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Augsburg

10.11.2020

Prozess: Mann drohte Nacktbilder seiner Ex-Freundin zu verbreiten

Weil er gedroht haben soll, Nacktfotos seiner Ex-Freundin zu veröffentlichen, stand ein Mann vor Gericht.
Bild: Jakob Stadler (Symbolbild)

Plus Das Versenden von intimen Fotos kann sich bitter rächen. Diese Erfahrung machte eine junge Frau. Ihr Ex-Freund stand jetzt deshalb in Augsburg vor Gericht.

Junge Leute sind heutzutage auf sämtlichen sozialen Netzwerken und Kanälen vertreten. Es wird gechattet und gepostet und es werden ganze Galerien von Fotos im virtuellen Raum hin- und hergeschickt, gespeichert, aber selten gelöscht. Was sich, wenn es sich um Bilder intimerer Natur handelt, schnell bitter rächen kann. Nicht selten werden Nacktfotos zum Druckmittel für Nötigung und Erpressung. Ein ziemlich verworrener Fall landete jetzt auf dem Richtertisch von Susanne Scheiwiller.

Die Beziehung zwischen dem 28-jährigen Angeklagten und einer zwei Jahre jüngeren Frau war nach zwei Jahren im Sommer 2019 zu Ende gegangen. Die Begleitmusik der Trennung waren wohl gegenseitige Eifersüchteleien. Er wollte mit ihr reden. Sie wollte nicht. „Sie hat mich ignoriert, zur Weißglut gebracht“, sagt der Angeklagte (Verteidiger: Andreas Thomalla). Angeblich hatte der 28-Jährige erfahren, dass seine Ex Opfer eines sexuellen Übergriffs eines anderen Mannes geworden war. Um auch darüber zu reden, schickte der Angeklagte eine Whatsapp-Nachricht an die Cousine der ehemaligen Freundin und drohte, intime Fotos zu veröffentlichen, wenn sich seine Ex nicht bei ihm melde.

Angeklagter vor Augsburger Gericht: "Nicht mit den Fotos gedroht"

Die rief dann tatsächlich kurze Zeit später bei ihm an. In einem Gespräch soll der 28-Jährige dann laut Anklage ebenfalls gedroht haben, diese Fotos ihren Eltern zu schicken, falls sie einen Kontakt mit einem anderen Mann auf Instagram nicht lösche.

 

Der Angeklagte räumt im Prozess den Chat mit der Cousine ein, widerspricht aber dem zweiten Anklagepunkt, der Nötigung seiner Ex-Freundin. „Ich habe ihr nicht mit den Fotos gedroht. Das stimmt nicht“. Es sei „um Heimlichkeiten“ gegangen – offenbar um den sexuellen Übergriff. Da wohl auch weitere Familienangehörige und Bekannte in den Beziehungsstreit involviert waren, spricht Richterin Scheiwiller schließlich von einem „richtigen Durcheinander“. Das angebliche Opfer der Nötigung, die Ex, bleibt als Zeugin bei ihrer Behauptung, der Angeklagte habe ihr sehr wohl gedroht, Fotos ihren Eltern zuzuschicken. Die Schwester des Angeklagten wiederum, die angibt, das umstrittene Telefonat zwischen ihrem Bruder und der Zeugin mitgehört zu haben, sagt: „Es gab keine Drohungen.“ So steht Aussage gegen Aussage.

Richterin Scheiwiller verurteilt den Angeklagten schließlich wegen Nötigung im ersten Fall zu einer Geldstrafe von 900 Euro (60 Tagessätze zu je 15 Euro). Im Fall der angeblichen Drohung im Telefonat mit der Ex spricht sie den 28-Jährigen jedoch frei nach dem Grundsatz „in dubio pro reo“ – „im Zweifel für den Angeklagten“.

Hören Sie hier auch unsere Podcast-Folge mit Eindrücken und Hintergründen zum Königsplatz-Prozess.

 

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