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Interview

24.12.2019

Premium Aerotec bleibt ein großes Sorgenkind in Augsburg

Die Mitarbeiter von Premium Aerotec sorgen sich um ihre Arbeitsplätze. 
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Michael Leppek, Chef der IG Metall in Augsburg, äußert sich zur wirtschaftlichen Lage großer Firmen wie Kuka, Renk und MAN Energy Solutions.

Welche Nachricht im Wirtschaftsraum hat Sie als Augsburgs IG-Metall-Chef in diesem Jahr am meisten getroffen oder betroffen gemacht?

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Michael Leppek: Am meisten betroffen gemacht hat mich die Schließung des Fujitsu-Standortes in Augsburg. Zwar wurde die Entscheidung Ende 2018 angekündigt, aber der Kampf um den Erhalt des Standortes hat uns in 2019 sehr beschäftigt. Ebenso betroffen gemacht hat mich die Ankündigung von Premium Aerotec, in den nächsten Jahren 1100 Jobs in Augsburg abbauen zu wollen.

Was treibt Sie gerade bei diesen beiden Firmen um?

Premium Aerotec bleibt ein großes Sorgenkind in Augsburg

Leppek: Fujitsu hat in Augsburg eine wettbewerbsfähige, hoch automatisierte und flexible Fertigung. Darüber hinaus hat der Standort viele wichtige Kompetenzen für Fujitsu aufgebaut, sei es Vertriebs-, Entwicklungs- oder Produktmanagementfunktionen. Eigentlich also ein Standort mit Zukunft. Da schmerzt es sehr, wenn viele Arbeitsplätze und wichtiges Know-how durch die Schließung in Augsburg verloren gehen. Immerhin konnten hunderte Jobs erhalten werden. Dennoch ist es bitter, nach Ledvance jetzt auch Fujitsu zu verlieren.

Und bei Premium Aerotec?

Leppek: Bei Premium Aerotec sollen über 1100 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz verlieren, obwohl die Mutter Airbus volle Auftragsbücher für die nächsten Jahre hat. Das ist schwer zu verstehen, vor allem, weil Airbus viele Arbeitspakete an andere Zulieferer gegeben hat, statt die eigene Tochter auszulasten. Diese Arbeit fehlt bei Premium Aerotec. Das ist nicht akzeptabel.

Michael Leppek
Bild: Ulrich Wagner

Was ist zu tun?

Leppek: Wir erwarten auch von der Bundesregierung, dass sie als Anteilseigener von Airbus dafür sorgt, dass zuerst die eigenen Standorte ausgelastet werden. Und Premium Aerotec ist zu 100 Prozent Airbus.

Wie geht’s weiter?

Leppek: Bei Premium Aerotec braucht es nach zehn Jahren endlich Klarheit von Airbus. Und Auslastung. Arbeitspakete müssen von Airbus an Premium Aerotec gegeben werden. Augsburg muss bei neuen Flugzeugen Arbeitspakete bekommen. Dafür werden wir uns weiterhin vehement einsetzen und die Politik fordern.

Ledvance ist abgewickelt, das Aus von Fujitsu steht bevor, Kuka baut Stellen ab, MT Aerospace auch. Premium Aerotec steuert in eine ungewisse Zukunft. Gibt es für Sie eigentlich noch gute Nachrichten aus der Region?

Leppek: Natürlich gibt es gute Nachrichten: Das Handwerk boomt, es gibt viele „Hidden Champions“ (relativ unbekannte größere Unternehmen, die in ihrer Branche Marktführer sind; Anmerkung der Redaktion) und Start-ups, die sich gut behaupten. Und natürlich gibt es in der Region große Firmen wie AGCO, Fendt oder Renk, die gute Geschäfte machen. Auch Mitarbeiter diese Betriebe werden von der IG Metall betreut.

Mit welchen Erwartungen gehen Sie mit Blick auf die heimischen Unternehmen ins Jahr 2020?

Leppek: Ich habe hier gemischte Erwartungen. Im Automobilzulieferbereich gibt es große Unsicherheiten. Auch der Brexit und die weltwirtschaftliche Situation helfen da nicht. Dennoch ist die von einzelnen Betrachtern prognostizierte Rezession bisher ausgeblieben. Wirtschaftsexperten sehen eher eine Wachstumsdelle als einen starken Abschwung. Zudem bin ich optimistisch, dass es gemeinsam gelingt, die Zukunft der heimischen Unternehmen positiv zu beeinflussen.

Schauen wir auf Kuka. Was ist beim Roboterbauer zu erwarten?

Leppek: Kuka kämpft unter anderem mit den Herausforderungen der großen deutschen Automobilisten, aber auch mit dem schwächeren Wachstum in Asien. Da können unsere chinesischen Haupteigentümer nur bedingt helfen. Wir müssen dafür sorgen, dass Kuka tatsächlich ein deutsch-chinesisches Vorzeigemodell ist. Kuka ist und bleibt eigenständig. Das ist vertraglich vereinbart. Gleichzeitig müssen wir gemeinsam schauen, dass wir in Asien noch erfolgreicher werden.

Zuletzt ging es um die Zukunft von Renk und MAN Energy Solutions. Was sagen Sie Mitarbeitern und deren Familien, wohin für sie die Reise geht?

Leppek: Volkswagen sucht für beide Unternehmen Partner beziehungsweise neue Eigentümer. Diese Entscheidung hatte sich angebahnt. Sie findet in Bezug auf MAN nicht unsere Zustimmung. MAN Energy Solutions ist der grüne Daumen von VW. MAN hat viele gute Lösungen für die Herausforderungen der Zukunft. Unabhängig davon, wann und wie die Entscheidung von VW ausfällt: Deswegen muss niemand in beiden Firmen Angst um seinen Arbeitsplatz haben.

Warum?

Leppek: Wir sind natürlich nicht naiv. Wir fordern langfristige Zusagen für Standorte und Arbeitsplätze, aber auch Investitionen und weitere Garantien.

Im Jahr 2020 ist Kommunalwahl. Wie bewerten Sie den Einfluss einer Augsburger Stadtregierung auf Entwicklungen in Unternehmen?

Leppek: Die Stadtregierung kann vorrangig für gute Standortbedingungen und gute Infrastruktur, aber auch für ein gutes Umfeld sorgen. Da sind die Themen Verkehr, ÖPNV, Bildung oder Wohnen zu nennen, aber auch Technologiezentrum, Hochschulen und Institute. Darüber hinaus bringt sie alle handelnden Akteure zusammen, wenn etwas klemmt, oder auch zu Zukunftsthemen wie Digitalisierung. Und die Stadtregierung ist ein Türöffner zur bayerischen Staatsregierung und wenn es sein muss, auch nach Berlin. Das funktionierte in der Vergangenheit sehr gut und hat bei den vielen bekannten Herausforderungen sehr gut geholfen.

Lesen Sie dazu auch: Die Mitarbeiter von MAN Energy Solutions und Renk müssen weiter zittern

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