1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Tausende Besucher beim Sudetendeutschen Tag

Augsburg

20.05.2018

Tausende Besucher beim Sudetendeutschen Tag

_WYS_Sud_051.jpg
2 Bilder
Der 69. Sudetendeutsche Tag fand am Wochenende auf dem Messegelände statt.
Bild: Silvio Wyszengrad

Neben der Politik spielt auch das Brauchtum eine Rolle bei der Zusammenkunft in der Messe

Am Wochenende sind tausende Besucher auf dem Messegelände zum Sudentendeutschen Tag zusammengekommen. Neben der Rede von Ministerpräsident Markus Söder (CSU), der ankündigte, die wegen der Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg in der Vergangenheit belastete Beziehung zwischen Bayern und Tschechien weiter zu verbessern, spielte auch das gesellige Zusammensein und die Brauchtumspflege eine Rolle.

Auch Emily, Marek und ihre Oma Karla Zacharik sind aus dem so genannten Hultschiner Ländchen im Nordosten der Tschechischen Republik zum Sudetendeutschen Tag gereist. Von den Deutschstämmigen wird die Region Sudetenschlesien genannt, andere sagen Tschechisch Schlesien. Die Oder fließt durch die kleine, wirtschaftlich eher unbedeutende Region um Hultschin. Karlas Muttersprache ist Tschechisch. Ihre Eltern und Großeltern, so erzählt sie, sprachen ausschließlich Deutsch, seien wegen der Krankheit der Großmutter nicht vertrieben worden und durften bleiben. Sie selbst nimmt sich – auch wegen ihres tschechischen Mannes - eher als tschechisch wahr mit nur noch geringen Bindungen ans Deutsche.

Ihre beiden Enkel zeigen, wie unterschiedlich die Lebenslinien von Deutschen in diesen einst umkämpften Gebieten sein können. Weil ihre Mutter nach dem Zusammenbruch des Ostblocks die offene Grenze nutzte und nach Augsburg kam, wurden Emily (15) und Marek (11) hier geboren. Das Mädchen absolvierte den Kindergarten und die ersten zwei Grundschuljahre in Augsburg. Dann entschieden die Eltern, wieder nach Tschechien umzuziehen, kamen jedoch später nochmals für zwei Jahre hierher. Inzwischen leben sie wieder in Tschechien, doch beide Kinder sprechen als erste Generation seit den Urgroßeltern wieder fließend Deutsch. Auch in der Schule hat Emily Deutsch als Hauptfach gewählt. Anfeindungen habe sie nie erlebt, sagt die 15-Jährige. Insgesamt gefalle es ihr in Deutschland besser, auch die bayerischen Dirndl seien schöner als die heimische Tracht.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Edeltraud Kotzian ist ebenfalls aus dem Hultschiner Ländchen. Sie sieht sich selbst und ihre Nachkommen, die neben Tschechisch noch Englisch sprechen, weniger als deutsch, sondern vielmehr als international verwurzelt. Dass die Region mal deutsch war, sollte jedoch in Kulturvereinen weiter vermittelt werden, findet. Auch sie und ihre Eltern erlitten keine Vertreibung. Russische Soldaten nahmen ihnen nach dem Krieg Tiere und Ernte weg, doch sie durften bleiben. „Ein Pfarrer hat mit den Tschechen verhandelt, und wir Dorfbewohner wurden nicht vertrieben“, erzählt sie. In Augsburg ist sie auf die Suche nach Kontakten zu anderen Landsmannschaften und Vereinen.

Eine Frau in Tracht, die ihren Namen nicht nennen möchte, hat hingegen die Vertreibung erfahren. Im September 1945 habe sie zusammen mit Mutter und Großmutter aus ihrem Dorf in Südmähren fliehen müssen, so die Frau, die heute in Ellwangen lebt. Auf Tschechien und die Sudetendeutsche Landsmannschaft ist die Dame nicht gut zu sprechen. 2015 hatte der Verband einen aufsehenerregenden Kurswechsel beschlossen und sowohl die Ziele „Wiedergewinnung der alten Heimat“ als auch die Entschädigung aus der Satzung gestrichen. Die 79-Jährige besteht auf der Rückgabe des enteigneten Besitzes.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Horst Seehofer 2019.jpg
Augsburg

Umstrittener Ehrenbürger: Jetzt spricht Horst Seehofer

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen