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Interview

02.08.2020

Neuer Stadtsparkassen-Vorstand: "Habe schon einige Tiefs mitgemacht"

Wolfgang Tinzmann rückt zum 1. August in den Vorstand der Stadtsparkasse Augsburg nach. Dort ist er vorrangig für die gewerblichen Kunden zuständig.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Wolfgang Tinzmann folgt als Vorstandsmitglied bei der Augsburger Stadtsparkasse auf den scheidenden Walter Eschle. Welche Ziele er sich setzt.

Herr Tinzmann, Sie haben 1993 mit Ihrer Ausbildung bei der Stadtsparkasse München begonnen und sind 2003 nach Augsburg gewechselt. Seit 27 Jahren sind Sie der Sparkassenfamilie somit treu. Warum?

Wolfgang Tinzmann: Ich bin über ein Trainee-Programm zur Stadtsparkasse gekommen und habe sehr schnell festgestellt, dass das Konzept der Institutsgruppe zu mir passt. Es ist in der Region verwurzelt und pflegt einen engen Kontakt mit den Kunden. Auch die Tatsache, dass eine Sparkasse aufgrund ihres Auftrags für alle da ist, hat mich überzeugt. Wir betreuen in den einzelnen Segmenten vom „normalen“ Bürger bis zum großen Unternehmen und vermögenden Privatkunden jeden. Wir gelten als verlässlicher Partner. Diese Verlässlichkeit ist ein Wert, der mich überzeugt hat.

Sie sind seit Beginn Ihrer Bankkarriere nicht nur für die Stadtsparkasse tätig, sondern auch ununterbrochen für den Bereich gewerbliche Kunden zuständig. Auch in Ihrer Rolle als drittes Mitglied im Vorstand der Stadtsparkasse Augsburg liegt hier Ihr Schwerpunkt. Was reizt Sie daran?

Neuer Stadtsparkassen-Vorstand: "Habe schon einige Tiefs mitgemacht"

Tinzmann: Hier spielt zum einen mein Studium eine Rolle. Es hat die Basis dafür gelegt. Außerdem finde ich es spannend, mit unterschiedlichen Betrieben und Unternehmen, vom Solo-Selbstständigen bis zum Großunternehmen, zusammenzuarbeiten. Hier lernt man so viele interessante Menschen, Produkte und Entwicklungen kennen. Und im Idealfall entstehen lange Beziehungen, in denen sich das Unternehmen positiv weiterentwickelt. Wenn man dann sagen kann, wir als Sparkasse haben mit unserer „Ware“ Geld das nötige Schmiermittel geliefert, um die Motoren der Unternehmen in Gang zu halten, freut einen das.

Das Schmiermittel, das Sie genannt haben, ist derzeit für Ihre Kunden wichtiger denn je. Stichwort Corona …

Tinzmann: Ja, das stimmt, Corona hat viele Unternehmen getroffen. Es war der schlimmste Konjunktureinbruch seit dem Zweiten Weltkrieg. Es gab aber auch so viele Hilfsmaßnahmen wie noch nie. Auch wir haben mit Tilgungsaussetzungen und „Corona-Krediten“ unterstützt. Ich bin zudem überzeugt, dass viele unserer Kunden in den letzten Jahren gut gewirtschaftet haben und die Krise daher mit unser aller Unterstützung meistern werden. Bislang ist in den meisten Fällen unserer Kunden die Liquidität gesichert.

Walter Eschle scheidet als Vorstand der Stadtsparkasse aus.
Bild: Silvio Wyszengrad

Und was ist mit Unternehmen aus Branchen, die besonders stark betroffen sind. Wie beispielsweise die Gastronomie, die Reise- oder Hotelbranche?

Tinzmann: Da sieht es leider tatsächlich etwas anders aus. Hier gibt es durchaus Betriebe, die hart zu kämpfen haben.

Können Sie hier nicht mit weiteren Krediten helfen?

Tinzmann: Wir helfen, wo wir können. Aber dennoch müssen wir jeden Fall einzeln prüfen und uns genau ansehen, ob ein Kredit Sinn macht. Sowohl für das Unternehmen als auch für unser Haus.

Es bekommt also nicht jeder Hilfe?

Tinzmann: Es gibt auch ein Leben nach der Krise. Und wir müssen prüfen, ob ein Betrieb oder Unternehmen sich dann so positiv entwickeln kann, dass auch der Kredit zu stemmen ist. Wenn das aus unserer Sicht nicht der Fall ist, müssen wir schweren Herzens ablehnen.

Weil dann Kreditausfälle drohen und auch Ihr Haus in Schwierigkeiten kommen könnte?

Tinzmann: Grundsätzlich ja. Aber es gibt auch andere Gründe. Wir unterliegen den gesetzlichen Regeln, denn letztendlich stammen die Gelder aus Steuermitteln. Das antragstellende Unternehmen muss daher grundsätzlich ein gesundes und tragfähiges Geschäftsmodell haben und darlegen, dass es aufgrund der Corona-Auswirkungen in Finanzierungsschwierigkeiten geraten ist. Wir haben dazu Verantwortung gegenüber allen unseren Kunden und Mitarbeitern und müssen daher seriös und solide arbeiten. Was die Kreditausfälle angeht: Aufgrund unserer Marktpräsenz sind solche Ausfälle nicht auszuschließen. In welcher Höhe lässt sich nur sehr schwer abschätzen. Unseren aktuellen Planungen nach sind wir aber gut gerüstet und könnten diese Ausfälle stemmen. Auch weil wir zuletzt gut gewirtschaftet und in unserem Vorgehen eher konservativ als risikofreudig waren. Die Sparkasse kann Krise.

Wie meinen Sie das konkret?

Tinzmann: Ich bin nun seit 27 Jahren in der Branche und habe schon einige Tiefs mitgemacht. Wir haben zwar auch keinen Masterplan für eine Krise wie Corona, aber wir kennen uns mit schwierigen Finanz- und Wirtschaftslagen aus. Jetzt können wir unseren Kunden wieder bestätigen, wir sind für euch da. Das Gemeinsame schweißt zusammen.

Rettet aber kein Unternehmen …

Tinzmann: Natürlich kommen wir unserer Kernaufgabe nach und vergeben Kredite. Hier gehen wir jeden Tag kalkulierbare Risiken ein. Dafür haben wir Vorsorge getroffen.

Welche Herausforderungen neben Corona kommen auf die Sparkasse zu?

Tinzmann: Die Niedrigzinsphase wird weiter unsere größte Herausforderung bleiben und auf unsere Erlöse einwirken. Hier werden wir weiter unternehmerisch gegensteuern und offen und ehrlich kommunizieren, was wir warum tun oder tun müssen, um unser Geschäftsmodell in die Zukunft zu transportieren. Auch die Digitalisierung, die Einbindung Künstlicher Intelligenz in unsere Abläufe und das Thema Nachhaltigkeit sind Themen der Zukunft. Sie müssen wir vorantreiben, um uns am Markt zu behaupten und für den Kunden sinnvolle und bezahlbare Lösungen zu bieten.

Welche persönlichen Ziele haben Sie sich als Vorstand gesetzt?

Tinzmann: Wir können alle nicht wissen, wie die Welt von morgen aussieht. Deshalb ist es mir wichtig, agil zu denken und zu agieren, um auf Veränderungen eingehen zu können. So will ich es schaffen, meinen Beitrag zu leisten, die Stadtsparkasse Augsburg weiter auf Erfolgskurs zu halten und den Spagat zwischen nötigen Investitionen und Sparmaßnahmen zu schaffen – vor allem im Sinne des Kunden. Und ich hätte noch einen Wunsch …

Und der wäre?

Tinzmann: Ich würde mir wünschen, dass Berufe im Finanzwesen in der Öffentlichkeit stärker positiv besetzt würden. Es ist nach wie vor ein tolles Gewerbe, in dem man viel bewirken kann.

Zur Person: Wolfgang Tinzmann, 53, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er hat Betriebswirtschaftslehre an der Uni Augsburg studiert.

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