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Augsburg-Haunstetten

30.01.2009

Hundebiss: Versicherung gibt Opfer die Schuld

Hundebiss: Versicherung gibt Opfer die Schuld

Catrin Sprung wurde von einem Hund angesprungen und gebissen. Tagelang lag sie mit Schmerzen im Krankenhaus. Und jetzt soll sie auch noch Schuld an dem Unfall sein - meint die Versicherung. Von Lea Thies

Von Lea Thies

Erst die Schmerzen, dann die Angst und jetzt das. Catrin Sprung kann es nicht fassen. Vor eineinhalb Jahren wurde sie in Haunstetten Süd von einem großen Nachbarhund angesprungen und in die rechte Brust und Achsel gebissen.

Sie lag ein paar Tage im Krankenhaus und zog sich durch den Sturz auch Kopfverletzungen zu. Doch die Versicherung der Hundebesitzerin gibt nun der 67-Jährigen die Hauptschuld an dem Unfall und will nur ein Drittel der Kosten zahlen.

Begründung der Huk Coburg: Hätte die Frau ihren West-Highland-Terrier "Chico" nicht auf den Arm genommen, hätte der Nachbarhund wohl auch nicht zugebissen. Sprungs Anwalt Florian Engert findet die Argumentation absurd. "Hätte meine Mandantin ihren Hund etwa totbeißen lassen sollen? Das ist eine Frechheit. So etwas ist mir noch nicht vorgekommen", sagt der Jurist.

Hundebiss: Versicherung gibt Opfer die Schuld

Er will sich gar nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn Catrin Sprung ein Kind auf dem Arm gehabt hätte. Auch Franz Lutz, Vorsitzender des Augsburger Anwalt Vereins findet die Argumentation der Versicherung an den Haaren herbeigezogen. "Dass die Frau ihren Hund auf den Arm genommen hat, war ein Fall von Nothilfe."

Branchenkenner bewerten den Fall als typisch: Versicherungen stehen unter enormen Preisdruck und versuchen, so wenig Geld wie möglich auszuzahlen. Dabei nehmen sie mitunter zivilrechtliche Klagen in Kauf. Auch Catrin Sprung überlegt rechtliche Schritte, sollte die Versicherung nicht einlenken. "Wir sind gesprächsbereit", sagte Holger Brendel, Pressesprecher der Huk Coburg. Inklusive Schmerzensgeld, Haushaltshilfe und andere Kosten, die durch den Biss entstanden sind, fordert die Augsburgerin rund 14 000 Euro von der Versicherung.

Eineinhalb Jahre nach dem Unfall kämpft Catrin Sprung nach eigenen Angaben immer noch mit den Spätfolgen. Sie kann nicht mehr schwer heben. Früher war sie eine begeisterte Klettererin, diesem Hobby kann sie wohl nie mehr nachgehen. Im rechten Arm habe sie nicht mehr genug Kraft.

Noch heute bekomme sie Angstzustände, wenn sie einen großen schwarzen Hund sieht. Und auch der kleine Chico mit dem "I love You"-Glitzerhalsband, der sonst freundlich schwanzwedelnd Besucher empfängt, sieht nun bei schwarzen Hunden rot und beginnt laut zu bellen. Er überstand den Vorfall körperlich unverletzt, sei aber traumatisiert, sagt die 67-Jährige. Sie sei mit ihrem Hund sogar schon bei einem Hundeflüsterer gewesen.

Nun überlegt sich Sprung sogar umzuziehen, damit sie den Nachbarshund nicht mehr täglich sehen muss. Strafrechtliche Folgen hatte der Biss für die Nachbarin übrigens nicht. Die Staatsanwaltschaft sah kein Interesse an einer Verfolgung. Der Hund war zuvor nie aufgefallen.

Die Stadt war über den Vorfall nicht informiert, überlegt nun aber nachträglich einen Gutachter einzuschalten und den Nachbarshund auf Aggressivität testen zu lassen.

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