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Augsburg

15.08.2019

Sie leben gerne in ihren Stadtteilen

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3 Bilder
Tamara Ganser, Sohn Marc und Tochter Shanice sagen: „Einmal Lechhausen, immer Lechhausen.“
Bild: Michael Eichhammer

Plus Wie zufrieden sind Sie mit Augsburg? Das fragt derzeit die Stadt ihre Bürger. Wir haben uns auf der Straße umgehört und gefragt, wie wohl sich die Menschen fühlen.

Dass Hotels und Restaurants ihre Kunden um Feedback bitten, ist nicht ungewöhnlich. Doch auch die Stadt Augsburg will von ihren Bürgern wissen, wie zufrieden sie sind. Bereits zum neuen Mal läuft deshalb gerade die Bürgerumfrage. Die Zufriedenheit mit Augsburg und dem eigenen Stadtbezirk soll anhand eines Fragebogens bis Ende August geklärt werden. 10000 Augsburger wurden nach dem Zufallsprinzip angeschrieben. Weitere Interessierte können die rund 80 Fragen online beantworten.

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Wir fragten den zuständigen Sachbearbeiter im Amt für Statistik und Stadtforschung, über welche Antwortverteilungen er besonders überrascht war. „Dass 30 Prozent der Wohnungen durch Freunde, Familie und Bekannte vermittelt werden, hätte ich nicht geahnt“, so Benedikt Unger. Der Immobilienmarkt und die immer höheren Mieten waren auch das Thema, bei dem sich die Wahrnehmung der Bürger von 2015 zu 2017 am deutlichsten verändert hat. Erste Ergebnisse der aktuellen Bürgerbefragung werden im Sommer 2020 veröffentlicht. So lang will AZ vor Ort nicht warten: Wir haben Bürger befragt, wie wohl sie sich in ihrem Stadtteil fühlen.

Haunstetten bietet Vieles für Sportliche

Daniel ist in Haunstetten aufgewachsen. Der 16-Jährige findet, dass sein Stadtteil ein guter Platz für sportlich Interessierte ist. Er selbst spielt beim FC Haunstetten. „Ilsesee, Lautersee und Lochbach sind nicht weit“, sagt er. Beim Einkaufen treffen wir Natalia W. und ihre drei Jahre alten Zwillinge Hanna und Emma. Sie lebte in Inningen, bevor sie 2012 mit ihrem Mann nach Haunstetten zog. „Kiga, Schule, Einkaufsmöglichkeiten, Verkehrsanbindung – alles, was eine Familie braucht, ist hier top“, findet die 38-Jährige. Elisabeth Schnell reimt: „Die Netten sind in Haunstetten.“ Das gelte sowohl für die Nachbarn als auch die Kunden, die sie in der Metzgerei bedient, erklärt die 61-Jährige. Die älteste Befragte ist Elisabeth Vickus. Seit 1953 lebt sie in Haunstetten. Sie schätzt die Sicherheit und Sauberkeit in ihrem Viertel. Nur eins bemängelt sie: Die gestiegenen Fahrpreise für öffentliche Verkehrsmittel. „Ich komme mit einem Streifen nicht mal mehr bis zum Bäcker oder Augenarzt“, berichtet die 70-Jährige.

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Die in Kempten geborene Jessica Dzaek treffen wir bei der Stadtteilbücherei Kriegshaber. Die 36-jährige Erzieherin arbeitet in Gersthofen. Als alleinerziehende Mutter eines Kindergarten- und eines Schulkindes freut sie sich über das Angebot an Spielplätzen.

Ihre pflegebedürftige Mutter ist auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Mit diesen ist sie zufrieden, auch wenn die Busse „ein bisschen pünktlicher sein könnten“. Alle würden gerade jammern, dass der Kulturpark West im Reese-Areal abgerissen werden soll. Im gleichen Gebäude wie die Bücherei ist auch das Bürgerbüro Kriegshaber untergebracht. Hier treffen wir Susanne Breimeier, 46. Sie wurde in Regensburg geboren. 1998 zog sie in die Augsburger Innenstadt – „wegen Liebe und Beruf“. Sie arbeitet in einem Gersthofer Möbelhaus. Der Umzug nach Kriegshaber kam, weil die Familie mit zwei Kindern mehr Platz brauchte. „Auch die Miete sei günstiger als in der Stadtmitte“, sagt die Frau, die Bademöglichkeiten vermisst. Dazu müsse zum Plärrer ins Familienbad, ins Bärenkellerbad oder nach Stadtbergen.

Kriegshaber ist ein ruhiger Stadtteil

Beim Spaziergang entlang der Ulmer Straße kommen wir mit Eva und Andreas Kovacs ins Gespräch. Die 59-jährige Altenpflegerin schätzt an Kriegshaber, dass es ein ruhiger Stadtteil sei. Alle Einkäufe könne sie zu Fuß erledigen. Vor 27 Jahren ist das Ehepaar aus Neusäß hierher gezogen. Nur eins habe sich in den letzten Jahren spürbar verschlechtert: „Es liegt immer mehr Müll am Straßenrand“, beobachtet der 61-Jährige Schlosser.

Tamara Ganser, Tochter Shanice und Sohn Marc kaufen am Schlössle in Lechhausen ein. Die Verkehrsverbindung sei toll – im Gegensatz zu Königsbrunn, wo die 47-jährige Mutter früher arbeitete. Mama Tamara vermisst alteingesessene Geschäfte wie das Modehaus Giegerich. Dennoch gelte: „Einmal Lechhausen, immer Lechhausen.“

Wurzeln geschlagen in Lechhausen

Erst seit zwei Monaten wohnen Giorgio (35), Ehefrau Alexandra (32) und Sohn Antonio (2) in Lechhausen. Die beiden Ärzte sind aus Konstanz nach Augsburg gezogen, weil sie hier mehr Optionen für ihre Arbeit hätten. „Die Mieten sind in Lechhausen angenehmer als am Bodensee“, sagt Giorgio. Beide schätzen, dass sie „nah zum Fluss und nah zur Autobahn“ wohnen. Im Grieslepark treffen wir Peter und Gisela Bleymair mit ihrer Bulldogge Balu. „Lechhausen ist besser als sein Ruf, finden die gebürtigen Münchner. Seit acht Jahren sind sie in Lechhausen. „Es gibt viele schöne Ecken hier“, sagt der 61-Jährige. Augsburg sei „wie München in den Siebzigerjahren“, so Bleymair und meint das als Kompliment. In Augsburg sei alles noch beschaulicher. „Ich bin sechsmal umgezogen, aber in Lechhausen habe ich zum ersten Mal wieder Wurzeln geschlagen.“

Bei unseren Interviews fiel auf: Auch wenn der eine oder die andere Kritikpunkte am eigenen Stadtteil sah – im Großen und Ganzen waren alle zufrieden dort, wo sie ihr Zuhause gefunden hatten. Liebe bedeutet eben, den anderen mit allen Stärken und Schwächen anzunehmen. Egal ob Partner oder Stadtteil.

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