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Interview

11.04.2020

Rübsamen-Chef zur Corona-Krise: „Es könnte einem das Herz bluten“

Das Modehaus von Rübsamen-Chef Marcus Vorwohlt wird von der Corona-Krise schwer getroffen.
Bild: Ulrich Wagner (Archiv)

Plus Marcus Vorwohlt, Chef des Modehauses Rübsamen, erzählt, wie sein Unternehmen mit Kurzarbeit, sinkenden Umsätzen und Kontakt zum Kunden umgeht.

Das Textilhaus Rübsamen ist mit seinen 13 Geschäften an neun Standorten ein eingeführtes Unternehmen im Wirtschaftsraum. Nicht erst ausgelöst durch die Corona-Krise setzt Rübsamen auf den Onlinehandel. Herr Vorwohlt, wie einschneidend trifft Corona Ihr Unternehmen?

Marcus Vorwohlt: Die Corona-Krise hat uns hart und abrupt getroffen. Von einem Tag auf den anderen sind alle unsere stationären Umsätze auf null runtergefahren. Die Kosten sind natürlich weitergelaufen.

Können Sie Zahlen liefern, wie sich der Umsatz unter den geänderten Vorzeichen zuletzt entwickelt hat?

Vorwohlt: Die Umsatzzahlen haben sich bereits in den letzten Tagen der regulären Öffnung dramatisch nach unten entwickelt. Auch bei geöffneten Läden hatten wir bereits Umsatzeinbußen von mindestens 50 Prozent. Die Leute haben bereits Angst gehabt und das hat man deutlich gemerkt.

Die fast menschenleere Innenstadt lässt vielen Einzelhändlern das Herz bluten. Ihnen fehlt es an Kundenfrequenz und damit an Umsatz. Vor allem im Textilhandel ist die Lage schwierig: Die Frühjahrskollektion war gerade neu eingetroffen, als die Läden wegen Corona schließen mussten.
Bild: Klaus Rainer Krieger

Wie haben Sie intern reagiert? Wie sind Mitarbeiter derzeit beschäftigt?

Vorwohlt: Momentan sind alle unsere Verkaufsmitarbeiter in Kurzarbeit. Dies betrifft alle unsere Verkaufsfilialen. Nur in Augsburg in unserer Verwaltung arbeiten wir mit einer Notbesetzung in Personalbüro, Buchhaltung und Einkaufsabteilungen. Und unsere Azubis sind natürlich am Arbeiten. Denn Auszubildende fallen nicht in die Kurzarbeiter-Regelung. Das ist gut so, denn gerade unsere Auszubildenden machen momentan einen Wahnsinnsjob und helfen, wo es nur geht, im Onlinebereich.

Wie ist der Kontakt zu den Mitarbeitern in Kurzarbeit?

Vorwohlt: Auch die Mitarbeiter, die momentan zu Hause in Kurzarbeit sind, sind wahnsinnig interessiert, was alles passiert und wie alles weitergeht. Wir sind Gott sei Dank sehr stark über die sozialen Medien mit unseren Leuten vernetzt. Wir pflegen einen permanenten Informationsaustausch. Das ist sehr wichtig in diesen schwierigen Zeiten.

Haben Sie das Onlinegeschäft nochmals aktiviert? Falls ja, in welcher Weise?

Vorwohlt: Um überhaupt noch Umsatz machen zu können, haben wir versucht, unsere Online-Umsätze zu pushen. Wir haben vor allem das sogenannte Plattform-Geschäft noch angekurbelt. Wir verkaufen neben unserem Onlineshop nun auch verstärkt auf Zalando und Amazon.

Der Modemarkt ist besonders stark von der Krise getroffen. Frühjahrsmode ohne Kundschaft – wie reagiert Rübsamen darauf?

Vorwohlt: Nachdem die Menschen seit mehreren Wochen zu Hause sind, merken wir, dass es einen hohen Bedarf an Kommunikation gibt. Wir telefonieren mit unseren Kunden. Wir schicken ihnen auch WhatsApp-Nachrichten. Wir versenden Outfit-Ideen auf Instagram und auf Facebook und wir verteilen Newsletter per E-Mail.

Viele Geschäfte haben Verkauf und Beratung derzeit ins Internet verlagert und hoffen, dass ihnen die Kunden treu bleiben.
Bild: Klaus Rainer Krieger

Wie ist die Resonanz?

Vorwohlt: Sie ist sehr gut und positiv. Unsere Kunden sind sehr solidarisch und freuen sich, dass wir noch da sind. Und das ist ganz wichtig für die Zeit nach der jetzt angeordneten Schließung, wenn wir wieder aufmachen. Wie solidarisch die Menschen sind, merkt man daran, dass wir sehr gut online Gutscheine verkaufen – auf unserer Onlineseite und auf ‚Rette deinem Lieblingsladen‘.

Sie sind ein Geschäftsmann, der sich stets für die Belange des stationären Handels in der Augsburger Innenstadt eingesetzt hat. Wie sehr blutet Ihnen das Herz, wenn Sie gegenwärtig die menschenleere Augsburger Innenstadt betrachten?

Vorwohlt: Wenn man momentan durch die Stadt geht, könnte einem schon das Herz bluten. Ich glaube, wenn sich alles wieder normalisiert, werden die Leute noch stärker als früher merken, wie wertvoll eine schöne und intakte Stadt ist. Und auch, wie wertvoll das soziale Zusammenleben und das Miteinander sind.

Gibt es Überlegungen, wie Ihr Unternehmen und die Handelswelt in Augsburg nach Ende der Ausgangsbeschränkungen agieren sollen?

Vorwohlt: Wir beschäftigen uns natürlich momentan schon stark damit, wie wir mit unserer Neueröffnung umgehen, wenn es dann so weit ist. Wir hoffen alle, dass wir Anfang Mai eröffnen können, denn alles andere wäre eine Katastrophe.

Gibt es Aktionen?

Vorwohlt: Wir gehen momentan von keinen großen Aktionen aus, denn wir glauben, dass es zu keinen großen Menschenansammlungen im Verkaufsraum kommen sollte. Auch die Themen Mundschutz und Desinfektion werden wichtig sein. Wir beschäftigen uns damit. Bereits jetzt versuchen wir, alles zu organisieren. Wir wissen: Auch wenn wir wieder auf haben, geht Gesundheit für unsere Mitarbeiter und unsere Kunden immer vor.

Haben Sie Verständnis für die Eingriffe ins öffentliche und somit auch wirtschaftliche Leben?

Vorwohlt: Die Eingriffe im öffentlichen Leben momentan sind schon sehr hart. Aber ich glaube, es gibt dazu keine Alternative. Wir sollten alle Maßnahmen weiterhin diszipliniert umsetzen.

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