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Bobingen

16.01.2015

Tödliche Zahn-OP: Anästhesist wegen schwerer Fehler verurteilt

Eine 46-Jährige lässt sich mehrere Zähne ziehen und wacht nie wieder auf. Nun muss der Anästhesist für seine Fehler ins Gefängnis.
Bild:  Symbolbild, Markus Scholz (dpa)

Eine 46-Jährige lässt sich Zähne ziehen und wacht nach der Behandlung nie wieder auf. Gutachter lasten den Ärzten schwere Versäumnisse an. Jetzt muss der Anästhesist ins Gefängnis.

Wegen fahrlässiger Tötung muss ein Anästhesist für ein Jahr und sechs Monate ins Gefängnis. Bei einer Zahn-OP ist ihm ein tödlicher Fehler unterlaufen, deshalb verurteilte das Augsburger Amtsgericht den Mann am Freitag zu der Haftstrafe ohne Bewährung

Gutachter: Viele unverzeihliche Fehler

2010 hatte der Angeklagte gemeinsam mit einem Zahnarzt in Bobingen bei einer damals 46-jährigen Frau eine ambulante Operation durchgeführt. Als Komplikationen auftraten, verabreichte der Anästhesist das falsche Medikament. Zudem wurde die unter einem Down-Syndrom leidende Frau offenbar viel zu spät ins Augsburger Klinikum gebracht. Bis zu ihrem Tod im Mai 2013 lag die Patientin im Wachkoma. Das Verfahren gegen den Zahnarzt wurde nach Angaben des Amtsrichters gegen eine Strafe von 4000 Euro eingestellt.

Zur Frage, ob menschliches Versagen vorliegt und ob die Patientin letztlich an den Folgen der Operation gestorben ist, äußerten sich vor dem Gericht zwei Gutachter. Folgt man den Münchner Gerichtsmedizinern Florian Fischer und Prof. Rudolf Hipp sind bei der Behandlung der Patientin viele unverzeihliche Fehler gemacht worden. Besonders der 56-jährige Anästhesist geriet ins Kreuzfeuer der Kritik.

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Anästhesist spritzte unzulässigen Medikamentenmix

Demnach unterlief ihm der erste Fehler bei der Narkotisierung der Patientin. Ihr wurde ein Medikamentenmix gespritzt, der nicht zulässig ist und, so Fischer, „keinen Sinn macht“. Propofol ist ein bekanntes, häufig verwendetes Narkosemittel. Metamizol, so die Gebrauchsanweisung des Herstellers, darf nur als Schmerzmittel nach einer OP gegeben werden, nicht aber für eine Narkose.

In der folgenden Stunde fiel der Blutdruck der 46-Jährigen stark ab. Fischer: „Es hätte jetzt Gegenmaßnahmen gebraucht, doch es passierte nichts.“ Eine halbe Stunde später hörte das Herz der 46-Jährigen auf zu schlagen. Jedoch gelang es beiden Ärzten, die Patientin mit einer Herzdruckmassage wiederzubeleben. Die Frau erlangte allerdings nicht mehr das Bewusstsein.

Die Mediziner ließen weitere zwei Stunden verstreichen, bis sie – zwischenzeitlich war der Bruder der Patientin in der Praxis eingetroffen – den Notarzt alarmierten. Kurz darauf lag die im Koma liegende Patientin im Klinikum auf der Intensivstation. Viel zu spät, kritisierten beide Sachverständige. Prof. Hipp: „Der Notarzt hätte schon gerufen werden müssen, als mit der Reanimation begonnen wurde.“ Die Praxis sei auf so einen Notfall nicht vorbereitet gewesen. „Weder personell noch mit den notwendigen Apparaten.“

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