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Soziales

01.03.2013

Lieber schnelles Geld bei Amazon als eine Lehre

Das Arbeitsamt steckt jährlich sieben Millionen Euro in die Unterstützung junger Leute. Sie bekommen so ausbildungsbegleitende Hilfen.
Bild: Foto: Fred Schöllhorn

Die Jugendarbeitslosigkeit sank durch vereinte Bemühungen auf 3,9 Prozent. Doch manches macht Kopfzerbrechen.

Neben der Wirtschaftslage sind die Erfolge auf einen Schulterschluss von Arbeitsagentur, Schulen, Stadt und Wirtschaft zurückzuführen. Ziel war unter anderem, dass junge Leute nicht in der Endlosschleife berufsvorbereitender Maßnahmen hängen bleiben. Das gelang: 600 sind gerade in derartigen Projekten; 75 Prozent schaffen durchschnittlich den Absprung, berichtete Werner Möritz, Bereichsleiter der Arbeitsagentur, im Bildungsausschuss.

Am städtischen Schulreferat läuft seit drei Jahren ein Projekt zum Übergang Schule–Beruf, das demnächst endet. In Zusammenarbeit mit der Agentur setzten mehrere Projekte an Mittelschulen an. So stehen Berufseinstiegsbegleiter besonders schwachen Schülern von der 8. Klasse bis zum Ende der Probezeit zur Seite. Außerdem werden alle Mittelschüler in der vertieften Berufsorientierung auf den Schritt ins Arbeitsleben vorbereitet. Und deutschlandweit ist Augsburg die erste Region, in der ein Kooperationsvertrag zwischen Schulen und Wirtschaft abgeschlossen wurde.

Das Arbeitsamt steckt jährlich über sieben Millionen Euro in die Unterstützung junger Leute. So bekommen 460 Lehrlinge ausbildungsbegleitende Hilfen. In ihrer Freizeit erhalten sie Nachhilfe, teils auch Deutschunterricht, und sozialpädagogische Betreuung – sprich Nachhilfe in Umgangsformen, Disziplin und Konfliktfähigkeit.

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150 Personen werden dieses Jahr von einem Programm profitieren, dass über 20-Jährigen Ausbildung oder Umschulung ermöglicht. Hier deutet sich aber schon das erste von mehreren Problemen an: Laut Möritz ist durch Amazon das Lohnniveau für Ungelernte so hoch, dass einige junge Leute lieber schnelles Geld dort verdienen, als für Arbeitslosengeld eine auf zwei Jahre verkürzte Ausbildung zu absolvieren.

Speziell Jugendliche in Augsburg seien nicht mobil genug, berichtete Möritz. Zugespitzt bedeute dies: „Ein junger Zusmarshauser hat kein Problem, zum Arbeiten nach Augsburg zu fahren. Aber der Oberhauser will nicht nach Haunstetten.“

Junge Migranten leiden unter Vorurteilen in Betrieben

Dabei seien gerade auf dem Land Lehrstellen frei. Die Agentur arbeitet gegen diesen Trend, indem sie Jugendliche gezielt Fördermaßnahmen außerhalb ihres Stadtquartiers absolvieren lässt. Weiteres Problem: Während Firmen sogar Schüler mit schlechterem Hauptschulabschluss nehmen, tun sich Jugendliche aus Einwandererfamilien schwer. Teilweise lässt sich das offenbar weniger auf deren schlechtere Leistung zurückführen, sondern auf Vorurteile in Betrieben. Hier will die Agentur Überzeugungsarbeit leisten.

Außerdem sei eine Koordinationsstelle für das Durcheinander der vielen Mentoren- und Paten-Projekte nötig. Problem: Die Arbeitsagentur hat Geld, darf aber laut Gesetz die Stelle nicht einrichten – bei der Stadt ist es andersherum.

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