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Augsburg

04.06.2020

Kinderbetreuung: In Augsburg fehlen 800 Plätze

In Augsburg finden viele Familien nach wie vor keinen Kita-Platz für ihre Kinder. Derzeit fehlen rund 800 Plätze.
Bild: Ida König (Symbolbild)

Plus Obwohl das Angebot so groß ist wie nie, ist die Situation in Kitas angespannter denn je. Wie Augsburgs neue Bildungsreferentin Martina Wild den Familien helfen will.

Als Susanne Rößner aus der Hammerschmiede ihren jetzt dreieinhalbjährigen Sohn für September in drei Kindertagesstätten angemeldet hat, war sie voller Hoffnung. „Wir warten bereits das zweite Jahr und diesmal war uns ein Platz in Aussicht gestellt worden.“ Doch je mehr Briefe von den Einrichtungen eintrafen, desto mehr verdüsterte sich die Miene der angehenden Friseurmeisterin. „Es kamen wieder nur Absagen, die mit der hohen Zahl der Anmeldungen begründet wurden.“ In einem der Kindergärten, so hat sie auf Nachfrage erfahren, seien von 100 Bewerbern nur acht zum Zug gekommen. Die Lage in Augsburg ist angespannt. Was Bildungsreferentin Martina Wild nun tun will.

Dabei ist die dreifache Mutter, deren Mann im Schichtdienst arbeitet, dringend auf einen Platz für ihr Nesthäkchen angewiesen: Sie möchte sich jetzt nach der Meisterprüfung selbstständig machen. Aus diesem Grund hat Susanne Rößner einen Anwalt eingeschaltet. „Es besteht ein Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz. Den will ich jetzt auch einklagen“, sagt sie.

Kita-Plätze: Viele Familien in Augsburg bekamen diese Woche Absagen

Die Familie aus der Hammerschmiede ist nicht die einzige, in der es in diesen Wochen lange Gesichter gab. Laut Eva-Maria Hermanns, Chefin der städtischen Kindertagesstätten und bald Leiterin des neuen Amtes für Kindertagesbetreuung, sind aktuell rund 800 Mädchen und Jungen noch nicht versorgt. Das sind 300 mehr als vor einem Jahr.

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Bezüglich der absoluten Zahlen ist der Engpass bei den Drei- bis Sechsjährigen am größten: Von den unversorgten Kindern entfallen 474 auf den Kindergarten, 93 auf den Hortbereich (Grundschulalter) sowie 236 auf die Krippe für die unter Dreijährigen. Vergleicht man die Stadtregionen miteinander, klafft vor allem im Augsburger Süden, aber auch im Osten, hier vor allem in Lechhausen und im Bärenkeller, eine große Lücke zwischen Angebot und Nachfrage.

Dass sich der Platzmangel verschärft hat, verwundert auf den ersten Blick. Denn mit insgesamt rund 14.000 Plätzen für die verschiedenen Altersstufen ist das Betreuungsangebot in Augsburg so groß wie noch nie. Allein die Stadt hat innerhalb der vergangenen zwölf Monate fast 350 neue Plätze geschaffen. Und auch die Freien Träger haben gebaut, unter anderem die Kleinen Freunde in Kriegshaber und St. Andreas im Herrenbach.

Die Ursachen für den Versorgungsengpass seien vielfältig, sagt die neue Bildungsreferentin Martina Wild (Grüne), bei der jetzt der bislang auf zwei Referate aufgeteilte Kita-Bereich zusammenläuft. Ein Grund sei das Wachstum der Stadt mit vielen Zuzügen von Familien. „Und zum anderen wünschen auch mehr Familien über einen längeren Zeitraum eine Betreuung.“ Hinzu kommt, dass nicht jede Kindertagesstätte ihr Haus voll belegen kann. Wenn Fachkräfte fehlen, können nicht alle vorhandenen Plätze belegt werden.

Kinderbetreuung in Augsburg: Es gibt viele Gründe für den Engpass

Amtsleiterin Hermanns ist dennoch zuversichtlich, dass sich auch wegen der Besetzung von vakanten Stellen bis zum Start des neuen Kita-Jahres Anfang September einiges tut und noch zahlreiche Kinder auf der Warteliste versorgt werden können. „Da ist immer Bewegung drin.“

Aktuell meldet die neue städtische Kindertagesstätte Schwimmschulstraße freie Plätze im Kindergarten und im Hort. In Kriegshaber dürfte nach Einschätzung der Stadt die Inbetriebnahme eines Zentralhorts in der Ulmer Straße für Entspannung sorgen. Die 125 Plätze entstehen in den Räumen eines ehemaligen Supermarkts, der gerade umgebaut wird. Dadurch sind laut Hermanns andere Kitas in der Lage, Hort- in dringend benötigte Kindergartenplätze umzuwandeln. Auch in Lechhausen sollen ein Zentralhort mit 100 Plätzen und die Erweiterung einer bestehenden Einrichtung die Notlage entschärfen.

Bald soll in diesem ehemaligen Supermarkt in Kriegshaber ein Hort mit 125 Plätzen eröffnen.
Bild: Ulrich Wagner

Des Weiteren rollen demnächst in Hochzoll in der Zugspitzstraße die Bagger an. Dort wird eine viergruppige Kita errichtet. Und auch in Göggingen sollen durch den Neubau der Kita Fabrikstraße 50 zusätzliche Plätze entstehen.

Eine Reihe weiterer Neubauten ist geplant, etwa im Textilviertel (Martinipark), Kriegshaber (Dehner-Areal) und im Antonsviertel auf dem Gelände des Hintermayr-Stifts. Doch bis die Projekte tatsächlich Baureife haben, vergeht oft viel Zeit.

Neues Amt für Kindertagesbetreuung soll helfen

Künftig sollen in dem neuen Amt Kindertagesbetreuung alle Fäden zusammenlaufen, ob es nun um Einrichtungen der Stadt oder der freien Träger geht. Martina Wild erwartet „Synergieeffekte“ von der neuen Dienststelle, in der es auch einen Kümmerer für den Baubereich geben soll. „Wir tun, was wir können“, verspricht die für Bildung zuständige Augsburger Bürgermeisterin. Als dreifache Mutter ist sie mit den Wünschen und Nöten von Eltern nicht nur vom Schreibtisch aus vertraut.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Andrea Baumann: Eine Klage schafft keine neuen Kita-Plätze

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