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Mobilität

22.07.2019

Hier staut sich der Verkehr in Augsburg besonders oft

Die Rosenaustraße zählt laut Navi-Hersteller Tomtom zu den staureichsten Straßen in Augsburg. Momentan ist die Situation wegen der Baustelle auf der B17 besonders angespannt.
Bild: Peter Fastl

Plus Augsburg zählt zu den 25 staubelastetsten deutschen Städten. Neue Straßen sind aber kein Thema. Die Stadt setzt auf andere Maßnahmen.

Autofahrer in Augsburg brauchten im vergangenen Jahr aufgrund von Staus im Schnitt 28 Prozent mehr Fahrzeit, um ans Ziel zu kommen. Das geht aus einer Auswertung von Nutzerdaten des Navigationsgeräteherstellers Tomtom hervor. Zu den Stoßzeiten in den Morgen- und Abendstunden erhöht sich die Verzögerung auf 32 bzw. 37 Prozent. Einige Straßen sind besonders belastet.

Insgesamt zählt Augsburg zu den 25 staureichsten Städten in Deutschland. Allerdings sind andere Städte in der Rangliste deutlich weiter vorne. Augsburg liegt im unteren Drittel des Rankings. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt seit Jahren auch ein Stau-Ranking des Verkehrsdaten-Dienstleisters Inrix.

Momentan dürfte die Verzögerung für Autofahrer deutlich höher sein – seit Anfang Juli sorgt die Baustelle auf der B17 auf Höhe Messe für Staus auf der Bundesstraße und für überlastete Ausweichstrecken, etwa die Rosenaustraße. Dort staut sich der Verkehr zu den Stoßzeiten teils mehrere hundert Meter zurück.

Allerdings zählt die Rosenaustraße laut Tomtom ohnehin zu neuralgischen Punkten. Auf Anfrage unserer Redaktion hat der Hersteller die zehn staureichsten Straßen in Augsburg berechnet. Stark belastet sind (in absteigender Reihenfolge):

  • Rosenaustraße
  • Argonstraße
  • Forster-/Margaretenstraße
  • Augsburger Straße
  • Dieselstraße
  • Wertachstraße
  • Donauwörther Straße
  • Mittlerer Graben
  • Eichleitnerstraße
  • Stettenstraße

Zugrundegelegt wurde dafür immer ein Vergleich zwischen der Reisezeit bei freiem Verkehrsfluss und der realen Reisezeit auf den fünf verkehrsbelastetsten Abschnitten der jeweiligen Straße. Für die Rosenaustraße berechnete Tomtom mehr als eine Verdoppelung der Reisezeit zwischen freiem Verkehrsfluss und Stau. Den Berechnungen zugrunde liegen unter anderem anonymisierte GPS-Daten aus Navigationsgeräten.

Das Verkehrsaufkommen steigt in Augsburg seit Jahren

Bei der Stadt sieht man die Ergebnisse ohne Verwunderung. Das Verkehrsaufkommen in Augsburg steige – aufgrund von Einwohnerzuwachs und höherer Mobilität allgemein – seit Jahren an, heißt es aus dem Baureferat. Das ist der Trend, der sich aus Verkehrszählungen des Tiefbauamtes ergibt.

Grundsätzlich sind die Augsburger in der Tat mobiler geworden – waren es 2008 noch drei Wege pro Tag und Person, kam eine stadtvergleichende Umfrage der TU Dresden 2013 auf 3,5 Wege pro Tag. Die Ergebnisse für das Jahr 2018 liegen noch nicht vor. Zuletzt zeichnete sich ein leichter Bedeutungsverlust des Autos ab – wurden 2008 noch 43,7 Prozent aller Wege mit dem Auto zurückgelegt, sank der Anteil fünf Jahre später auf 42,4 Prozent.

Doch weil die absolute Menge an Verkehr zunimmt, kommen morgens und abends Straßen zunehmend an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. Die Folge sind Staus an Kreuzungen.

Um das Straßennetz für die Stoßzeit auszubauen, fehlt der Platz

Gleichwohl müsse man sich klarmachen, dass es in einer historisch gewachsenen Stadt nicht möglich sei, das Straßennetz auf die Belastung der Stoßzeiten auszubauen, so das Baureferat. Und in der Tomtom-Auswertung habe sich Augsburg im Vergleich zu den Zahlen von 2017 nicht verschlechtert.

Der Bau neuer großer Autostraßen (Nordtangente/MAN-Spange) in Augsburg steht momentan in der Tat nicht auf der Prioritätenliste der Politik. Allerdings muss man berücksichtigen, dass beim Bau des Königsplatzes mit der Kaiserhofkreuzung und der Berechnung der verkehrlichen Leistungsfähigkeit (das Thema sorgte immerhin für einen Bürgerentscheid) unterstellt wurde, dass künftig zusätzliche Tangentenstraßen in Augsburg entstehen.

Bus, Tram und Rad als Alternative

Das Thema wird, wenn der in die Jahre gekommene Gesamtverkehrsplan erneuert wird, wohl wieder auf die Tagesordnung kommen. Vor der Kommunalwahl wird das aber mit Sicherheit nicht passieren. Für den Moment befürchte man auch keinen Dauerstau, heißt es aus dem Baureferat. Die fortschreitende Ausrüstung von Ausfallstraßen mit „intelligenten Ampeln“ könne den Verkehrsfluss verstetigen, werde aber keine großen Kapazitäten schaffen, sagt die Stadt. Um die Probleme in den Griff zu bekommen, setze man vor allem auf Bus, Straßenbahn und Fahrrad, so die Stadt.

Allerdings gilt Baureferent Gerd Merkle (CSU) als Befürworter des Baus einer Osttangente. Das aus Gründen des Umweltschutzes umstrittene staatliche Projekt könnte sich von der A8 im Norden über Friedberg, Kissing und Mering bis hin zur B17 im Süden erstrecken. Die Stadt Augsburg hofft, so Durchgangsverkehr aus Augsburg und von der stark befahrenen B17 (83.000 Fahrzeuge pro Tag) zu bekommen. Bei Störungen auf der B17 – das ergab eine Verkehrserhebung der Stadt in Inningen, Bergheim und Göggingen aus den vergangenen Jahren – geht die Verkehrsbelastung durch Ausweichverkehr teils um fast das eineinhalbfache nach oben.

Das dürfte auch bei den momentanen Bauarbeiten auf der B17 der Fall sein. Teils, so berichten Anwohner an Ausweichstrecken, sei es schwierig, mit dem Auto aus der eigenen Grundstückseinfahrt herauszukommen. Im Abschnitt an der Messe wird der Flaschenhals noch bis zum 30. Juli bestehen. Doch dann es geht an anderer Stelle weiter: Ab kommendem Freitag stehen während der Ferienzeit Bauarbeiten an der Brücke der B2/B17 über die Autobahn an. Der dickste Brocken kommt aber in der dritten und vierten Augustwoche auf die Autofahrer Höhe Stadtbergen zu. Dann muss auf der B17 der Asphalt zwischen Leitershofer- und Bgm.-Ackermann-Straße erneuert werden. Hier wird es nur eine Fahrspur je Richtung geben.

In Augsburg läuft im Verkehr längst nicht alles wie es soll. Mehr zur Situation von Fahrradfahrern hören Sie in unserem Podcast.

 

Lesen Sie auch den Kommentar: Neue Straßen schaffen mehr Verkehr

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