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Soziales

15.06.2016

Hilfe für Roma-Familien gesucht

Familie Ramadani – im Bild von links: Mutter Zilfije, die Kinder Arxhent, Elmedi, Florent und Efraim sowie Vater Faruk – soll aus Deutschland abgeschoben werden. Ärzte raten aus gesundheitlichen Gründen dringend von diesem Schritt ab. Dennoch stehen die Chancen der Familie nicht sehr gut.
Bild: Anne Wall

Manche Asylbewerber fallen durch das Raster der Gesetze. Ein abgeschobener 18-Jähriger dürfte zurück nach Deutschland – aber jetzt ist seine Lehrstelle weg. Nun möchte der Flüchtlingsrat helfen

Westbalkanstaaten sind als sichere Herkunftsländer eingestuft, Asylbewerber müssen dorthin zurückkehren, auch wenn sie als Roma dort diskriminiert werden. Soweit besteht Klarheit. Eigentlich. Doch immer wieder gibt es Härtefälle, die durchs Raster fallen. Ursache ist oft Krankheit. So bei den Familien Emini und Ramadani, die fast als letzte Roma-Familien aus dem Gebiet in Augsburg verblieben sind. Für sie bittet das Diakonische Werk nun um Unterstützung, ebenso für einen jungen Mann, der nach Serbien ausgewiesen wurde, aber wieder zurückkehren darf. Der 18 Jahre alte Ferdi Rama musste 2015 mit seinen Eltern und Geschwistern nach Serbien zurück. Eine Petition an den Landtag ergab jedoch, dass er wieder nach Deutschland darf, wenn er hier eine Lehrstelle bekommt. Denn er kam als Kind an, lebte viele Jahre hier und absolvierte die Mittelschule mit Abschluss. Für solche Fälle gilt eine gesetzliche Sonderregelung. Das Fatale: Ferdi hatte letzten Herbst zwei Lehrstellen in Aussicht, aber die sind mittlerweile weg. Seine Betreuer vom Diakonischen Werk haben für den jungen Mann, der gut Deutsch spricht und in Schule und Sportverein beliebt war, eine Wohnung und Unterstützer organisiert. Doch der Ausbildungsplatz fehlt noch.

Tobias Hartmann vom Diakonischen Werk berichtet: „Der Familie geht es in Serbien sehr schlecht. Der Vater bekommt keinen Job, weil er Roma ist.“ Es gingen Spenden ein, doch die waren schnell aufgebraucht. Nach Einschätzung des Zentralrats der Sinti und Roma ist der diskriminierende Umgang mit Roma im Balkan durchaus als „herkunftsbedingte Verfolgung“ einzustufen.

Vor einer solchen Situation haben die Ramadanis aus Mazedonien Angst. Der Vater ist psychisch und körperlich krank. Trotzdem bekam die Familie vor Weihnachten Bescheid, ins Abschiebelager in Manching zu gehen. Widerspruch ist eingereicht, es liegen inzwischen Atteste des Arztes vor, dass Faruk Ramadani in Augsburg behandelt werden sollte und eine Abschiebung aus ärztlicher Sicht „dringend zu vermeiden“ sei, da sie eine erhebliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes herbeiführen würde. Die Chancen stehen nicht so schlecht, ihre Anwältin Maja von Oettingen glaubt jedoch, dass das Gericht in München derart überlastet ist, dass es sich um den Fall nicht kümmern kann. Weil die Ramadanis aber nach dem Bescheid in Augsburg „abgemeldet“ sind, erhalten sie keine Unterstützung oder Essensgutscheine mehr und können nur mithilfe von Spenden existieren.

Eine weitere Familie, die sich weigerte auszureisen, sind die Eminis. Wie berichtet, wurde nach ihrem Einspruch der Bescheid zurückgenommen, denn Muhammed Emini hat derartige Rückenprobleme, dass er auch nach einer OP nicht reisefähig ist.

Sprachrohr für solche Fälle könnte der Augsburger Flüchtlingsrat werden. Dieser soll auf Wunsch von Asylbewerbern reaktiviert werden. Der erste Schritt soll am heutigen Mittwoch, 15. Juni, um 19 Uhr getan werden. Im Grandhotel Cosmopolis findet ein Treffen statt. Teilnehmen können Flüchtlinge und andere Interessierte.

Mit dabei sind auch Vertreter des Bayrischen Flüchtlingsrates. Dieser übt Kritik an den Zuständen in Manching, wo 1000 Menschen untergebracht sind. Von Überbelegung der Räume, nicht abschließbaren Türen, psychischem Druck und fehlender Beschulung ist die Rede. Die Staatsregierung weist Vorwürfe zurück.

Dass Asylbewerber nicht ausreisen, liegt allerdings nicht immer an ihnen selber. So ist immer wieder von Personen zu hören, die freiwillig gehen würden. Doch ihre Papiere sind irgendwo im Bundesamt für Migration verschollen...

Zur Unterstützung der betroffenen Familien kann man spenden an: Diakonisches Werk, Stadtspar- kasse Augsburg, IBAN: DE95720500000000004200,

BIC: AUGSDE77XXX,

Kennwort: Augsburger Flüchtlingsfamilien

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