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Augsburg

20.06.2015

Mann beißt einem Freund ein Ohr ab

Der 27-Jährige biss einem Freund Teile des Ohrs ab.
Bild: Symboblild, Ralf Hirschberger (dpa)

Ein Streit in einem maroden Asylbewerberheim ist eskaliert. Aus Wut beißt ein 27-Jähriger einem Freund Teile des Ohrs ab. Warum sich die beiden trotzdem wieder versöhnt haben.

Die Asylunterkunft in der ehemaligen Hindenburgkaserne neben dem Polizeipräsidium in Augsburg gilt als die schlimmste in Bayern. Die Zimmerwände in dem Backsteingebäude an der Ecke Calmbergstraße und Gögginger Straße sind verschimmelt. Der Putz bröckelt, Räume sind von Insekten befallen. Fast 150 Männer vor allem aus Schwarzafrika leben hier auf engstem Raum mehr schlecht als recht. Viele Asylbewerber dürfen überdies nicht arbeiten, sind frustriert, trinken. Aggressionen schlagen in Gewalt um.

Nach einem Streit bei einem Saufgelage in einer Januarnacht 2014 biss ein Somalier, 27, einem Landsmann einen Großteil der linken Ohrmuschel ab. Das Opfer ist dauerhaft entstellt. Deshalb wurde der Täter nun von einem Schöffengericht unter Vorsitz von Rita Greser wegen schwerer Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt. Er muss zudem 100 Sozialstunden ableisten.

Täter und Opfer haben sich wieder versöhnt

Täter und Opfer haben sich inzwischen wieder versöhnt. „Wir waren gute Freunde und sind es wieder“, sagten beide unisono im Prozess. Damals hatte eine Gruppe von Somaliern schon seit dem Vormittag gezecht, Bier und Wodka getrunken. Warum die beiden Freunde dann in Streit gerieten, lässt sich nicht mehr genau sagen.

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Beide waren erheblich alkoholisiert, prügelten sich, das spätere Opfer verletzte den nun Angeklagten zunächst mit einer Bierflasche am Kopf. Die Auseinandersetzung war eigentlich schon beendet, der 30-Jährige ging nach draußen, setzte sich vor das Gebäude. Plötzlich kam der Angeklagte zu ihm, packte ihn von hinten am Hals und biss ihm einen Teil des linken Ohres ab.

Opfer hat noch Schmerzen

„Ich war sehr betrunken, ich wusste nicht, dass es so schlimm ausgeht“, bedauerte der Angeklagten (Verteidiger: Werner Ruisinger). Das Opfer, sichtlich entstellt, hat seitdem Schmerzen in der Halsgegend, ist aber hart im Nehmen.

„Anfangs war ich sehr sauer, inzwischen ist er wieder mein guter Freund“, verzeiht der Somalier auch im Gerichtssaal dem Angeklagten. In der Urteilsbegründung sagte die Richterin, diese Tat sei wohl auch den Zuständen in der Unterkunft zuzuschreiben.

Derzeit sind beim Augsburger Amtsgericht noch zwei weitere Prozesse um Gewalttaten in diesem Asylheim anhängig. Die marode Unterkunft sollte längst geschlossen werden. In den vergangenen Jahren hatten neben Flüchtlingsorganisationen bereits zahlreiche Medien, so unsere Zeitung und auch Fernsehsender, die katastrophalen Zustände kritisiert.

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