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Serie(Folge 33)

19.05.2015

Pionier der Denkmalpflege

So sieht die von Joerg Maxzin rekonstruierte Lukas-Figur in der Münchner Theatinerkirche aus.
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So sieht die von Joerg Maxzin rekonstruierte Lukas-Figur in der Münchner Theatinerkirche aus.
Bild: Joerg Maxzin, Technische Hochschule Deggendorf

Zehn Jahre arbeitete der Augsburger Bildhauer und Künstler Joerg Maxzin an der Rekonstruktion einer Lukas-Skulptur

Es schwingt Stolz in der Stimme mit, wenn der Augsburger Künstler und Professor Joerg Maxzin die Geschichte der Figur erzählt – zu Recht. Zehn Jahre haben er und sein Team mit dem Evangelisten Lukas zugebracht, einer drei Meter hohen Holzskulptur, einem Meilenstein des Barock in Bayern. Balthasar Ableitner hat sie von 1670 bis 1672 mit den anderen drei Evangelisten für die Münchner Theatinerkirche angefertigt. Das kunsthistorisch bedeutende Ensemble war jahrhundertelang Bestandteil der Chorschranke, bis die Bomber im Zweiten Weltkrieg die Kirche zerstörten.

Vor zehn Jahre begann Maxzin, sich mit der stark zerstörten Skulptur zu beschäftigen. Das Landesamt für Denkmalpflege suchte nach Wegen, die fehlenden Teile der Figur zu rekonstruieren. Schon als restauratorisch bewanderter Holzbildhauer wäre Joerg Maxzin eine gute Wahl für die Aufgabe gewesen.

Maxzin brachte in das Projekt aber noch einen neuen Ansatz ein. Das war kurz bevor er 2008 seinen Ruf an die Technische Hochschule Deggendorf bekam – als Professor für dreidimensionale Multimedia-Anwendungen. Maxzin stand damals vor einer schweren Entscheidung: Ihm war bewusst, dass er als frisch berufener Professor mit seiner Bildhauer-Tätigkeit kürzertreten muss. „Das Projekt in München war aber so toll, dass ich es unbedingt weiterbetreiben wollte.“

Die Lösung fiel salomonisch aus. Maxzin nahm die Rekonstruktion als Forschungsprojekt mit an die Technische Hochschule, indem er dort nach einem 3-D-Verfahren suchte. Was sich leicht anhört, war komplex. Maxzin und sein Team arbeiteten an einem Technologietransfer. Spezielle Programme und Verfahrensweisen für Ingenieure und Maschinenbauer machten sie erstmals für die Denkmalpflege nutzbar. Mit einem Programm, das zur Rekonstruktion nicht mehr funktionsfähiger Maschinenteile geschrieben war, konnten sie die fehlenden Teile der Skulptur digital nachbauen. Eine Pionierarbeit. „Am Ende war es nur ein Programm, das bei den komplexen Rechenaufgaben nicht ausgestiegen ist“, erzählt Maxzin. Anstelle von einfachen geometrischen dreidimensionalen Formen wie Zylinder, Kugel oder Quadrat musste die Software mit der aus unzähligen Bildpunkten erstellten Skulptur zurande kommen. „Wir haben versucht, all das, was auf dem Markt verfügbar war, für die Rekonstruktion zu verwenden.“ Die neuen Teile wurden schließlich von Spezialmaschinen gefräst und von Hand nachbearbeitet.

Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass Maxzin und sein Team sich nun dem vierten Evangelisten der Theatinerkirche zuwenden: Matthäus. Er ist vollständig verbrannt. „Das ist bildhauerisch eine Riesenherausforderung, aber technisch bekommen wir die Rekonstruktion hin“, sagt Maxzin. Neuland muss er dafür nicht mehr betreten. Das sucht er im Augenblick als Künstler. Dort möchte er seine Arbeitsweise weiterentwickeln, weg von den Fotos, die er von seinen Modellen macht, hin zum dreidimensionalen Raum – aber so, dass die Objekte digital gespeichert werden. „Es kann gut sein, dass das noch mehrere Jahre in Anspruch nehmen wird, bis es ausgereift ist“, sagt Maxzin. Den nötigen langen Atem für ein solches Unterfangen bringt er mit.

Die Lukas-Skulptur wird in einem musikalisch umrahmten Festakt am Donnerstag, 21. Mai, um 19 Uhr in der Theatinerkirche in München enthüllt.

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