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Theater

27.09.2017

Kurz vor der ersten Opernpremiere

Hinrich Horstkotte inszeniert in der neuen Spielstätte des Theaters Augsburg im Martinipark Carl Maria von Webers „Der Freischütz“.
Bild: Ulrich Wagner

Hinrich Horstkotte inszeniert „Der Freischütz“ im Martinipark. Dass er dort keinen Wald mit der Wolfsschlucht auf die Bühne stellen kann, stört ihn nicht

„Der Freischütz“, Carl Maria von Webers Oper über einen Pakt mit dem Teufel, hat André Bücker für die Eröffnung der Spielzeit, als erste Inszenierung seiner Intendanz, ausgesucht. Ein Stück, das gerne als deutsche Nationaloper bezeichnet wird, das als die romantische Oper schlechthin, als Wendepunkt in der Musikgeschichte gilt. „,Der Freischütz’ weckt eine große Erwartungshaltung beim Publikum“, weiß Hinrich Horstkotte, Regisseur dieser ersten Inszenierung an der neuen Spielstätte im Martinipark, die morgen Premiere hat.

Horstkotte wandert durchs Bühnenbild, öffnet Türen zu einem Schlafgemach, zu einer Stube, in der ein ausgestopfter toter Hirsch im Vordergrund liegt. „Für einen Wald haben wir hier natürlich keinen Platz“, sagt er und mit Blick auf die Drehbühne: „Da wir keine Seitenbühne und keinen Schnürboden haben, muss alles von Anfang an eingerichtet sein.“ Welche Anforderungen die Szenerie an eine Bühne stellt, damit kennt sich der in Bonn geborene 45-Jährige, der jetzt in Berlin lebt, gut aus: An der Akademie der Bildenden Künste in München studierte er Bühnenbild und -kostüm sowie Dramaturgie. Bereits während des Studiums zog es ihn aber auch schon zur Regie, war er Assistent seiner Lehrer Karl-Ernst und Ursel Herrmann, mit denen er an Inszenierungen in Baden-Baden, Salzburg und Innsbruck arbeitete. Oft hat er in den folgenden Jahren an kleineren Häusern gearbeitet, viel auch im Osten der Republik, wo es darum ging, nach dem Mauerfall wieder Publikum ins Theater zu bringen. André Bücker kennt er bereits aus der Zusammenarbeit in Dessau.

Dass Hinrich Horstkotte für seine Inszenierungen immer auch die Kostüme entwirft, liegt allerdings nicht nur an seinem Werdegang, sondern auch an der Art und Weise, wie er sich einem Stück nähert: „Ich sehe die Figuren vor mir, wie sie sich bewegen und präsentieren, und das hängt eng zusammen mit dem, was sie anhaben“, erklärt er. Im Augsburger „Freischütz“ übrigens werden sie Biedermeier-Kostüme tragen. Für seine Inszenierung arbeitet Horstkotte mit dem Bühnenbildner Siegfried E. Mayer zusammen. „Es ist ein sehr komplexes Stück, dafür wollte ich den Austausch mit einem Partner“, erklärt er, warum er nicht auch noch das Bühnenbild selbst gestaltet.

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Die Beschränkungen, die ihnen die Fabrikhalle im Martinipark auferlegt, kommen Hinrich Horstkotte bei seiner Interpretation des „Freischütz“ dabei sogar entgegen, will er den Blick doch nicht auf das große Nationalepos lenken, auf die Frage nach einer deutschen Identität, einer Leitkultur gar, von der in letzter Zeit wieder so viel die Rede ist.

Horstkotte sieht im „Freischütz“ die individuelle, die private Tragödie um den Jägerburschen Max und seine Braut Agathe – „ein Paar, das man in der Oper nie glücklich erlebt“. Um seine Braut heiraten zu können, muss Max einen Probeschuss leisten. Doch der Jäger, der als einer der besten Schützen weit und breit gilt, hat eine Pechsträhne und befürchtet, nicht zu treffen. Deshalb geht er auf den teuflischen Pakt ein, Freikugeln, die immer das gewünschte Ziel treffen, zu gießen. Doch für die letzte der sieben Kugeln bestimmt der Teufel das Ziel.

Der Kampf zwischen gut und böse ist für den Regisseur jedoch nicht so sehr einer mit dem Teufel, sondern es ist ein Zwiespalt, der aus Max selbst kommt. Die berühmte Wolfsschluchtszene verlegt Horstkotte deshalb in die Kammer von Max. Immer tiefer gerät dieser ins Unterbewusste mit seinem Versagensängsten – unter Druck gesetzt durch eine Gesellschaft, die durch Tabus, Riten und Überwachung geprägt ist.

Hinzu kommt die Dämonisierung des Alltags, die im 19. Jahrhundert, sehr verbreitet war. Texte von E.T.A. Hoffmann fallen Hinrich Horstkotte da sofort ein, wenn der diese „schwarze Romantik“ beschreiben will, und er erzählt weiter, dass die genaue Stückanalyse ein wichtiger Teil seiner Arbeit ist. „Ich bin kein Avantgardist. Ich nehme mich selbst nicht so wichtig, ich will zum Kern eines Stückes durchdringen.“

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