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Augsburg

30.06.2019

Scheitert der Gögginger Jugendtreff am Denkmalschutz?

Das Alte Gögginger Rathaus steht unter Denkmalschutz. Stadträte befürchten, dass es sich deshalb nicht für einen Jugendtreff eignet. Das Sozialreferat sieht bislang keine Probleme.

Die Stadt plant, im Alten Gögginger Rathaus Räume für Jugendliche unterzubringen. Vereine berichten von strengen Denkmalschutzauflagen.

Seit Jahren wünschen sich die Gögginger einen Platz, an dem sich die Jugend treffen kann. Mit den Plänen der Stadtteilbücherei, aus dem Alten Rathaus auszuziehen, scheinen jetzt geeignete Räume gefunden zu sein. Doch es gibt Stimmen, die bezweifeln, dass sich das historische Gebäude für ein Jugendzentrum eignet. Und die Vereine und Gruppen, die neben der Bibliothek Räume im Rathaus haben, fürchten, diese zu verlieren.

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Die Gögginger Stadträtin Claudia Eberle (Pro Augsburg) stellt die Frage, wie sich der geplante Jugendtreff mit dem strengen Denkmalschutz verträgt, unter dem das Haus steht. „Ein Jugendtreff in Göggingen macht sicher Sinn – aber doch nicht im denkmalgeschützten Alten Rathaus“, meint sie „Die Vereine im Haus haben größte Probleme, wenn sie nur Kleinigkeiten verändern wollen – wie soll das dann mit Jugendlichen funktionieren?“, will sie von der Stadt wissen.

In der Tat hat der Denkmalschutz das Gebäude fest im Blick. Die DJK-Göggingen, die ihre Geschäftsstelle in dem Haus an der Bgm.-Aurnhammer-Straße hat, musste das mehrfach erfahren, wie Vorsitzende Brigitte Zimmer berichtet. „Wir durften nicht einmal ein ordentliches Schloss an der Außentüre einbauen und müssen unsere Wertgegenstände und Computer jeden Abend mit nach Hause nehmen“, sagt Zimmer. Trotzdem habe man sich mit den Räumen arrangiert und wolle diese nach Möglichkeit auch nicht wieder hergeben. „Wir wissen gar nicht, wie es weitergeht und erfahren alles häppchenweise aus der Zeitung“, kritisiert sie die Informationspolitik der Stadt.

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Vereine wissen nicht, was auf sie zukommt

Auch die Gögginger Bücherfreunde wissen nicht, was mit den neuen Plänen auf sie zukommt, sagt der Vorsitzende des Vereins, Wolfgang Kagerer. Neben Pflege und Erhalt der Bibliothek haben es sich die Vereinsmitglieder auch zur Aufgabe gemacht, das Alte Rathaus mit Leben zu erfüllen. Bislang sei überhaupt nicht klar, was ein Jugendtreff für den Verein bedeute, insofern warte man ab, so Kagerer.

Augsburgs Sozialreferent Stefan Kiefer geht davon aus, dass der Jugendtreff nur Teile des Gebäudes benötigen wird. „Natürlich wäre ein komplettes Gebäude toll, das wäre aber unrealistisch und auch nicht zwingend der Fall“, sagt er. Man habe Jugendbegegnungsstätten in unterschiedlichen Größen und plane mindestens ein Jugendcafé mit einer Fläche von 150 Quadratmetern. „Wenn mehr ginge an diesem Standort, wäre es gut“, so der Referent. Wichtig seien aber eine konfliktarme Nachbarschaft und auch ein eigener Eingang. Mit Blick auf die derzeitigen Mieter sagt Kiefer, dass viele Vereinsnutzungen wohl parallel laufen könnten. Was die Umverteilung der Nutzung auf die unterschiedlichen Gögginger Standorte angehe, sei dies Sache der Liegenschaftsverwaltung.

Bezüglich Umbau und Denkmalschutz konnte Kiefer noch keine Aussage machen. „Es wäre aber ungewöhnlich, wenn in einem altehrwürdigen städtischen Gebäude, das nun andere Nutzungen bekommen soll, baulich nichts zu tun wäre“, so der Bürgermeister. Wegen der Kürze der Zeit konnte er auch noch nichts zu einem möglichen Betreiber sagen. Derzeit laufe ein „Interessensbekundungsverfahren“ für diesen und mögliche weitere Standorte. Entscheidungen seien nicht vor Herbst zu erwarten. „Bis dahin werden dann auch die weiteren Nutzungen im Gebäude definiert sein und auch die baulichen Änderungsnotwendigkeiten klarer sein.“

PicksRaus möchte in seinen Räumen bleiben

Im Rahmen der neuen Pläne der Stadt mit dem Gögginger Milchhof (wir berichteten) kam auch die Frage auf, ob die Stadtteilbücherei nicht ebenfalls dorthin ziehen könnte. Bislang ist geplant, die nächstes Jahr frei werdenden Räume von PicksRaus an der Bgm.-Aurnhammer-Straße zu nutzen. PicksRaus-Inhaber Emin Önce sagt auf Anfrage, das Unternehmen würde sehr gerne weiterhin in den Geschäftsräumen bleiben. Vor allem den Verlust der Postfiliale in dem Geschäft fürchteten viele Kunden. „Ich warte ab, ob die Bibliothek wirklich kommt, sonst müssen wir uns neue Geschäftsräume suchen.“ Man wolle auf jeden Fall in Göggingen bleiben – in welcher Größe, käme auf das Immobilienangebot an. Die Postfiliale werde man auf jeden Fall weiter betreiben. Der Mietvertrag von PicksRaus läuft noch bis zum 30. Juni 2020, so lange wolle man auf alle Fälle bleiben.

Der für die Büchereien zuständige Referent Hermann Köhler teilte mit, für den künftigen Standort der Stadtteilbücherei Göggingen gebe es keine Änderung. Sie sei weiterhin im Gebäude der Stadtsparkasse vorgesehen.

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