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Innenstadt

30.06.2012

Mehr Polizei, weniger Schlägereien

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Seit mehr Beamte die Partyszene im Blick haben, ist die Gewalt rückläufig. Der Ordnungsreferent plant zudem eine freiwillige Sperrzeit

Deutschland hat verloren. Die Italiener feierten, und wie. Mehr als 1000 Anhänger des italienischen Fußballteams tanzten nach dem EM-Halbfinale bis nach Mitternacht in der Maximilianstraße. Obwohl es eng zuging, gab es kein Chaos. Polizei und Ordnungsdienste lenkten die Feiernden und sorgten dafür, dass Busse und Straßenbahnen nicht stecken blieben. „Es war eine friedliche Feier“, sagt Werner Bayer, Chef der Polizeiinspektion Mitte. Einzig das Abschießen von Feuerwerk hat ihn geärgert, „weil es gefährlich ist.“

So unproblematisch wie am Donnerstag geht es auf der Pracht- und Partymeile nicht immer zu. Die Polizei beklagte in den vergangenen Jahren einen deutlichen Anstieg der Gewalt. Auch Beamte geraten dabei ins Visier. Deshalb ist die Polizeipräsenz an den Wochenenden deutlich erhöht worden. Seit sieben Wochen sind zusätzlich Beamte der Bereitschaftspolizei in der Innenstadt unterwegs. Aus Sicht der Polizei geht das Konzept voll auf. „Wir haben deutlich weniger Körperverletzungen im Umfeld des Nachtlebens“, sagt Bayer.

Werner Bayer ist seit Herbst Chef des Innenstadtreviers, er hat das Konzept zusammen mit seinen Beamten entwickelt. Die Idee dahinter: Die Polizisten reagieren nicht nur auf das Geschehen. Sie versuchen, Straftaten von vorneherein zu unterbinden. Das geht nur, weil die Beamten zu Fuß unterwegs sind – gut sichtbar durch gelbe Warnwesten. „Wir wollen Krawallmachern deutlich zeigen, dass wir keine Straftaten dulden“, sagt Bayer.

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Die Zahlen der ersten sieben Wochen scheinen ihm Recht zu geben. Seit Beginn der Aktion zählte die Polizei an den Wochenenden 42 Schlägereien. Ein deutlicher Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. Im selben Zeitraum waren es damals 63 Körperverletzungen. „Ein guter Trend“, sagt Bayer. „Es bestätigt unseren Eindruck, dass wir viele Schlägereien verhindern können, bevor sie eskalieren.“ Die Präsenz der Beamten hat auch eine zweite Folge: Täter werden schneller geschnappt. Die Aufklärungsquote bei Körperverletzungen wurde von 68 Prozent auf über 88 Prozent gesteigert. Das heißt vereinfacht: Neun von zehn Tätern werden erwischt.

Die Reaktionen, die den Inspektionschef erreichen, sind überwiegend positiv. „Anwohner und Wirte sind froh“, sagt Bayer, „aber auch die meisten Nachtschwärmer reagieren freundlich.“ Aus Sicht der Polizei ist es ohnehin nur ein kleiner Teil der Partygänger, der für Ärger sorgt. Die Mehrheit, heißt es immer wieder, feiere friedlich. Bayer: „Es liegt uns nichts daran, Partybesucher abzuhalten.“ Geplant ist, die erhöhte Polizeipräsenz den Sommer über durchzuhalten. Wenn die Fußballsaison beginnt, ist es schwieriger, die Bereitschaftspolizei in die Maxstraße zu lotsen – dann sind die Beamten weitgehend ausgelastet.

Einig sind sich die meisten Beobachter, dass der Einsatz wirkt. Doch es scheint nicht so, als ob die Gruppe von Anwohnern, die wegen nächtlichen Lärms juristisch gegen die Stadt vorgeht, damit zufriedengestellt wird. Ordnungsreferent Volker Ullrich (CSU) feilt hinter den Kulissen an weiteren Maßnahmen. Er will Klubs und Diskotheken dazu bewegen, freiwillig nachts um vier Uhr zu schließen. Bisher ist erst um fünf Schluss. Am Mittwoch saß Ullrich mit den Gastronomen zusammen. Sie signalisierten ihr Okay.

Doch an der Frage, ob diese eine Stunde etwas bringt, scheiden sich die Geister. „Die Polizei ist für eine frühere Sperrzeit“, sagt Werner Bayer. Anwohner bringen gar eine Sperrzeit um zwei Uhr ins Gespräch. Ullrich lehnt das ab. „Das passt nicht zu einer Großstadt“, lautet stets seine Antwort darauf.

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