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Augsburg

08.05.2019

In der Werkstatt eines Exoten

Michael Wolter repariert in seiner Werkstatt an der Depotstraße Göggingen elektronische Geräte.
Bild: Michael Hochgemuth

In der Nähe des Augsburger Amtsgerichts repariert Michael Wolter Elektrogeräte. An seinem Arbeitsplatz sieht es aus wie auf einem Wimmelbild. Was eine Maus in der Spülmaschine suchte

Wer die hellblaue Flügeltür zu Michael Wolters 175 Quadratmeter großen Werkstatt in Göggingen öffnet, findet ein wahres Wimmelbild vor: Überall stehen und stapeln sich Fernsehgeräte, Radios und Plattenspieler aus allen Jahrzehnten genauso wie Staubsauger oder allerhand andere Elektrogeräte. „Das hier dürften mehrere tausend Teile sein“, schätzt der gelernte Radio- und Fernsehtechniker, der zwischen all den Geräten und Arbeitsmaterialien an seiner Werkbank sitzt.

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Werkstätten wie die des selbstständigen Allrounders gibt es nicht mehr viele. Besonders auch deswegen, weil die Elektronik von heute so billig und komplex sei, erklärt Wolter. Eine Reparatur übersteige manchmal schon den niedrigen Kaufpreis eines neuen Gerätes. Daher ist es für die Verbraucher nicht mehr wirtschaftlich das kaputte Gerät zum Fachmann zu geben.

Liebhaber von Retro-Geräten bitten um Reparatur

Trotzdem: Es stehen immer wieder Liebhaber von Retro-Geräten in seiner Werkstatt und bitten um eine Reparatur. Mit den Jahren hat der 65-Jährige sich auch ein Netzwerk aus Kunden aufgebaut. Für dieses repariert er verschiedene Geräte und wartet sowohl größere Elektroanlagen in Unternehmen als auch Anlagen in Haushalten. Dabei erfordert seine Arbeit eine gewisse Routine und einen großen Erfahrungsschatz, den er sich über Jahre hinweg auch durch Ausprobieren angeeignet hat. „In meinem Beruf muss man breit aufgestellt sein“, erklärt er dazu.

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Doch in manchen Fällen komme er mit seinem Fachwissen bei vermeintlichen technischen Problemen auch nicht mehr weiter: „Einmal sollte ich eine Spülmaschine reparieren, die kein Wasser mehr geholt hat“, erzählt Michael Wolter. Nach ein paar Handgriffen kam er dem Problem auf die Spur: In der Spülmaschine hat eine Maus gewohnt. Sogar schon einen Essensvorrat hätte diese sich aus einem nebenstehenden Fressnapf der Katze eingerichtet, berichtet Wolter lachend.

Aber zurück in die Werkstatt. Mittels eines Oszillografen misst Michael Wolter die Spannung an einem kleinen Röhrenradio aus den 1950er Jahren und ersetzt ein Teil. Dabei erzählt er, dass Basteln und Tüfteln schon immer seine Leidenschaft waren. Bereits als Kind war er von technischen Dingen fasziniert. Seine große Begeisterung bekamen auch seine Geschwister deutlich zu spüren: „Eine Puppe meiner Schwestern konnte ihre Augen öffnen und schließen“, erzählt er. Er hatte diese Puppe interessehalber zerlegt. „Das Geschrei war dann natürlich groß“, schmunzelt Michael Wolter. Nach der Schule war er sich bereits sicher, beruflich in Richtung der Hochfrequenztechnik gehen zu wollen: „Ich habe damals nicht lockergelassen“, berichtet der Meister der Radio- und Fernsehtechnik.

Manche Wartung braucht Stunden

Bis heute hält die Passion des 65-Jährigen an, von der er sagt, dass sie ihm durchaus auch „Leiden schafft“. Manchmal verbringt er so auch Stunden mit der Wartung oder der Reparatur der Geräte. Dabei ist seine Devise: Geduld, Geduld und nochmals Geduld. Im Grunde ist alles aber kein Hexenwerk, erklärt er und fügt dann hinzu: „Das geht nicht? Gibt es für mich nicht.“ Notfalls fertigt er die Ersatzteile auch selber an. Oder verwendet Bestandteile eines seiner vielen Geräte aus der Werkstatt.

Ob er dann bei der Menge an Geräten nicht einmal den Überblick verliert? Michael Wolter schüttelt den Kopf. „Das Genie beherrscht das Chaos.“ Und überhaupt: Wenn er zwischen den Geräten hin- und herlaufen müsse, bleibe er fit, erklärt er grinsend und ist sich dabei durchaus bewusst, dass er eine außergewöhnliche Werkstatt betreibt. „Man hinterlässt den Eindruck eines Exoten“, erklärt er. „Die meisten haben so etwas noch nie gesehen.“

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