy Kings!"

Bald trat Vater José mit seinen fünf Söhnen als „José Reyes and Los Reyes“ auf. Als der Patriarch 1979 starb, nannten sie sich „Los Reyes“ – was nicht nur ihr Familienname ist, sondern übersetzt aus dem Spanischen auch „Könige“ heißt. Zu den Gipsy Kings wurden sie per Zufall. „Eine Amerikanerin fragte uns, wer wir sind und wo wir herkommen und sagte dann: ,Oh, you are Gipsy Kings’. Wir haben den englischen Namen übernommen“, sagt Nicolas. „Wir“, das waren zu dem Zeitpunkt die Reyes-Brüder Nicolas, Paul, Canut, Patchaï und André sowie ihr Schwager Chico Bouchikhi und ihre Cousins, die Baliardo-Brüder Diego, Paco und Tonino.

Zum populären Namen kam bald populäre Musik: Mit ihrem Flamenco-Pop übertrafen die Reyes-Baliardo-Söhne noch den Erfolg ihrer Väter. Sie komponierten ihren Welthit „Bamboleo“, verpassten Klassikern wie „Volare“ mit ihren typischen schnellen Rhythmen die gewisse Würze und stürmten die Charts. Plötzlich vergrößerte sich ihr Radius, die ganze Welt wollte die Gipsy Kings hören und auch sehen. „Anfangs waren wir etwas nervös. Aber eigentlich haben wir nur die Wohnwagen und Pferde mit Autos und Flugzeugen getauscht“, erinnert sich Nicolas Reyes an die Anfänge ihres Ruhms.

Die Haare sind inzwischen grau und die nächste Generation ist schon an der Gitarre

Seitdem ist viel passiert. Die Gipsy Kings spielten in den entlegensten Orten des Planeten, verkauften Millionen Platten. Ein Teil der Combo ist nach einem Familienstreit neue Wege gegangen. Die Gipsy Kings wurden Kult, spätestens als ihr „Hotel California“-Cover im Kinofilm „The Big Lebowski“ auftauchte. Die Musik ihrer Vorfahren haben sie kontinuierlich weiterentwickelt, wurde mit neuen Einflüssen gespickt, die sie auf ihren Reisen fanden: ein bisschen kubanische Klänge, etwas arabische, Reggae und auch Jazz. Die Lockenköpfe sind inzwischen grau und die nächste Gipsy-Kings-Generation ist schon an der Gitarre.

Eine Konstante gibt es aber: die charakteristische, kraftvolle Stimme von Nicolas Reyes. Während dieser Text entsteht, bekommen gerade die Fans in Brasilien diese zu hören, wo die Band im Oktober tourte. Zuvor waren „The Gipsy Kings featuring Nicolas Reyes and Tonino Baliardo“ in Nordamerika unterwegs, nächstes Jahr stehen Paris und die Royal Albert Hall in London an. Aber als Nächstes erst einmal Augsburg. Was das Presseball-Publikum erwartet? „Eine Stunde Heiterkeit! Folgt einfach dem Gitarrenrhythmus, tanzt lacht“, sagt Nicolas Reyes. Mehr wird noch nicht verraten. Vielleicht spielen seine Gipsy Kings auch Songs von ihrem Grammy-gekürten Album „Savor Flamenco“. Ganz bestimmt gibt’s aber Sommerfeeling mitten im Herbst und natürlich „Bamboleoooo ...“.

Dieser Text stammt aus der Presseballbeilage unserer Zeitung.

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