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01.08.2015

Lehrer, Forscher und Bürger

Wolfgang Frühwald
Bild: Archiv

Wolfgang Frühwald wird morgen 80 Jahre

Ach, Goethe... Mit dem Dichterfürsten hat sich Wolfgang Frühwald lebenslang befasst, und auch jetzt im Alter bleibt er ihm treu. Nach mehreren Werken über den Weimarer (neben Arbeiten über Eichendorff, Brentano, Thomas Mann und andere Dichter) arbeitet der Literaturwissenschaftler gerade an einem „kleinen Büchle“ über Goethes Frau. „Die Christiane g’fallt mir“, sagt Frühwald auf gut Schwäbisch. An diesem Wochenende allerdings muss er seinen Schreibtisch verlassen, denn es gilt zu feiern. Wolfgang Frühwald wird am morgigen Sonntag 80, und die fünf Kinder mit ihren Partnern, die elf Enkelkinder (ebenfalls zum Teil schon mit Lebensgefährten) haben den Jubilar und seine Frau Viktoria ins Kloster Roggenburg eingeladen. „Was sie da vorhaben, verrät man mir natürlich nicht.“

Weithin anerkannter Gelehrter, der an den Universitäten Trier, Mainz und München forschte und unterrichtete, und den Seinen zugewandter Familienvater – das sind zwei Seiten des Wolfgang Frühwald. Dazu kommt eine dritte: die des engagierten Forschungspolitikers, der als Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG und der Alexander von Humboldt-Stiftung entscheidend mit beeinflusste, wie die Wissenschaft in Deutschland sich aufgestellt hat. Als Gutachter und Ratgeber war er auch nach seiner Amtszeit bei der DFG in Bonn gefragt. Als er aus Altersgründen die Beratungstätigkeit einschränkte, blieb ihm mehr Zeit für die Hinwendung zur deutschen Sprache und Literatur – sein Lebensthema. Für beides, Forschungspolitik und Wissenschaft, wurde Frühwald mehrfach ausgezeichnet.

Zu erwähnen bleibt schließlich eine vierte Seite des Wolfgang Frühwald: die des Bürgers, des Citoyen im Geist der Aufklärung, der das Gemeinwesen mitgestaltet und, wenn nötig, deutlich Stellung bezieht. Der gebürtige Augsburger, der das Anna Gymnasium besuchte, ist seiner Heimat, dieser „kleinen Großstadt in Schwaben“ treu geblieben, ohne freilich in biedere Selbstbeschränkung zu verfallen. Ob als Juryvorsitzender des Forums für Interkulturelles Leben und Lernen oder als bekennender Katholik und Mitglied seiner örtlichen Gemeinde – Frühwald las den Augsburgern auch mal die Leviten, mahnte zu mehr Weltoffenheit und Toleranz. Neuerdings tritt er bisweilen als Zeitzeuge auf und erzählt davon, wie er Nazi-Diktatur und Krieg erlebt hat. Wer ihm zuhört, der ist tief beeindruckt, denn Wolfgang Frühwald hat seinen Mitbürgern nach wie vor viel zu sagen.

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