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Niedrige Mieten im Höhmannhaus: Aus vielen Gründen ein Aufreger

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Kommentar Von Nicole Prestle
12.08.2018

Die Diskussion um die Mieten im Höhmannhaus hat viele Facetten. Stadt und Kulturreferent geben in dieser Sache kein gutes Bild ab. Ein Kommentar.

Schwer einzuschätzen, dieser „Fall Höhmannhaus“, der in Augsburg gerade so kontrovers diskutiert wird. Hat Christof Trepesch, der Leiter der Städtischen Kunstsammlungen, jahrelang zu wenig Miete bezahlt? Hat er sich einen Vorteil verschafft, indem er als Verwalter der städtischen Immobilie die Mieten dort selbst mit festlegte? Und welchen Anteil hat die Stadt – oder besser: das Kulturreferat – an der vertrackten Situation, die letztlich ein Disziplinarverfahren gegen Trepesch und einen weiteren städtischen Beamten nach sich zog?

Es gibt viele Fragen, die Kulturreferent Thomas Weitzel und die Juristen der Augsburger Verwaltung bislang nicht beantwortet haben. Stattdessen behelfen sie sich mit Allgemeinplätzen: Man nehme „aus Gründen des Datenschutz- und Persönlichkeitsrechts zu dienstrechtlichen Themen, die Einzelpersonen betreffen, keine Stellung“, heißt es lapidar.

Eindeutig beziehen dagegen Museumsexperten und Kunstförderer Position, die sich mit Briefen an unsere Redaktion wandten. Viele haben in den letzten Jahren mit Christof Trepesch zusammengearbeitet. Der 51-Jährige ist nicht nur Chef der Augsburger Ausstellungshäuser, er ist auch Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Museen in Bayern und verfügt über ein dichtes Netzwerk. Er sei ein Mann, heißt es, der sich nicht in Depots und hinter Büchern verstecke, sondern sich mühe, mit wenigen Mitteln und wenig Personal das Beste für die Museen in Bayern, vor allem aber in Augsburg herauszuholen.

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Die fachliche Leistung stellt keiner infrage

Die fachliche Leistung Trepeschs stellt in der aktuellen Debatte auch keiner infrage. In seine Amtszeit – der Saarbrücker trat 2004 die Nachfolge von Björn Kommer an – fallen Großprojekte wie die Ausstellung „Zarensilber“, die den kleinen Augsburger Kunstsammlungen als erstem städtischen Museum überhaupt eine Kooperation mit dem Moskauer Kreml einbrachten. Kunstförderer wie Hubert Stärker, Georg Haindl oder der inzwischen verstorbene Augsburger Ehrenbürger Kurt F. Viermetz unterstützen die Museen finanziell, um Kunst anzukaufen oder um Stellen zu finanzieren, für die die Stadt selbst kein Geld hätte. Ohne die Kontakte Trepeschs, sagen Kenner, wäre dies alles nicht denkbar.

Das ist eine Seite der Medaille. Auf der anderen steht die Frage nach der Rechtmäßigkeit jener günstigen Miete, die Trepesch für seine Privatwohnung im Höhmannhaus bezahlt. Etwas mehr als vier Euro pro Quadratmeter sollen es sein – ein Spottpreis für die wachsende Stadt Augsburg, in der günstiger Wohnraum längst zur Mangelware geworden ist. Dass er selbst über die Miethöhe mit entschied, ist darüber hinaus geschmäcklerisch. Trepesch hätte sich darauf nie einlassen dürfen.

Aus all diesen Gründen taugt der Fall Höhmanhaus auch zu einer zweiten Diskussion, die von Neid befeuert sein mag: Wie kann es sein, dass ein leitender Angestellter mit gutem Gehalt so günstig wohnt, während Menschen in finanziell prekärer Situation keine Bleibe finden, weil sie sich die Mieten nicht leisten können? Allzu schnell wird da das Bild des raffgierigen, korrupten Großkopferten heraufbeschworen, der seine Position zum eigenen Vorteil nutzt.

Das Höhmannhaus (gelb gestrichen) wird von den Augsburger Kunstsammlungen verwaltet.
Bild: Silvio Wyszengrad

Es bestand keine Notwendigkeit, das Disziplinarverfahren öffentlich zu machen

Die Stadt als oberste Dienstherrin des Kunstsammlungsleiters hat bislang wenig getan, um der Diskussion ihre Schärfe zu nehmen. Im Gegenteil: Kulturreferent Thomas Weitzel gab vor zwei Wochen auf AZ-Anfrage bekannt, der Stadt könnte durch die Situation im Höhmannhaus „ein Schaden in nicht unerheblicher Höhe“ entstanden sein. Was er auch sagte, ohne dass zu diesem Zeitpunkt die Notwendigkeit dazu bestand: gegen zwei Mitarbeiter seien dienstrechtliche Maßnahmen eingeleitet worden. Weitzel stellte Trepesch und einen weiteren Beamten der Kunstsammlungen damit ins Feuer, ohne sich gleichzeitig für eine rasche öffentliche Aufklärung einzusetzen.

Nicht nur einige Stadträte, auch Museumsexperten und Bürger wundern sich über diesen Umgang mit der Fürsorgepflicht. Zwar schob die Stadt auf eine erneute Anfrage dieser Zeitung nach, dass ein Disziplinarverfahren auch dazu diene „ausdrücklich alle entlastenden Umstände zu ermitteln“. Doch selbst wenn sich am Ende herausstellte, dass bei der Verwaltung der Immobilie alles rechtmäßig lief: Christof Trepeschs Name wird für immer auch mit der Debatte um günstige Mieten im Höhmannhaus verbunden sein.

Die Fakten müssen schnellstmöglich auf den Tisch

Dies erinnert an einen ähnlichen Fall vor drei Jahren im Parktheater Göggingen: Damals trennte sich die Kurhaus-Theater GmbH wegen des Verdachts auf Untreue überraschend von ihrem bislang unbescholtenen Geschäftsführer. Die Gesellschaft – sie liegt zur Hälfte in Händen der Stadt, auch hier ist das Kulturreferat federführend – hatte die Vorfälle offiziell bestätigt. Die Staatsanwaltschaft konnte zwei Jahre später jedoch „kein gravierendes Fehlverhalten“ des Kulturmanagers feststellen. Sein Job und seine Reputation waren dennoch dahin.

Der Kulturreferent hat das Disziplinarverfahren gegen den Leiter der Kunstsammlungen eingeleitet. Es könnte dabei um mehr gehen, als die Mietpreise im Höhmannhaus.
Bild: Silvio Wyszengrad

Fürs Höhmannhaus kann dies nur eines bedeuten: Die Fakten müssen schnellstmöglich auf den Tisch, sonst macht sich die Stadtverwaltung angreifbar. Der Inhalt des Gutachtens, das den Kunstsammlungschef belasten soll, ist bislang nicht einmal allen Stadträten bekannt. Das selbe gilt für die Begründung des Liegenschaftsamts, das zum Schluss kam, die Mieten im Höhmannhaus seien angemessen. Doch Außenstehende können die Rechtmäßigkeit des Disziplinarverfahrens nur einschätzen, wenn sie auch erfahren, welche Vorwürfe letztlich zu dieser Maßnahme führten.

Die Zusammenarbeit muss weitergehen

Aufklärung ist auch deshalb nötig, weil der Kulturreferent weiter mit Trepesch zusammenarbeiten muss. Die Museen stehen derzeit sogar im Fokus der Arbeit des Kulturreferenten: Er arbeitet an einem Konzept, das die inhaltliche und organisatorische Zukunft der Kunstsammlungen aufzeigen soll. Dem Leiter der Museen kommt in diesem Prozess eine wichtige Aufgabe zu. Trepesch, heißt es, setzt sich dabei intensiv für ein neues Römisches Museum ein. Für die klamme Stadt ist das schwer zu realisieren; doch dies steht auf einem anderen Papier.

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12.08.2018

So ein langer Kommentar und der Aspekt der Parteien des Mietvertrages kommt nicht vor?

Es wird doch schon wieder so getan, als ob die Stadt oder einer ihrer Angestellten als Vermieter auftrat. Laut früheren Artikeln war das aber nicht so. Und wenn es früher vom privaten Vorbesitzer eine freundschaftliche Miete für Herrn Trepesch gab, war es halt so.

Wären in Deutschland die Mieten wegen höherer Zinsen und geringerer Zuwanderung nicht so explodiert, würde heute kein Hahn nach dieser Miethöhe krähen.

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