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Augsburg

02.08.2015

Großbaustelle Stadtmauer

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Ortstermin an der Ecke Thomm-/Herwartstraße: Derzeit wird die Bastion Lueginsland der Stadtmauer saniert. Anschließend soll der Bereich bis zum Fischertor an die Reihe kommen. Doch ob die Stadt dafür Geld bereitstellt, ist noch nicht bekannt.
Bild: Ruth Plössel

Die Bastion Lueginsland wird derzeit instandgesetzt. Bei einem Ortstermin informieren sich Bürger über den Fortschritt der Arbeiten

Innenstadt Dass es in der Bastion Lueginsland seit Jahrhunderten einen Kanonengang gibt, in der einst die großen Geschütze transportiert wurden, ist nur wenigen bekannt. Bewohner aus dem Viertel in der nördlichen Altstadt suchten im Zweiten Weltkrieg in dem 50 Meter langen und zwei Meter breiten Trakt Schutz vor Bomben. Werner Zimmermann und Werner Hartmann werden immer wieder mit Erinnerungen konfrontiert, wenn sie die heute betagten Bürger in der Festungsanlage treffen. „Wenn sie von ihren Kriegserlebnissen erzählen, hören sie gar nicht mehr auf“, wissen die beiden Vorsitzenden des Stadtmauervereins. In Zukunft wollen sie den Gang stärker mit Führungen in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rücken. „Wir werden ihn ganz bewusst in dem Zustand lassen, wie er im Zweiten Weltkrieg war“, sagt Hartmann.

Zu einer Führung durch den ehemaligen Luftschutzraum hatten jetzt auch die Teilnehmer eines Ortstermins Gelegenheit. Der Stadtmauerverein und die SPD Untere Stadt mit Ordnungsreferent Dirk Wurm an der Spitze luden Anwohner und Interessierte dazu ein, sich von Vertretern des Hochbauamtes über die laufende Sanierung der Stadtmauer zu informieren.

Auch auf den richtigenMörtel kommt es an

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Aktuell wird die Bastion Lueginsland instandgesetzt, wovon neben einer Bautafel auch Gerüste zeugen. Das Vorhaben startete 2012 im Rahmen eines Pilotprojekts. Eine Stützmauer wurde bereits saniert und mit 26 Ankerelementen fixiert, „auch wenn sie immer noch schief ausschaut“, wie Projektleiterin Heidi Tobias anmerkt. Seit diesem Frühjahr ist das auf mehrere Etagen verteilte Mauerwerk der Turmanlage an der Ecke Herwart- und Thommstraße an der Reihe. Steine müssen ersetzt und ergänzt werden. Eine besondere Sorgfalt erfordert die Wahl des richtigen Mörtels. Denn in früheren Zeiten seien Sanierungsbemühungen durch ungeeignete Materialien zunichtegemacht worden, sagt Hochbauamtschef Günter Billenstein.

Doch nicht nur Baustoffe setzen dem jahrhundertealten Mauerwerk zu, sondern auch Bäume und Sträucher. Der Spruch „Grün frisst Augsburg“ treffe auf die Stadtmauer durchaus zu, sagt Landschaftsarchitekt Rupert Mairoser vom Grün-amt. „Ein Teil der Mauern war vor lauter Bewuchs gar nicht mehr zu erkennen.“ In Absprache mit anderen Fachbehörden werde nun abgewogen, welche Bäume gefällt werden und welche bleiben.

Der Bereich rund ums Lueginsland (Kosten rund 460000 Euro) ist nur der erste Mosaikstein der Instandsetzung. Sanierungsbedürftig ist ein Großteil der rund vier Kilometer langen Befestigungsanlage, die in Augsburg noch erhalten ist. Auch zwischen Lueginsland und Fischertor wartet jede Menge Arbeit auf die Restauratoren. Ob nach dem ersten Abschnitt die Mauer entlang der Thommstraße angepackt werden kann, hängt von den Finanzberatungen ab. Auch wenn es nicht sein Ressort ist, weiß Dirk Wurm, dass es angesichts der Fülle von Pflichtaufgaben schwierig werden dürfte, die Arbeiten zeitnah fortzusetzen. Zusätzliches Problem ist laut Norbert Reinfuss vom Hochbauamt, dass aufgrund der unterschiedlichen Beschaffenheit der zwischen 1300 und 1900 entstandenen Stadtmauern die grundlegenden Untersuchungen immer wieder aufs Neue erfolgen müssen. „Unsere Erfahrungen an einer Stelle sind nicht auf eine andere zu übertragen.“

Die Finanzlage ist das eine, der Wunsch der Bürger das andere. Aus Sicht von Anwohnerin Heidi Kinet ist für die Sanierung „kein Geld zu viel“. Die Mauer präge das Stadtbild. Sie zu erhalten, sei wichtig.

Ein Kinderbuch zurStadtgeschichte

Dieser Meinung ist auch der Autor Peter Dempf. Als Mitglied des Stadtmauervereins führt er nicht nur regelmäßig Gruppen entlang des historischen Bauwerks. Ein Anliegen ist es ihm auch, Kindern diesen Teil der Stadtgeschichte näher zu bringen. Im Rahmen der Reihe „Spurensuche mit Sherlock“, einer Reise in die Vergangenheit, steht als nächste Folge das Lueginsland an. Dempf rechnet mit einer Fertigstellung des Kinderbuchs Anfang 2016. Bis dahin soll die Bastion fertig saniert sein. „Vielleicht schaffen wir es noch bis Ende 2015“, hofft Amtsleiter Billenstein.

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