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29.07.2010

In dem alten Gebäude steckt sein Herzblut

Pfersee In 21 Jahren als Rektor hat Klaus Döderlein viele, viele Kinder kennengelernt. Nicht nur die Mädchen und Buben "seiner" Spicherer-Schule in Pfersee sind ihm begegnet, sondern auch Schüler aus der ganzen Stadt. Bei den Aufführungen "Auf den Spuren der Familie Mozart" schlüpfte Döderlein Jahr für Jahr in die Rolle von Vater Leopold - ganz stilecht in feinem Zwirn und mit Perücke.

Und er servierte damit ein Kontrastprogramm zum wirklichen Leben: In diesem trägt Döderlein seine Haare kurz. Die im Gegensatz zur vornehmen Bühnenblässe gesunde Hautfarbe zeugt von Betätigungen an der frischen Luft. Und auch seine sportlich-legere Kleidung wäre zu Mozarts Zeiten undenkbar gewesen. Ebenso der Laptop, der in seinem Büro im ersten Stock des 106-jährigen Schulgebäudes auf einem alten, dunkelbraunen Sekretär steht. Den Schreibtisch habe er von zu Hause mitgebracht, verrät Döderlein. Die Mixtur von Gemälden an der Wand (von den eigenen Kindern und befreundeten Künstlern) und eine selbst gebaute Marionette (für ein Kabarett) unterstreichen die persönliche Note der Schaltzentrale in der Spicherer-Schule. Und auch die Vuvuzela - ein Geschenk - hat ihre Berechtigung. "Damit werde ich die Siegerehrung unseres Fußballturniers untermalen."

Beim Erzählen kommt der Münchner durch

In diesen Tagen packt Döderlein all seine Sachen zusammen. Morgen ist sein letzter Schultag, mit 62 Jahren begibt er sich in die Freistellungsphase der Altersteilzeit. Es reiche jetzt. "Ich bin doch schon Opa", sagt der Vater dreier erwachsener Kinder und denkt dabei an seine erst kürzlich getaufte Enkelin in Zürich. Wenn der Rektor erzählt, kommt der Münchner durch. Er zog erst als junger Mann nach Augsburg, wegen des Bayernkollegs. Dort machte der gelernte Bankkaufmann auf dem zweiten Bildungsweg sein Abitur, um Lehrer werden zu können. Und dort lernte er auch seine Frau kennen. Sicherlich der Hauptgrund, warum der Oberbayer in Augsburg blieb.

In dem alten Gebäude steckt sein Herzblut

Wunderbare Kinder und engagierte Eltern

Dass sich der Grund- und Hauptschullehrer 1989 für die Leitung der Spicherer-Schule bewarb, hatte wiederum maßgeblich mit dem Flair des alten Gebäudes zu tun. "Mir hat die Anlage schon immer sehr gut gefallen." Jeden Tag sei er gerne in die Schule gegangen, auch dank des gesamten Kollegiums, der wunderbaren Kinder und der vielen engagierten, humorvollen und netten Eltern."

Döderleins Herzblut steckt in der Schule. Und so schmerzt es ihn, dass die Spicherer-Ära zugunsten des neuen Westpark-Bildungshauses in wenigen Jahren endet, auch wenn ein Neubau sicher reizvoll sei. "Der Abschied fiele mir leichter, wenn schon bekannt wäre, wie das Gebäude künftig genutzt wird", gibt der Noch-Hausherr zu.

Wie er persönlich seinen Abschied gestaltet, weiß er schon. Am ersten Ferientag nach der Übergabe an seine Nachfolgerin Jutta Schoft (bislang Konrektorin in Kriegshaber) will er nochmals durch alle Räume des dann menschenleeren Schulhauses gehen. Dadurch könne er besser loslassen. Die Vorteile des Rentnerdaseins will Klaus Döderlein gleich zu Beginn des neuen Schuljahrs testen: "Dann besuche ich meinen Sohn in Kanada". Erstmals außerhalb der Ferien.

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