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Augsburg

22.10.2019

So fand die Augsburgerin Silke Deul ihr Glück in der Welt

In andere Kulturen eintauchen, Land, Leute und Lebensweisen kennenlernen – das war das Ziel von Silke Deul. Dafür begab sich die Augsburgerin auf Weltreise. Nun hat sie ein Arbeitsvisum für Neuseeland ergattert.
Bild: Deul

Plus Vergangenes Jahr ging die Ingenieurin auf Weltreise und erlebte viele Dinge. Jetzt ist sie wieder in Augsburg, aber das ist nur ein kurzer Zwischenstopp.

Vor wenigen Wochen erst ist Silke Deul nach einer einjährigen Reise nach Augsburg zurückgekehrt. Sie besuchte Nepal, Myanmar, Taiwan, Indonesien und Australien – lebte einige Monate in Neuseeland und besuchte von dort aus Fidschi und die Cookinseln. Zeit, um ihr Leben in Augsburg neu zu ordnen, blieb ihr nach ihrer Ankunft nicht. Sie ist schon wieder auf dem Sprung. Es geht zurück ans „andere Ende der Welt“ – nach Neuseeland.

Ein Gespräch an einem Stammtisch war der Auslöser

Die 38-Jährige will ihre Chancen und Möglichkeiten nutzen und ist offen für neue Herausforderungen. „Außerdem bin ich nicht gebunden und kann machen, was ich will“, sagt sie mit einem Lächeln. Acht Jahre hat die gebürtige Frankfurterin in Augsburg gelebt. Hier hatte sie bei MAN als Ingenieurin gearbeitet. Bei ihrem Autorenstammtisch „Schreiber und Sammler“ lernte sie im vergangenen Jahr ein Mädchen kennen, das gerade im Begriff war, auf Weltreise zu gehen. Silke Deul merkte, dass sie neidisch war, als sie von diesen Plänen hörte. „Das war der Moment, wo ich anfing, für mich selber zu planen. An meinem Arbeitsplatz hatte es in dem Moment nicht mehr gepasst“, sagt sie. Silke Deul fackelte nicht lange: Innerhalb von zwei Monaten kündigte sie ihren Job und ihre Wohnung, verkaufte ein Drittel ihrer Sachen, lagerte den anderen Teil ein.

Schon lange spielte sie mit dem Gedanken, ein Buch zu schreiben. Das Schreiben an einem Sachbuch war zwar vor einigen Jahren im Sande verlaufen, aber vor zwei Jahren fing sie einfach mit einem neuen Buch an, diesmal ein Roman. „Mit dieser Reise wollte ich auch meinem Hobby mehr Raum geben.“

So fand die Augsburgerin Silke Deul ihr Glück in der Welt

Spontane Reiseroutenplanung

So spontan sie sich zu dieser Reise entschloss, so spontan entschied sie sich für die Reiseroute. Es gab keine monatelangen Planungen und genauen Überlegungen, wohin es denn gehen solle. Zunächst schloss sie sich der Weltreisenden an, die sie in Augsburg kennengelernt hatte. Zusammen wanderten sie in Nepal und fuhren durch Myanmar. Ab Taiwan reiste Silke Deul allein und musste erst einmal ihr Tempo finden. Was will ich sehen, was tut mir gut und wie schnell will ich reisen, waren Fragen, die sie sich stellte. In Indonesien sah sie sich die Inseln Java, Bali und Flores an. Zwei Monate nahm sie sich dafür Zeit, mietete sich zwischenzeitlich in einem Coworking-Space ein, einer Bürogemeinschaft, in der sie an ihren Buchprojekten weiterarbeitete. Der Austausch mit anderen Menschen aus aller Welt, die ihren Projekten an einem Laptop in Indonesien nachgingen, tat ihr gut.

Auf dieser Reise beendete sie schließlich ihren ersten Roman und begann an einem Sachbuch zu arbeiten. Darin geht es um das Glück – viel mehr will sie nicht verraten. Ihr Roman „Die Farbe des Saris“, den sie mit dem Pseudonym Rebecca Ahlen veröffentlichte, handelt von einer Frau, die für ein Jahr nach Indien geht. Dort arbeitet sie an einer Berufsschule, lernt Land und Leute kennen und taucht ein in diese neue Lebenswelt. Das Buch erschien im Mai und wurde im Eigenverlag veröffentlicht.

"Ein komisches Gefühl, wenn kein Geld mehr aufs Konto kommt"

Zwischen ihrer Protagonistin und ihr gibt es Parallelen – eine Biografie sei es aber nicht. Reisen und fremde Kulturen hätten sie schon immer interessiert. Das „Fernweh“ wurde schließlich auch durch ihre Weltreise nicht gestillt. Mit einem Campervan reiste sie durch Australien. Knappe fünf Monate lebte sie letztlich bei einer Familie im Norden Neuseelands. Dort wurde sie in der kurzen Zeit heimisch, lernte Freunde kennen, fühlte sich wohl. Hie und da jobbte sie. Die Reise finanzierte sie sich ansonsten durch Gespartes. „Das war ein komisches Gefühl, wenn kein Geld mehr auf das Konto kommt, sondern nur noch weggeht.“ Deshalb achtete sie auf ihr Budget. Die Fahrt nach Fidschi finanzierte sie sich beispielsweise durch das Projekt „Hand gegen Koje“, was unter Seglern für günstiges Mitsegeln gilt. „Dafür muss man an Bord mit anpacken und bei allen Arbeiten mithelfen.“

Zurück in Augsburg habe sie sich Anfang September noch viele Möglichkeiten vorstellen können. „Einen Job als Ingenieurin zu bekommen, dürfte nicht so schwer sein“, sagte sie damals. Sie hatte schon ein paar Optionen im Blick – unter anderem bewarb sie sich aber auch kurzerhand um ein Arbeitsvisum in Neuseeland.

Jetzt lockt ein Job in Neuseeland

„Vor ein paar Tagen kam nun grünes Licht. Nun habe ich erst einmal ein Visum für ein Jahr und kann es dann um zwei weitere Jahre verlängern“, freut sie sich. Sie hatte sich nur eine 50/50-Chance ausgerechnet. Um solch ein begehrtes Visum zu erhalten, müsse ein 200-seitiges Dokument ausgefüllt werden. Dieser Aufwand werde nicht immer belohnt. Bei der 38-Jährigen hat es geklappt. Es geht zurück in das Land, das ihr auf ihrer Reise ans Herz gewachsen ist.

Diesmal ist aber alles anders für Silke Deul. Ihr Hab und Gut, das sie während ihrer Weltreise noch in Augsburg eingelagert hatte, nimmt sie nun mit nach Neuseeland. „Der Container ist bestellt. Ende Oktober werden die Sachen verschifft“, sagt sie. So richtig heimisch könne sie nur mit ihren Dingen werden, habe sie auf der Reise festgestellt. In den kommenden Wochen will sie Freunde und Familie besuchen. In Neuseeland will sie sich dann einen Job als Ingenieurin suchen, etwa als Projektleitung bei großen Baustellen. Dort wird sie auch ihr Sachbuch fertigstellen. Darin schreibt sie unter anderem, wie Reisen Menschen glücklich machen kann. Bei ihr hat es offenbar funktioniert.

Den Blog von Silke Deul finden Sie hier.

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