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Augsburg

18.04.2015

Im Einsatz mit der Plärrer-Polizei

Polizisten sorgen auf dem Plärrer für Sicherheit. Über die Jahre hat sich die Lage auf Schwabens größtem Volksfest deutlich verbessert.
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Polizisten sorgen auf dem Plärrer für Sicherheit. Über die Jahre hat sich die Lage auf Schwabens größtem Volksfest deutlich verbessert.
Bild: Annette Zoepf

Früher war der Job der Beamten auf dem Volksfest mitunter sehr hart. Es gab viele Schlägereien, und die Stimmung war vor allem zu später Stunde aggressiv. Das hat sich geändert.

Das Mädchen mit den blonden Haaren sitzt auf den Stufen beim Autoskooter, seit Jahrzehnten ein Treffpunkt für Jugendliche. Sie zieht, bemüht lässig, an einer Zigarette. Es ist Abend geworden auf dem Plärrer, es ist zehn nach Acht. Hauptkommissar Günther Dzeik ist mit vier Kollegen auf dem Platz unterwegs. Er steuert den Autoskooter bewusst an. Jetzt, nach 20 Uhr, dürfen Jugendliche unter 16 Jahren alleine nicht mehr unterwegs sein.

Nach 20 Uhr: Ausweiskontrollen am Autoskooter

Die Polizisten kontrollieren Ausweise. Das Mädchen ist zwar schon 16, aber rauchen darf sie nicht. Sie muss die Zigarette ausdrücken und die restliche Schachtel den Beamten geben. Ein Mann um die 40, mit hochrotem Kopf, ruft den Polizisten aus einem der Wagen etwas zu. Es hat irgendwas mit den knappen Hotpants des Mädchens zu tun und damit, dass es ja klar sei, dass die Beamten ausgerechnet sie kontrollieren.

Günther Dzeik und seine Kollegen beachten den Mann nicht weiter. Kommentare wie diese, meist kommen sie von Betrunkenen, lassen die Beamten nicht an sich ran. Ihr Job ist es, auf dem Plärrer für Sicherheit zu sorgen – und nicht, sich provozieren zu lassen. An die 20 Beamte sind an diesem Abend im Einsatz auf dem Volksfest. In Gruppen gehen sie Streife.

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Über die Jahre ist Augsburger Plärrer friedlicher geworden

Es gab Jahre, da war der Dienst auf dem Plärrer ein richtig harter Job. Beim Osterplärrer vor zehn Jahren klagte der Chef des Innenstadtreviers: „Es herrscht eine unwahrscheinliche Aggressivität.“ Damals gab es allein am Ostermontag gleich fünf größere Schlägereien. Und fast keinen Abend ohne Ärger. Das hat sich geändert. Heute gibt es Tage, an denen es völlig friedlich bleibt auf dem Plärrer. In der ersten Woche zählte die Polizei gerade mal sechs Körperverletzungen, größere Schlägereien gab es nicht.

Werner Bayer, der Chef der Polizeiinspektion Mitte, schätzt, dass bis zum Ende des Fests am Sonntag eine „niedrige zweistellige Zahl“ an Körperverletzungen zusammen kommen wird. Er hält das, angesichts der rund 500.000 Besucher, für einen sehr guten Wert. Er ist überzeugt, dass sich die Sicherheit auf dem Plärrer auch deshalb verbessert hat, weil die Polizei ihre Präsenz schon vor Jahren ausbaute. Was er heute erzählt, klingt anders als jene Zitate, die man früher hörte. „Die Kollegen machen den Dienst hier gerne“, sagt Werner Bayer.

Beamte sind von Festen auf dem Land Schlimmeres gewohnt

Es ist jetzt kurz vor Neun, die Bierzelte sind inzwischen voll, Menschen in Dirndl und Lederhose stehen auf den Bänken. Im Schallerzelt schreit die Menge: „Disco, Pogo, Dingelingeling“. Draußen steht Polizist Günther Dzeik und erklärt einem Mann, dass man nicht mit Bierglas über den Platz gehen darf. Wer sich ein Getränk kauft, muss es direkt am Stand oder im Zelt trinken. So sieht es die Regel vor, die von der Stadt erlassen wurde. Der Mann diskutiert kurz, dann sieht er es ein. Er trottet zurück zu einem Imbiss und nimmt einen kräftigen Schluck aus dem Halbliterglas.

Die Polizisten wechseln sich ab bei ihren Streifengängen. Günther Dzeik setzt sich immer wieder in die Plärrerwache, ein einstöckiger, etwas in die Jahre gekommener Zweckbau an der Nordseite des Platzes. Ein paar Schreibtische gibt es hier, Computer, Funkgeräte. Der Hauptkommissar ist an diesem Abend der Chef der Plärrerwache.

Vor dem Gebäude stehen einige Beamte, die gerade eine Pause machen. Sie sind anderes gewohnt als das hier. Die Feste auf dem Land seien oft ein größeres Problem, erzählt ein Beamter, der dem Einsatzzug des Präsidiums angehört. Dort ist oft noch mehr Alkohol im Spiel, und die Stimmung – auch gegenüber den Polizeibeamten – deutlich aggressiver. Auch bei Einsätzen in der Partyszene der Augsburger Innenstadt schlägt den Beamten mitunter viel mehr Wut entgegen.

Sicherheit: Polizei, Sicherheitsleute und Streetworker arbeiten zusammen

Eine einfache Erklärung dafür, warum sich der Plärrer im Vergleich dazu so positiv verändert hat, haben sie auch nicht. Die Polizeipräsenz trägt wohl dazu bei. Die Festwirte achten heute mehr als früher darauf, wer bei ihnen reserviert. Die Sicherheitsleute in den Zelten arbeiten professioneller, sie verhindern Streit oft schon beim Entstehen. Streetworker der Stadt kümmern sich um Jugendliche. Und die Schausteller haben sich stärker um die Familien bemüht, die nun wieder mehr als früher das Fest besuchen.

Es ist kurz nach Elf, in den Zelten gibt es kein Bier mehr. Nun schwärmen alle Polizisten noch einmal aus. „Abschaffen“ nennen sie diese Zeit. Sie sind vor allem damit beschäftigt, die Massen, die den Platz verlassen, zu steuern. An der Tramhaltestelle in der Langenmantelstraße ermahnen sie Gruppen, die einfach auf der Straße stehen.

Am Ende des Einsatzes wird Günther Dzeik noch einen Maßkrug-Diebstahl in seinem Bericht vermerken. Drei Taxifahrer haben an der falschen Stelle gehalten. Dem volljährigen Freund des blonden Mädchens droht ein Verwarnungsgeld, weil er ihr die Zigaretten überlassen hat. Ein normaler Abend auf dem Plärrer.

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