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Augsburg

08.11.2018

Hochzoller vermissen die Post schon jetzt

Ein Betrieb der Filiale in Hochzoll sei „aus wirtschaftlicher Sicht nicht mehr möglich“, so die Auskunft der Postbank. So zumindest wird die Schließung des Betriebs begründet.
Bild: Michael Eichhammer

Das Ende der Postbank-Filiale in der Hochzoller Straße trifft nicht nur Bankkunden hart.

„Ein Betrieb ist aus wirtschaftlicher Sicht nicht mehr möglich“, heißt es auf unsere Anfrage bei der Pressestelle der Postbank. Die Rede ist von der Postbank-Filiale in der Hochzoller Straße 5. Am Dienstag, dem 6. November, öffnete der Betrieb in Augsburg-Hochzoll zum letzten Mal. Davor mussten die Hochzoller schon mit ansehen, wie der direkt daneben liegende Rewe im Oktober dichtmachte.

Warum nun auch noch Post und Postbank ihre Pforten für immer geschlossen haben, können viele Bürger nicht nachvollziehen. Wer morgens vor Öffnung der Filiale vorbeischaute, erlebte in der Regel eine Warteschlange schon vor dem Gebäude. „Offiziell heißt es, der Betrieb rentiert sich nicht mehr, aber das glaube ich kaum“, sagt Brigitte Lodl. „Ich bin sauer!“, so die 82-Jährige. Seit 50 Jahren lebt sie in Hochzoll und ebenso lange war sie Kundin in der Filiale nahe des Hochzoller Bahnhofs.

Von der Schließung erfuhr sie recht kurzfristig per Anschreiben. Darin heißt es: Für beratungsintensivere Themen wie Baufinanzierung, Altersvorsorge und Privatkredite empfehle die Postbank zukünftig die Filiale in der Neuburger Straße 36 in Lechhausen. Ebenso könnten Kunden auf Wunsch telefonisch oder zu Hause beraten werden.

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Für die Bargeldversorgung sind nach der Schließung die nächstgelegenen Alternativen die Postbank im Rewe in der Augsburger Straße 12 in Friedberg oder bei der Shell-Tankstelle in der Kurt-Schumacher-Straße 4 in Lechhausen. Keine zufriedenstellende Lösung für Kundinnen wie Brigitte Lodl: „Ich weiß nicht, wie ich da hinkommen soll“, erklärt sie. „Ich habe kein Auto und mit dem Bus wird es teuer.“ Für die Hin- und Rückfahrt würde sie sechs Euro bezahlen, hat sie ausgerechnet.

Weniger Laufkunden wegen Online-Bankings

„Online mache ich nicht“, erklärt die Rentnerin. Bei anderen Kunden dagegen ist die Digitalisierung längst Alltag. Auch bei Bankgeschäften. Über 80 Prozent der Postbank-Privatkunden sind fürs Onlinebanking freigeschaltet. „Dies führt natürlich auch dazu, dass im Schnitt weniger Kunden zur Erledigung ihrer Bankgeschäfte eine Filiale aufsuchen“, weiß Jasmin Feustel von der Postbank-Pressestelle. Allerdings hänge die Wirtschaftlichkeit einer Filiale nicht allein von der Kundenfrequenz ab. „Es muss für uns das Verhältnis zwischen reinen Serviceleistungen (Briefmarkenverkauf, Einschreiben, Zahlungsverkehr) und wertschaffendem Neugeschäft bei Bankprodukten stimmen“, erklärt sie. Sonst wäre der Betrieb nicht kostendeckend. So eben auch in Hochzoll.

Zu den betroffenen Kunden zählt unter anderem Julia Mayr. Die 34-Jährige arbeitet in einer Steuerkanzlei um die Ecke. Neben dem Arbeitsschließfach, welches sie täglich leerte, war sie auch privat Postkundin in der Hochzoller Straße. Gerüchte über eine bevorstehende Schließung gab es schon lange vorher, doch auf Nachfragen bekam sie keine Antwort, so Mayr.

Erst eineinhalb Wochen vor dem Aus für die Filiale habe man die Kunden schriftlich informiert. Die Nebenwirkung der Postbank-Schließung: Sie bedeutet auch das Ende für die Post- und Paketdienstleistungen, denn das Unternehmen fungierte nicht nur als Bank, sondern ebenso als Partnerfiliale der Deutschen Post. „Die Doppelfunktion als klassische Post ist das eigentliche Dilemma“, sagt Gregor Lang. „Wenn ich an die Warteschlangen denke, weiß ich, was für ein enormer Verlust das ist“, so der SPD-Ortsvorsitzende von Hochzoll. Das Entsetzen der Bürger über die Schließung ist ihm bekannt. Steuern könne die Politik solche Vorgänge nicht, doch habe der Stadtteilarbeitskreis beim privaten Besitzer nachgefragt, wie das Gebäude in Zukunft genutzt werden solle und den Wunsch einer öffentlichen Nutzung geäußert.

Für kleine Läden schwer zu stemmen

Immerhin eines steht bereits fest: Die Laufwege der heimatlos gewordenen Postkunden auf der Suche nach einer neuen Anlaufstelle sind nicht so weit wie die der Postbank-Kunden: Arends Foto in der Friedberger Straße 111 ist der neue Partner der Post. Den Service der Paketannahme bietet das Fotogeschäft bereits seit einem Jahr, nun wird das volle Programm der Postdienstleistungen angeboten. Ein eigener Postschalter für diesen Zweck wurde vor rund zwei Wochen installiert. Doch kann der Fotoladen die Abwicklung einer kompletten Postfiliale stemmen? „Das ist für uns neu“, erklärt Betreiberin Raisa Arends. „Ein bisschen Angst vor dem Weihnachtsgeschäft haben wir schon“, gibt sie zu. „Aber man muss positiv denken.“

Dass der Mieter Postbank mit der Schließung der Filiale nicht wenigstens bis nach Weihnachten wartete, stößt bei vielen Kunden auf Unverständnis. „In der Weihnachtszeit bildete sich immer eine Schlange bis zum Rewe“, erinnert sich Julia Mayr. Dass nun ein kleines Fotogeschäft die Weihnachtspost stemmen soll, findet Mayr „unter aller Kanone“. Immerhin eine gute vorweihnachtliche Nachricht gibt es: Entlassungen sind nicht zu befürchten. „Die Mitarbeiter waren im Rahmen der Arbeitnehmerüberlassung von der Deutschen Post ausgeliehene Beamte“, so Iris Laduch-Reichelt, Pressesprecherin bei der Postbank. „Sie kehren zur Deutschen Post zurück und werden dort weiterbeschäftigt.“

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