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Wettbewerb

13.06.2016

Mit 18 Jahren schon ein Stück für die Philharmoniker

Erstmals arbeitet Valentin Ruckebier mit einem professionellen Orchester zusammen. Die Augsburger Philharmoniker spielen heute und morgen abend beim Sinfoniekonzert seine Komposition „Devourer“.
Bild: Ruckebier

Der junge Valentin Ruckebier ist der Gewinner der Ausschreibung zum Orchesterjubiläum. Heute ist Uraufführung

Ein Wettbewerb für junge Komponisten sollte es sein, und dieser Anspruch ist aufs Deutlichste eingelöst worden. Denn der Gewinner des Kompositionswettbewerbs, den die Augsburger Philharmoniker anlässlich ihres 150-jährigen Bestehens ausgelobt hatten, ist ein 18-Jähriger: Valentin Ruckebier aus Wuppertal. Im letzten Philharmoniker-Sinfoniekonzert der laufenden Spielzeit, also am heutigen Montag und nochmals am Dienstag, wird sein Orchesterwerk „Devourer“ in der Kongresshalle zur Uraufführung kommen.

Die Augsburger Philharmoniker, 1865 als städtisches Orchester gegründet und somit Jubilare im vergangenen Jahr, hatten bei der Ausschreibung des Wettbewerbs das Teilnehmerfeld beschränkt auf Kandidaten ab dem Jahrgang 1986 – die Chancen jüngerer, noch nicht arrivierter Komponisten sollten damit erhöht werden. Gefordert war ein etwa zehnminütiges Stück für Orchester in großer Besetzung. Zehn Einsendungen gab es, eine Zahl, mit der man sich bei den Philharmonikern durchaus zufrieden zeigt. Über die Partituren beugten sich nicht nur Generalmusikdirektor Domonkos Héja und die beiden Orchestervorstände Johannes Gutfleisch und Gábor Vanyó, sondern auch die renommierten Komponisten Hans-Jürgen von Bose und Daniel Ott. Am Ende war man sich einig, wer die drei zu vergebenden Preise (gestiftet von MAN, Sparkasse und Monika Kraus) erhalten sollte: neben Valentin Ruckebier (4000 Euro) auch Severin Dornier (München/2000 Euro) sowie Lars Patrick Opfermann (Homberg/1000 Euro).

Hauptpreisgewinner Ruckebier hat trotz seines jugendlichen Alters bereits einen erstaunlichen Weg als Komponist zurückgelegt. Aus einem musikalischen Elternhaus stammend und früh mit Singen und Musizieren konfrontiert, begann er schon als Achtjähriger mit dem zunächst autodidaktischen Komponieren, bevor er wenig später regulären Unterricht im Tonsatz erhielt. Mehrfach gewann er als Instrumentalist, Sänger und Komponist Preise bei „Jugend musiziert“ und „Jugend komponiert“. 15-jährig nahm er an einem Kompositions-Meisterkurs von Jörg Widmann in Montepulciano teil, seit zwei Jahren ist Ruckebier Student bei Manfred Trojahn an der Düsseldorfer Musikhochschule.

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Der Titel „Devourer“ für das Stück, mit dem Ruckebier die Augsburger Juroren überzeugte, lautet übersetzt aus dem Englischen „Verschlinger“ und entstammt einem altnordischen Mythos: Die Kette Gleipnir („Verschlinger“) hat auf Befehl der Götter den Wolf Fenrir an einen Felsen gefesselt. Die unzerreißbare Kette besteht aus sechs Gliedern, die nicht mehr in der Welt vorhanden sind, wie etwa der Atem der Fische, der Schmerz der Bären oder die Wurzeln der Berge. So sehr der Wolf Fenrir auch an der Kette zerrt, es gelingt ihm nicht. Erst beim Weltuntergang, der Götterdämmerung, kann er sich davon befreien und verschlingt daraufhin den Gott Odin.

Das kann man sich gut in Tönen erzählt vorstellen. Valentin Ruckebier legt jedoch Wert auf die Feststellung, dass er stets Musik zu schreiben versuche, die auch ohne Kenntnis des ihr zugrunde liegenden Programms für Hörer nachvollziehbar sei. Was die Tonsprache von „Devourer“ betrifft, so verrät der Komponist schon einmal, dass er sich hier nicht avantgardistischer Verfahren und ihrer „erweiterten Spieltechniken“ bediene. Durchaus lasse er sich in seinen Kompositionen „dazu hinreißen“, auch mal melodisch zu werden.

Ruckebier wird im Laufe des heutigen Tages die Endproben des Orchesters mitverfolgen. Über den Wettbewerbsgewinn freut er sich: „Ich hatte noch nie Gelegenheit, mit einem professionellen Orchester zusammenzuarbeiten.“ Aber auch Ruckebiers Preisträgerkollegen werden dazu noch Gelegenheit haben. Severin Dornier und Lars Patrick Opfermann müssen allerdings noch warten. Erst im Juni 2017 wird es ein Sonderkonzert der Philharmoniker geben, in dem die mit dem 2. und 3. Preis prämierten Werke zur Aufführung gelangen. Auch Valentin Ruckebier soll dann noch einmal auf dem Programm stehen.

Im 8. und letzten Sinfoniekonzert der Philharmoniker-Saison stehen neben der Ruckebier-Uraufführung drei weitere Werke auf dem Programm: Wagners „Tristan“-Vorspiel, Liszts 2. Klavierkonzert mit Bernd Glemser als Solist sowie Beethovens 6. Sinfonie „Pastorale“. Als Gast dirigiert Nicholas Milton. Konzertbeginn am 13. und 14. Juni in der Kongresshalle ist um 20 Uhr (Einführung 19.10 Uhr).

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