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Augsburg

20.07.2017

Stadträte machen Weg frei für die Treppe am Fünffingerlesturm

Der Streit um den Fünffingerlesturm hat wohl überraschend ein Ende gefunden. (Archivbild)
Bild: Peter Fastl

Die Diskussion um den Fünffingerlesturm könnte nach neun Jahren Streit überraschend ein Ende haben. Der Stadtrat gab zähneknirschend grünes Licht für die Fertigstellung der Treppe.

Der Bauausschuss des Stadtrats hat am Donnerstagabend nach neun Jahren Streit und mehreren Gerichtsurteilen überraschend den Weg frei gemacht für eine Vollendung der Treppe am Fünffingerlesturm. Somit wird das Bauordnungsamt voraussichtlich in den kommenden Wochen eine Genehmigung für eine Treppe auf der Ostseite (zum Stadtgraben hin) erteilen.

Die Stadträte gaben aber nur zähneknirschend grünes Licht: Es gebe wohl rechtlich keine Möglichkeit, den Bauantrag abzulehnen, sagte Baureferent Gerd Merkle (CSU).

Streit um Fünffingerlesturm begann vor zehn Jahren

Um den Hintergrund des Treppenstreits zu verstehen, muss man um die zehn Jahre zurückblicken: Die Stadt hatte der Alt-Augsburg-Gesellschaft damals den Bau genehmigt. Dann erhob sich Bürgerprotest gegen den stählernen Treppenbau, der den Turm einfacher zugänglich machen und einer stilisierten Stadtmauer gleichen soll. Die Politik schwankte – und kurz darauf stellte die Stadt fest, dass der untere Treppenteil, der bis heute nicht vollendet wurde, in den Gehweg ragen würde und für Fußgänger ein Problem wäre.

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Die Stadt machte geltend, dass der Treppenplan an sich korrekt eingereicht worden sei, die Lage zum Gehweg aber offenbar nicht stimmte. In der Tat ist unstrittig, dass die Treppe in den Gehweg reichen würde. Vor Gericht spielte das aber keine Rolle – in mehreren Urteilen musste die Stadt sich bescheinigen lassen, dass dies nicht das Problem der Bauherren sei. Parallel dazu stellte die Alt-Augsburg-Gesellschaft einen zweiten Bauantrag.

Dieser sah vor, dass der untere Treppenteil nicht auf der Altstadt-Seite zum Gehweg hin errichtet wird, sondern – historisch eigentlich widersinnig – auf der „Außenseite“ der Stadtmauer zum Stadtgraben hin. Mehr als ein Jahr lang lag dieser Antrag bei der Stadtverwaltung. Zwar gab es immer wieder Gespräche mit dem seit Jahreswechsel amtierenden Vorsitzenden der Alt-Augsburg-Gesellschaft Sebastian Berz, zuletzt drohte der Verein dann aber immer offener mit einer Klage gegen die Stadt wegen Untätigkeit.

Die letzte Hoffnung der Bauverwaltung war offenbar, dass der Vertrag zur Nutzung des Grundstücks eine Treppe auf der Ostseite unmöglich machen würde – die städtische Liegenschaftsverwaltung sagt aber, dass sich die Treppe auf diese Weise nicht verhindern lässt. So kam es, dass Referent Gerd Merkle den Stadträten Dienstagabend empfahl, dem Bauantrag statt zu geben. Bei einer weiteren Klage hätte sich die Stadt möglicherweise sonst die vierte Schlappe vor Gericht eingefangen.

Viele Stadträte sind nicht begeistert über Entscheidung zum Fünffingerlesturm

Bei den Stadträten aus der Regierungskoalition war die Begeisterung spürbar gering. Die SPD stimmte trotz der rechtlichen Lage gegen die Genehmigung des Bauantrags. „Ich lehne die Treppe ab und bleibe dabei. Sie ist an dieser Stelle völlig überzogen“, so Ausschussvorsitzender Stefan Quarg. Die CSU stimmte für den Antrag: „Wir sind nicht für die Treppe, aber die Angelegenheit muss jetzt einmal vom Tisch“, so Günther Göttling (CSU). Man müsse jetzt mal „Schluss machen mit den Diskussionen“, so sein Kollege Rolf Rieblinger. Mit neun zu vier Stimmen (gegen SPD und Pro Augsburg) ging der Treppenanbau im Osten letztlich durch.

Die Alt-Augsburg-Gesellschaft möchte den Turm mittels der Treppe besser für die Öffentlichkeit zugänglich machen. Geplant ist, das Innere des Fünffingerlesturms, der im 15. Jahrhundert entstand, besser erlebbar zu machen und eine Ausstellung einzurichten. Wann und ob die Altaugsburg-Gesellschaft nun die Treppe im Osten vollenden wird, ist unklar. Vorsitzender Berz war am Donnerstagabend nicht mehr telefonisch erreichbar.

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21.07.2017

Ich habe lange ein paar Meter davon entfernt gewohnt und den Fünffingerlesturm sehr gemocht. Aber: man konnte mit ihm nichts anfangen außer ihn anzuschauen. Ich hätte es toll gefunden, wenn man den Turm mit einer Treppe und Sitzecke aufgewertet hätte. Ich habe den Bürgerprotest als direkter Anwohner damals daher nicht verstanden. Inzwischen wohne ich nicht mehr da und es ist mir eigentlich egal.

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