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Wirbel um Augsburgs Bischof

27.02.2009

Holocaust-Debatte: Mixa betroffen über Vorwürfe

Bischof Walter Mixa. Archivbild: Schöllhorn

Wirbel um den Augsburger Bischof: Walter Mixa soll laut einem Zeitungsbericht die Zahl der ermordeten Juden in Relation zu Abtreibungen gestellt, und damit den Holocaust relativiert haben. Das Bistum Augsburg weist diese Darstellung als "absurd und bösartig" zurück. Von Michael Pohl

Der umstrittene Auftritt liegt bereits Tage zurück, doch das Echo auf eine Rede des Augsburger Bischofs Walter Mixa beim Politischen Aschermittwoch des CSU-Kreisverbands im fränkischen Dinkelsbühl hallt durch die ganze Republik.

Der Bischof soll bei seiner Rede laut Teilnehmern die Zahl der in der Zeit des Nationalsozialismus ermordeten Juden mit der Menge der in den vergangenen drei Jahrzehnten vorgenommenen Abtreibungen verglichen haben. Das Augsburger Bistum wies allerdings den in einem Bericht der örtlichen Fränkischen Landeszeitung erhobenen Vorwurf als "absurd und bösartig" zurück, der Bischof habe damit den Holocaust relativiert.

Zu dem Eklat kam es ausgerechnet, als sich Mixa klar von den Äußerungen des britischen Skandalbischofs Richard Williamson distanzierte, der die Zahl der von den Nazis ermordeten Juden bestritten hat: "Es hat diesen Holocaust sicher in diesem Umfang mit sechs Millionen Getöteten gegeben. Wir haben diese Zahl durch Abtreibungen aber bereits überschritten", zitierte die Lokalzeitung Mixa.

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Mehrere Teilnehmer der Veranstaltung bestätigten auf Anfrage unserer Zeitung die Äußerungen: "Die beiden Sätze sind in diesem Zusammenhang so gefallen", sagt der Dinkelsbühler Oberbürgermeister und CSU-Vorsitzende Christoph Hammer. "Der Bischof hat aber nicht den Holocaust relativiert", fügt er hinzu. "Das wollte er nicht und das hat er auch nicht getan." Dem Bischof sei es darum gegangen, die Zahl der Abtreibungen zu kritisieren, nachdem er diesem Thema in seinem Vortrag über "Werte und Moral in der Politik" zuvor breiten Raum eingeräumt habe. Der CSU-Bürgermeister kritisierte, dass Mixa zu einem Zahlenvergleich mit den NS-Opfern gegriffen habe: "Der Bischof läuft mit seiner sehr radikalen Äußerung Gefahr, dass er ein für ihn vollkommen berechtigtes Anliegen diskreditiert und in ein schlechtes Licht rückt."

"Zuhörer waren entsetzt"

Ein Teilnehmer der Veranstaltung bestätigte gegenüber augsburger-allgemeine.de, dass Mixas Aussagen so gefallen seien. "Zahlreiche anwesende Zuhörer waren entsetzt", berichtete Reinhard Reck. "Ich und andere Zuhörer hielten die Aussagen für äußerst verwunderlich und unsensibel", so der Dinkelsbühler CSU-Stadtrat weiter, der unter dem Namen "dinkelsbuehler" auch in unseren Online-Forum mitdiskutiert.

Zentralrat übt scharfe Kritik

Noch schärfere Kritik übte der Zentralrat der Juden an Mixas Äußerungen: Damit würden Frauen und Ärzte, die sich zu einer Abtreibung entschlossen haben, "mit KZ-Massenmördern gleichgestellt - das ist an Perfidie nicht mehr zu überbieten", sagte Generalsekretär Stephan Kramer. Eine "Instrumentalisierung der Holocaust-Opfer" sei "verantwortungslos und geschmacklos". Die Grünen-Chefin Claudia Roth sagte, "jeder Aufrechnungsversuch entwürdigt die Holocaust-Opfer und ihre Angehörigen."
Das Bistum erklärte dagegen, Mixa sei es darum gegangen, dass auch in der Gegenwart Verbrechen gegen das Leben begangen würden, die höchste Wachsamkeit erforderten. Dabei habe er unter anderem auch auf die Zahl der Abtreibungen hingewiesen.

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