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Augsburg

15.03.2019

Taxifahrer gegen Uber und Co.: "Krabbeln schon am Existenzminimum herum"

15 Minuten Stillstand: Taxiunternehmer protestierten gegen lockerere regeln für andere Fahrdienste.
Bild: Thilo Schröder

Die Augsburger Taxi-Zentrale streikte am Mittwoch - allerdings nur 15 Minuten. Der Protest gegen die Pläne von Verkehrsminister Scheuer geht vielen nicht weit genug.

War eine Viertelstunde Protest genug? Die Augsburger Taxi-Zentrale vermittelte am Mittwoch zwischen 11 und 11.15 Uhr keine Fahrten. Taxi-Unternehmer demonstrierten damit gegen Pläne des Bundesverkehrsministeriums, Konkurrenten wie Uber den Marktzugang zu erleichtern. „Denen geht’s um den Kommerz, uns geht es um eine Grundversorgung der Bevölkerung“, sagt der Vorsitzende der Taxigenossenschaft, Ferdi Akcaglar. Die Aktion war Teil einer bayernweiten Kampagne, auch in München, Nürnberg und Regensburg standen die Taxis still.

Die Viertelstunde war aus Sicht von Akcaglar lange genug: „Das ist sicher für diejenigen spürbar, die in der Zeit ein Taxi suchen.“ Es gibt jedoch auch andere Stimmen. Taxifahrer Hayati Berberoglu sagt: „Das ist viel zu kurz.“ Seine Münchner Kollegen demonstrierten parallel zwei Stunden lang vor der Staatskanzlei. Die Aktion in Augsburg sei symbolisch gewesen, sagt Akcaglar: „Wir setzen damit ein Zeichen, damit das der Bevölkerung deutlich gemacht wird.“

Verkehrsminister Andreas Scheuer will wesentliche Auflagen für neue Fahrdienste abschaffen

Grund für den Protest ist ein Arbeitspapier von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Es sieht vor, wesentliche Auflagen für neue Fahrdienste abzuschaffen. In vielen Ländern ist das bereits so. Unter anderem soll es künftig möglich sein, Einzelplätze in Autos zu vermieten – bei Uber das reguläre Vorgehen. Außerdem soll die sogenannte Rückkehrpflicht wegfallen. Sie legt fest, dass Fahrer, die privat Sitzplätze vermieten, im Anschluss an eine Fahrt zur Betriebszentrale zurückkehren müssen. Taxifahrer dürfen dagegen sofort den nächsten Auftrag entgegennehmen.

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Auch die Stadt Augsburg sieht das Vorhaben des Verkehrsministers kritisch. Weitere Fahrdienste zuzulassen, verbessere nicht automatisch den Wettbewerb, sagt Ordnungsreferent Dirk Wurm. Er verweist auf die Taxitarifordnung, dadurch würden Taxifahrer angemessen und nach gesetzlichem Mindestlohn bezahlt. „Freie Dienste, wie Uber, die in der Regel mit Privat-Pkws und auf eigene Rechnung unterwegs sind, würden dies unterlaufen.“

Taxifahrer beklagt: "Krabbeln eh schon am Existenzminimum herum"

Taxifahrer Berberoglu sagt: „Es ist ja eh schon so, dass wir am Existenzminimum herumkrabbeln. Wir haben viele Verpflichtungen, die Uber nicht hat.“ Private Anbieter, die Sitzplätze vermieten, seien schon jetzt nicht an Tarife gebunden, bestätigt Akcaglar: „Das ist eine Wettbewerbsverzerrung.“ Zudem würden Fahrgäste nach eigenen Kriterien ausgesucht und Fahrer nicht darauf geprüft, ob sie sich im Fahrgebiet auskennen. Taxifahrer müssen im zuständigen Gebiet jeden Fahrgast mitnehmen.

In den sozialen Netzwerken bewerten Nutzer die Aussicht auf weitere Fahrdienste in Augsburg dagegen positiv. „Konkurrenz belebt das Geschäft. Meine Hoffnung ist, dass es durch Uber eine günstigere Alternative gibt“, kommentiert Malte Hannig. Zu Jahresbeginn sind die Taxipreise in Augsburg gestiegen, auf Antrag der Taxigenossenschaft. Auch Simon Bayer befürwortet die Konkurrenz und kritisiert den derzeitigen Taxiservice: „Ich mache jährlich etwa 150 bis 250 Fahrten mit Taxi Augsburg und kann daher sagen, dass die erbrachte Qualität deutlich abgenommen hat.“ Genau wie die Taxifahrer kritisieren Nutzer, der Vermittlungsstopp sei zu kurz. Daniel Glockner schreibt: "15 Minuten? Lächerlich... Die fallen nicht auf. Wenn sie wirklich protestieren wollen, sollten sie den Zeitraum deutlich ausweiten."

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Die Diskussion ist geschlossen.

14.03.2019

Wenn das UBER Business so einfach ist, wieso steigen die erwähnten Taxler dann nicht einfach um?

Ich bin schon in Dutzenden Ländern mit UBER mitgefahren. Eine wahre Bereicherung für den Kunden und das Stadtleben. Und so gut wie alle Fahrer waren völlig zufrieden mit dem Job, da sie ihn freiwillig machen und zu den Uhrzeiten, wo sie gerade Lust haben.

Wenn die Taxifahrer so unzufrieden mit ihrem Job sind und am existenzminium leben: bitte kündigen und anderen Job suchen!

Ich begrüße den Schritt hin vom Planmonopol hin zur freien Marktwirtschaft.

Sicherheitsbedenken habe ich dabei überhaupt keine, wenn ich mir so ansehe, wie die Taxi Fahrer durch die Stadt heizen und Verkehrsregeln sehr großzügig interpretieren.

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15.03.2019

Die Frage ist auch, wieviel der UBER-Fahrer sozialversichert sind oder zumidnest privat sich absichern, die Einnahmen versteuern (Einkommensteuer, eventuell Umsatzsteuer), einen Personenbeförderungsschein besitzen und auch Ihre Versicherung für Ihre Kunden haben.
UBER fördert in meinen Augen Schwarzarbeit zu Lasten der Fahrer und der Kunden. Die Zeche zahlen im Schadensfall oder bei einer Kontrolle sie, nicht UBER. Fahrten gegen Entgelt sind in einer normalen Kfz-Versicherung NICHT abgedeckt.

Ob die Taxifahrer die sichereren Fahrer sind, ist eine andere Frage. Gilt aber auch oft für Paketboten oder Vertreter auch.

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15.03.2019

@Harald V.

Und genau hier wir beim „deutschen“ Problem angekommen.
Alle ihre Argumente waren nicht am Mehrwert für den Kunden orientiert sondern allein an bürokratischen Belangen.

Wir buddeln uns hier immer weiter in die Bürokratie rein und lähmen damit ein ganzes Land!
Der Großteil ihrer aufgeführten Argumente war nach dem Motto: „Bürokratie um der Bürokratie Willen“.

Schwarzarbeit oder Steuerhinterziehung fördert UBER übrigens nicht. Alle Zahlungen werden über UBER abgewickelt. Sie zahlen nichts direkt an den Fahrer.
UBER stellt eine monatliche Auszahlung mit Abrechnung zur Verfügung. Ob der Fahrer dies dann ordnungsgemäß beim Finanzamt meldet hat nichts mit UBER zu tun. Vier Taxifahrer sind freiberuflich unterwegs und haben die selbe Pflicht alles ordnungsgemäß zu versteuern.

Ich weiß nicht, wie sie sich das vorstellen? Man lädt ne App runter und ist 5 Minuten später Fahrer?

UBER prüft seine Fahrer (und zwar regelmäßig), persönliche Eignung, fahrzeugzustand sowie Versicherung müssen regelmäßig nachgewiesen werden.
In den vielen Ländern dieser Welt (Paradebeispiel USA) gibt es übrigens keine Unfallhäufigkeit von UBER Fahrern gegenüber „normalen“ Taxlern.

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18.03.2019

Also muss mich dahin gehend revidieren, dass einen Personenbeförderungsschein und eine Versicherung verlangt.

Es ist auch nicht einzuwenden, dass wenn alle gesetzlichen Vorschriften eingehalten werden. Einen Personenbeförderung sschein wurde früher von Uber nicht verlangt. Aber es sollte nicht nur um den Kunden gehen. Auch der jeweilige Dienstleiter u.U. auch Arbeitnehmer sollte geschützt sein.
Es besteht die Gefahr, dass es zu ähnlichen Zuständen wie bei den Paketzustellern kommt. Freue mich persönlich auch über günstige Preise. Die Kehrseite sind aber teilweise unsagbare Zustände bei den "Sub" ,"Subsub" und "Subsubsub"-Unternehmen.

Welche Bürokratischen Monster habe ich genannt?
Steuern = zur allgemeinen Finanzierung des Staates unerlässlich
Versicherungsschutz = Kundenschutz / Schutz des Fahrers
Personenbeförderungsschein = zumindest sollte nicht jeder Alki einen befördern dürfen

Mit der Uber-Überprüfung ist es so eine Sache. Macht Uber eine monatliche psychologische Analyse jeden Fahrers? Wie macht Uber die? Denke, die machen dahingehend nicht mehr wie die normalen Taxiunternehmen. Gültigen P-Schein und gut.
Die persönliche Eignung läßt sich nicht einfach feststellen und überprüfen. Für den normalen Führerschein braucht man auch eine persönliche Eignung. Und da hab ich schon den ein oder anderen Zweifel wenn man sich das Verhalten auf der Straße anschaut ... soweit ich das Uber gesehen habe, langt Ihnen ein gültiger Personenbeförderungsschein. Der ist in Deutschland auch Pflicht bei Beförderung gegen Entgelt. Mehr Vorgaben machen die nicht.

Ob es eine gesonderte Uber-Fahrer-Statistik gibt?
Taxifahrer sind bestimmt nicht die besseren Autofahrer. Einige fallen durch eine aggressive Fahrweise auf. Aber das tun sind leider einige Fahrer in Privatfahrzeuge (Uber?) auch.

Konkurrenz belebt das Geschäft. Ob ein Fahrer im Zeitalter des Navi sich perfekt auskennen muss ist fraglich.
Aber bei einer Freigabe sollte man Uber & Co. genau im Auge behalten. Die Vorgaben müssen für Taxis und Uber gleich sein und auch eingehalten werden! "Freigaben" dürfen nicht zu Lohndumping und ähnlichem führen.

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