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Augsburg

04.06.2019

Jahrhundertprojekt Bahnhofstunnel: So sieht der Hauptbahnhof von unten aus

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So sieht die Baustelle für den Bahnhofstunnel von unten aus.
Bild: Bernd Hohlen

Plus Es ist die größte Baustelle in Augsburg - und niemand sieht sie: Unter dem Hauptbahnhof entsteht der Tramtunnel. Es lässt sich schon erahnen, wie es dort künftig aussieht.

Vom Jahrhundertprojekt Bahnhofstunnel bekommen die Fahrgäste momentan vor allem eines mit: ein gesperrtes Bahnhofsgebäude ohne Wartehalle und eine große Baugrube zwischen zwei Bahnsteigen im Personenbereich. Was sich unterirdisch abspielt, bleibt den meisten verborgen. Dabei lässt die Baustelle inzwischen ganz gut erahnen, wie alles aussehen wird, wenn der Tunnel wie geplant im August 2023 in Betrieb gehen wird.

Gearbeitet wird unter den Bahnsteigen und unter dem Bahnhofsgebäude

Momentan sind die Bauarbeiter dabei, den neuen Fußgängertunnel unter den Gleisen 7 und 8 fertigzustellen. Begonnen haben die Arbeiten im Dezember, voraussichtlich im August werden die Arbeiter fertig sein und den Boden unter den Gleisen 5 und 6 in Angriff nehmen. „So geht es nach und nach weiter, bis der Tunnel am Bahnhofsgebäude ankommt“, so Dorothee Schäfer von den Stadtwerken. Parallel laufen die Arbeiten unter dem Bahnhofsgebäude. Dort wird der Boden mit unter Hochdruck eingespritztem Zement so tragfähig gemacht, dass dort ein Tunnel gegraben werden kann und das denkmalgeschützte Gebäude darüber sicher steht. Für die Arbeiten müssen die Vorder- und Hintermauer des Gebäudes im Erdgeschoss abgebrochen werden. In der Zwischenzeit „schwebt“ das Gebäude auf hydraulisch gelagerten Trägern. Die erste Hälfte der Operation ging schon über die Bühne, Ende des Jahres wird die Mauer auf der Bahnsteigseite abgebrochen werden.

Verzug gibt es momentan keinen und darf es auch nicht geben. Weil für die Bauarbeiten jeweils zwei Personengleise samt den dazugehörigen Bahnsteigen gesperrt werden müssen, sind die Arbeiten mit der Deutschen Bahn eng verzahnt. Die Gleissperrungen müssen schon Jahre vorher angemeldet werden.

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So läuft die Tunnelbaustelle unter dem Hauptbahnhof in Augsburg
Bild: Bernd Hohlen

Augsburger Hauptbahnhof: Von oben gibt es Tageslicht

Die bisher fertiggestellten Rohbauabschnitte des Personentunnels, der in etwa sieben Metern unter den Gleisen liegt, lässt die Dimensionen erahnen, die Reisende künftig am Bahnhof vorfinden werden. Mit 19 Metern ist die neue Bahnsteigunterführung etwa dreimal so breit wie ihr mittlerweile stillgelegter Vorgänger. Erkennbar ist auch schon, wo Rolltreppen und Aufzugschächte verlaufen werden. Von oben bekommt der Tunnel Licht durch Öffnungen in den Bahnsteigen. Umgesetzt ist das schon beim Bahnsteig F, der im vergangenen Dezember in Betrieb ging. Noch regnet es von oben hinein, weil ein Teil des Daches eine Lücke hat. „Die wird aber noch mit einem Glasdach aufgefüllt“, so Schäfer.

Noch gar nichts ist erkennbar vom Straßenbahntunnel samt unterirdischer Haltestelle, die ein Stockwerk unter dem Fußgängertunnel entstehen werden – hier wird nämlich noch nicht gebaut. „Um Zeit zu sparen und die Bahngleise oben möglichst kurz sperren zu müssen, wird ein besonderes Verfahren angewendet“, so Schäfer. Erst wird das obere Stockwerk des zweistöckigen Tunnels fertiggebaut und oben alles verschlossen, sodass die Züge wieder fahren können. Erst ab 2021, wenn das erste Untergeschoss des Bahnhofstunnels im Rohbau komplett fertig ist, graben sich die Bauarbeiter weiter in die Tiefe, ohne oben jemanden zu stören. Dann haben sie gute zwei Jahre Zeit, um die unterirdische Haltestelle zu bauen und Gleise sowie Oberleitungen einzubauen.

Mindestens 230 Millionen Euro kostet der Tunnel

Die Kosten für den Bahnhofstunnel liegen laut aktuellen Berechnungen bei mindestens 230 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr hatten die Stadtwerke einen erneuten Kostensprung von den zuletzt kalkulierten 181,4 Millionen Baukosten bekannt gegeben. Als Grund wurden deutlich höhere Baupreise für die jetzt laufenden Tunnelarbeiten genannt. Hintergrund ist, dass die in Frage kommenden Spezialfirmen momentan gut ausgelastet sind, nicht zuletzt durch Stuttgart 21 und den zweiten S-Bahn-Tunnel in München. In zwei Jahren findet die letzte große Ausschreibung statt. Dann geht es um das technische Innenleben des Tunnels. Weil auch dann Preissteigerungen zu erwarten sind, gehen die Stadtwerke von 230 bis 250 Millionen Euro aus. Der Großteil des Projekts wird aus Fördergeldern bezahlt.

Mit dem Bahnhofstunnel wird neben einem barrierefreien Ausbau des Hauptbahnhofs mit Liften und Rolltreppen auch eine Drehscheibe zwischen dem Bahn- und dem Straßenbahnverkehr geschaffen. Bisher mussten umsteigewillige Fahrgäste mehr als 100 Meter zur Straßenbahnhaltestelle zurücklegen, künftig rücken Straßenbahn auf der einen Seite und der regionale Bahnverkehr und der Fernverkehr auf der anderen Seite deutlich näher zusammen.

Der Gleisanschluss im Westen ist noch ungewiss

Während die Arbeiten am Bahnhofstunnel vorangehen, ist ab er nach wie vor unklar, wie die Straßenbahn-Linienführung auf der Westseite des neuen Tunnels laufen soll. Die von Stadtwerken und Stadt gewünschte Variante über Rosenau/Pferseer Straße (stadtauswärts) und Perzheim-/Hörbrotstraße (stadteinwärts) lässt sich aufgrund diverser Verzögerungen und Umplanungen bis 2023 wohl kaum mehr verwirklichen, zumal das Genehmigungsverfahren noch gar nicht begonnen hat. Denkbar wäre eine provisorische Lösung durch die Rosenaustraße im Zweirichtungsverkehr oder – sollten alle Stricke reißen – gar die vorläufige Beibehaltung der Trasse durch die Pferseer Unterführung. Betroffen ist von diesen Überlegungen die bestehende Linie 3 nach Stadtbergen. Mit der geplanten Linie 5 zur Uniklinik ist wegen Unklarheiten im weiteren Linienverlauf wohl ohnehin nicht so schnell zu rechnen.

Mit Sicherheit angefahren wird die unterirdische Bahnhofstunnel-Haltestelle ab 2023 von den Linien 4 und 6, die am Hauptbahnhof enden. Sie werden dort in einer unterirdischen Wendeschleife umdrehen.

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04.06.2019

Eine viertel Milliarde für eine Luxus-Endstation der Linie 4 und 6 am HBF ohne substanzielle Verbesserung für den Tramverkehr in den Augsburger Westen?

Ein Gleis-Torso auf die Westseite des HBF, für den die stolzen Befürworter um Mobilitätsdrehscheibe und Klimaschutz keinen Ausgang finden? Man sich nur mit klein-klein Lösungen beschäftigt, die Tram, Radfahrer und Autofahrer in ein heilloses Durcheinander stürzen?

>> Denkbar wäre eine provisorische Lösung durch die Rosenaustraße im Zweirichtungsverkehr <<

Sehr geehrter Herr Krog, das ist die planfestgestellte Variante mit Baurecht!


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04.06.2019

Warum nicht eine wirkliche Lösung im Westen des HBF?

> Tram auf planfestgestellter Trasse durch die Rosenaustraße?
> Darunter ein Autotunnel zwischen Portal West und der Pferseer Straße für den notwendigen Durchgangsverkehr?
> Darüber ein echter verkehrsberuhigter Bahnhofsvorplatz mit PLATZ für Tram, Fußgänger, Radfahrer, Taxis, Kiss and Ride, Bushaltestellen?
> Eine Fahrradachse/Fahrradstraße zwischen Kö und Wertachufer - via Bahnhofstraße, westliche Viktoriastraße, Pferseer Tunnel, Perseer Straße? Ohne große kreuzende Auto-Verkehrsströme dank dem Autotunnel?
> Dem Erhalt der Haltestelle „Rosenaustraße“ in der verkehrsberuhigten Pferseer Straße mit bequemer Anbindung der umliegenden Wohnbebauung?
> Allen Möglichkeiten für eine künftige Linie 5?
> Einer Neuverteilung des Platzes auf der Pferseer Brücke nach Entfall der Haltestelle? Vielleicht mit Auto by-pass zwischen Lutzstraße und Perzheimstraße und einer sicheren mittigen Zuführung zwischen Pfersee und neuer Fahrradachse?
> Einer Sperrung der Hessenbachstraße mit neuem Platz am Eingang nach Pfersee? Für weniger Durcheinander und flüssige Fahrt für Tram und Fahrrad?

Ein echtes neues Verkehrskonzept statt Zuschussabzocke? Wo sind die Augsburger Grünen? Wieder schön still für einen netten Posten für ein verdientes Parteimitglied? Oder bereit an einer Stelle mal eine echte Verkehrswende zu versuchen?

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