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Augsburg

09.11.2020

Hinter der afa 2021 in Augsburg steht ein großes Fragezeichen

Findet die afa wie geplant Mitte Februar statt?
Bild: Silvio Wyszengrad (Archiv)

Plus Die Absage der Grindtec ist kaum verdaut, da wackelt bereits die afa. Die Messe-Veranstalter Henning Könicke und Thilo Könicke sprechen über enttäuschte Erwartungen, die Finanzen und die jetzigen Perspektiven.

Am 10. November hätte die Fachmesse Grindtec starten sollen. Es wäre die bislang größte Messe in Augsburg gewesen. Wie tief sitzt die Enttäuschung, dass auch der zweite Versuch in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie gescheitert ist?

Thilo Könicke: Zweieinhalb Jahre Vorbereitung und absolutes Herzblut stecken in der Grindtec. Natürlich geht das nicht spurlos an allen Beteiligten vorbei. Trotz Einhaltung aller behördlichen Regeln und Auflagen Veranstaltungen nicht durchführen zu können, nimmt Veranstaltern die Planungssicherheit unter diesen neuen und im Sommer nicht absehbaren Rahmenbedingungen. Durch notwendige, langfristige Vorläufe muss man auf festgesetzte Regelungen vertrauen können.

Emotional ist das Aus der Grindtec schwer zu verdauen. Die kurzfristige Absage einer Messe bedeutet aber auch finanzielle Verluste für die Firma Afag. Wie teuer kommt die ausgefallene Messe Ihre Firma zu stehen?

Henning Könicke.
Bild: Michael Hochgemuth


Henning Könicke: Nicht nur wir stecken mit viel Emotion, Engagement aber auch Investition in der Vorbereitung für eine Messe. Gerade auch unsere Aussteller und die Vielzahl an unterschiedlichen Dienstleistern, Servicepartnern, Hoteliers und Gastronomen haben für und in die Grindtec investiert. Der Gesamtschaden, der durch den Ausfall einer so wichtigen Veranstaltung für eine Region entsteht, ist nur schwer zu beziffern. Wir haben hier noch keine Zahl parat.

Wie sieht es mit Ausstellern aus? Steht die Firma Afag in Regress?

Thilo Könicke: Wir sind mit unseren Ausstellern im Kontakt. Die Nicht-Durchführung von Messen in diesem Rahmen ist kein Standardvorgang. Die vielen Einzelschritte und Maßnahmen zur Abwicklung einer Messe wie der Grindtec 2020 sind ein komplexer Gesamtvorgang. Etliche Parameter und Sondersituationen müssen hier Berücksichtigung finden, daher wird dies einige Zeit in Anspruch nehmen.

Wie ist dieser Zeitfaktor zu verstehen?

Thilo Könicke: Ganz wichtig ist für uns dabei, dass wir bereits jetzt die Vorbereitung der Grindtec 2022 angehen und bei allen Gesprächen immer im Blick haben.

Die Grindtec findet im Turnus von zwei Jahren statt. Ist ausnahmsweise eine Austragung im Jahr 2021 umsetzbar?

Henning Könicke: Nein. Durch die langen Planungsvorläufe und internationale Messetermine der Branche bedingt, ist die Ansetzung einer „Zusatzveranstaltung“ nicht möglich.

Die Firma Afag steht in Augsburg natürlich auch für die Augsburger Frühjahrsausstellung, kurz afa. Geplanter Termin ist bereits Mitte Februar. Wie ist der aktuelle Stand?

Henning Könicke: Vorerst bis Ende November gilt in Deutschland der Lockdown Light und somit auch ein Messe- und auch ein Berufsverbot für viele Branchen. In diesem Zeitraum wird es keine konkreten Aussagen der Bundes- und Landesregierungen geben, wie mit Messen weiter verfahren wird.

Gibt es aus Ihrer Sicht einen Termin, an dem Klarheit herrschen muss, ob die afa wie geplant im Februar 2021 über die Bühne gehen kann?

Henning Könicke: Die aktuelle Phase müssen wir abwarten, um dann mit konkreten Ideen und bestmöglicher Planungssicherheit für 2021 in den Markt gehen zu können.

Thilo Könicke.
Bild: Michael Hochgemuth

Wie stellt sich im Corona-Jahr 2020, das die Messelandschaft massiv getroffen hat, die Firma Afag auf?

Thilo Könicke: Die Veranstaltungsbranche ist mit am härtesten von der Pandemie betroffen. Beinahe alle dort tätigen Unternehmen haben seit März diesen Jahres ein faktisches Berufsverbot. Die Afag war bis vergangene Woche mit allen Mitarbeitern voll in der Messevorbereitung zweier genehmigter Veranstaltungen eingebunden. Nun gilt es, sich auf eine weitere, messefreie Zeit vorzubereiten und den Blick auf 2021 zu richten.

Wie geht es jetzt in den nächsten Wochen weiter?

Thilo Könicke: Hier geht es vor allem darum, die notwendigen, politischen Planungsgrundlagen zu schaffen und auch neu zu denken. Eines jedoch können wir schon jetzt sagen: Es wird auch in Zukunft Live-Veranstaltungen brauchen, unsere Aussteller sehnen sich bereits jetzt danach.

Fühlen Sie sich als Messeveranstalter in den zurückliegenden Monaten zu wenig von der Politik unterstützt?

Henning Könicke: Wir als private Unternehmer sind in dieser Branche mit nur einigen, wenigen Kollegen eine Seltenheit. Daher sind wir leider auch nur selten bei der Politik auf dem Schirm. Wir würden lieber Messen machen, als Unterstützung zu suchen. Dafür braucht es aber konkrete und verlässliche Planungsgrundlagen, um nun nach dem Lockdown Light wieder zu einem einigermaßen geregelten Geschäftsbetrieb zurückkommen zu können.

Woraus schöpfen Sie als Geschäftsführung die Kraft, optimistisch in die Zukunft zu blicken?

Thilo Könicke: Pessimismus hat keinen Platz, Messen sind keine Schönwetter-Unternehmung. Wir haben ein starkes Team, gute Produkte und sind generalistisch flexibel aufgestellt. Unser Unternehmen wurde in der Nachkriegszeit 1947 gegründet und hat seitdem nicht erst eine spannende Ära durchlaufen und gemeistert. Unsere Mitarbeiter wollen Messen machen – und wir sorgen dafür, dass das wieder möglich sein wird.

Wie trifft die Corona-Krise Veranstaltungstechniker? Hören Sie sich dazu unseren Podcast von Juli 2020 aus der Reihe "Augsburg, meine Stadt" an:

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