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Augsburg

27.05.2017

Überfall auf Geldboten: Woher wusste der Räuber von dem Geld?

Nach dem Überfall auf einen Geldboten vor der Augusta-Bank im September 2016 machte sich die Polizei mit Hunden auf die Spur des Räubers.
Bild: Anne Wall

Ein Mann erbeutet im September 2016 kurzzeitig über 70.000 Euro, als er einem Geldboten vor der Augusta-Bank auflauert. Laut Anklage bekam er einen heißen Tipp.

Der Mann hatte viel Geld dabei, über 70.000 Euro in einem Behälter. Es waren die Wochenendeinnahmen einer Augsburger Bäckerei, der Mann wollte sie zur Augusta-Bank in der Schießgrabenstraße bringen. Dazu kam er nicht. Er wurde vor Ort abgepasst, von einem Mann, der eine Soft-Air-Pistole auf ihn richtete und so die Box mit dem Geld erbeutete. Der Behälter war schwer, der Räuber kam damit nicht weit. Er versteckte die Box hinter ein paar Mülltonnen, wo die Polizei sie später fand, und machte sich davon.

Drei Angeklagte müssen sich vor dem Augsburger Landgericht verantworten

Das war Anfang September 2016. Nun, ein dreiviertel Jahr später, müssen sich wegen des Vorfalls drei Angeklagte vor der dritten Strafkammer des Augsburger Landgerichts verantworten, die seit Monaten in Untersuchungs-Haft sitzen. Da ist ein heute 31-Jähriger, der laut Anklage bei der Bäckerei angestellt war und wusste, wann und wo die Einnahmen zur Bank gebracht wurden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Anstiftung zum schweren Raub vor. Da ist der 32-Jährige, der die Soft-Air-Pistole gezückt und den Geldbehälter kurzzeitig an sich genommen haben soll. Schwerer Raub, heißt es neben etlichen weiteren Delikten in der Anklageschrift. Und da ist ein weiterer 31-jähriger Mann, der den 32-Jährigen nach der Tat mit dem Auto abgeholt haben und später das Beuteversteck beobachtet haben soll, um sicherzustellen, dass das Geld nicht von anderen Personen aufgefunden wird. Ihm wirft die Staatsanwaltschaft Beihilfe zum schweren Raub vor.

Das Ganze soll sich demnach folgendermaßen abgespielt haben: Im Juli oder August 2016 trafen sich der angeklagte Bäckereiangestellte und der 32-Jährige in einer Videothek, bei dem Gespräch erzählte der Bäckerei-Mitarbeiter, er habe Schulden. Diese Geldsorgen ließen sich schnell lösen: Mit einem Überfall auf den Geldtransport der Bäckerei, im besten Fall an einem Montag, da dort Einnahmen zwischen 90.000 und 100.000 Euro transportiert würden. Der 32-Jährige erklärte sich bereit, die Tat auszuführen; 10.000 Euro der Beute sollten an den 31-Jährigen gehen. Ende August fuhren sie gemeinsam mit dem Auto hinter dem Geldtransport her, sie machten sich vertraut mit den Gegebenheiten. Eine Woche später schlug der 32-Jährige dann zu.

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Angeklagter war drogensüchtig und desillusioniert

Am ersten Prozesstag räumt der Mann, der von den Anwälten Marco Müller und Martina Sulzberger verteidigt wird, die Vorwürfe gegen ihn ein. Er gesteht auch, nach seiner Festnahme Polizisten beleidigt zu haben, die ihn im Krankenhaus bewachten: Bei einem Fluchtversuch war er aus einem Fenster im ersten Stock gesprungen und hatte sich verletzt. Der 32-Jährige liest von Zetteln vor, die er handschriftlich vollgeschrieben hat: Desillusioniert und drogensüchtig sei er gewesen und habe keine klaren Gedanken fassen können. Das Geld habe er für seine Drogensucht ausgeben wollen. Als er die Geldbox erbeutet hatte und ein Polizeiauto an ihm vorbeigefahren sei, habe er Panik bekommen, daher habe er den Behälter versteckt. Er sei durch Drogen so benebelt gewesen, dass er nicht daran gedacht habe, das Geld in einem der Mülleimer zu platzieren.

Danach habe er herumtelefoniert, wer ihn mit dem Auto abholen könne. Den Mitangeklagten, dem die Staatsanwaltschaft Beihilfe zum schweren Raub vorwirft, habe er so unbewusst mit reingezogen. Dieser sei entsetzt gewesen und habe mit der Sache nichts zu haben wollen. Er habe ihm auch nie gesagt, er solle zum Versteck gehen. So schildert es auch der Mitangeklagte. Für ihn liest Verteidigerin Alexandra Gutmeyr eine Erklärung vor: Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft seien so nicht richtig, er sitze zu Unrecht in Haft. Zwar sei er später zum Tatort gefahren, aber er habe überhaupt nicht gewusst, wo das Versteck sei und überlegt, die Polizei zu rufen, ehe er vor Ort festgenommen wurde. Der dritte Angeklagte, vertreten von Anwalt Michael Weiß, machte noch keine Angaben zur Sache. Der Prozess wird fortgesetzt.

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28.05.2017

Es ja auch ausgesprochen dumm von der Firma so viel Geld anzusammeln und dann zur Bank zubringen. Richtig wäre, das Geld in Teilsummen zu verschiedenen Zeiten zur Bank zu bringen.

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