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Messe

13.01.2020

Ungebremste Freude am Fahren – und am Gucken

Der BMW Club Augsburg ist eine von mehreren Gruppen von Gleichgesinnten, die zur MotoTechnica mit einem besonderen Fuhrpark anreisen. Mitglieder der Partnerclubs aus Ulm und Fürstenfeldbruck waren auf der Augsburger Veranstaltung ebenfalls vertreten.
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Der BMW Club Augsburg ist eine von mehreren Gruppen von Gleichgesinnten, die zur MotoTechnica mit einem besonderen Fuhrpark anreisen. Mitglieder der Partnerclubs aus Ulm und Fürstenfeldbruck waren auf der Augsburger Veranstaltung ebenfalls vertreten.

Auf der MotoTechnica gibt es „alles, was Räder hat“ zu sehen. Der Mix aus Old- und Youngtimern sowie dem Teilemarkt ist seit 21 Jahren eine Institution für Autoliebhaber. Tuning spielt eine immer größere Rolle

„Ich würde mir niemals ein modernes Auto kaufen“, sagt Marco Reisacher. Befragt nach dem Grund nennt der 21-Jährige das Fahrgefühl. „Du wirst eins mit dem Auto“, philosophiert der Oldtimer-Liebhaber. Eine Servolenkung käme ihm nie ins Fahrerhaus: „Damit spürst du ja keinen Stein mehr auf der Fahrbahn“.

Es sind leidenschaftliche Enthusiasten wie er, die den Charme von Veranstaltungen wie der MotoTechnica ausmachen. Das Event für klassische Traumautos, Teile und Zubehör zieht seit 21 Jahren Autoliebhaber an. Größtenteils aus Süddeutschland, doch reisen auch Gäste und Aussteller aus dem Ausland eigens für die Veranstaltung an. Schon morgens um 9 Uhr bildeten sich Schlangen vor den vier Kassen an der Messe Augsburg.

Einer der Wartenden: Matthias Mussack aus Markt Wald. Er hofft, mit seinem Bruder Ersatzteile für eine Zündapp 200 zu finden. Seit fast einem Jahr sind sie auf der Suche nach den fehlenden Teilen. Daran änderten weder Reisen durch Deutschland und nach Polen etwas – noch Recherchen im Internet. Die Zündapp von 1950 ist eines von zehn Zweirädern in seiner Sammlung, die für ihn „Hobby und Wertanlage zugleich“ darstellt.

Neben Oldtimern auf vier und zwei Rädern stellen private und gewerbliche Teilnehmer in Augsburg auch Youngtimer und spektakuläre Tuning-Cars aus. „Alles, was Räder hat“ beschreibt der Veranstalter Otto Wonisch das Konzept. Das ist nicht übertrieben: Vom italienischen Sportwagen und dem legendären Porsche 911 über Tuning-Flitzer wie in den „Fast and furi-ous“-Filmen bis zum amerikanischen Hot-Rod-Traum oder historischen Militärfahrzeugen bleibt auf den 15000 Quadratmetern kein mobiler Wunschtraum offen.

Einige dieser Träume sind sogar erfüllbar, denn manche Fahrzeuge der rund 250 Aussteller stehen zum Verkauf. Dazu kommen Ersatzteile und Erinnerungsstücke aus allen historischen Pkw-Epochen. Wer sein Auto nur benutzt, um von A nach B zu kommen, ist auf der MotoTechnica fehl am Platz. Wer dagegen Benzin im Blut hat, wähnte sich auch an diesem Wochenende im siebten Dachhimmel, sobald er durch die Hallen des Messezentrums sowie durch das Freigelände flanierte.

Bei einem Fahrzeug wusste selbst der Veranstalter bis zuletzt nicht, was ihn erwarten würde. „Lassen Sie sich überraschen“, riet ihm die Polizei. Der Auftritt der Gesetzeshüter hat auf der MotoTechnica Tradition. In jedem Jahr beantwortet die Verkehrspolizei Augsburg vor Ort nicht nur Besucherfragen rund um die mobile Gesetzeslage, sondern präsentiert auch einen besonderen Streifenwagen aus der guten alten Zeit.

Diesmal war es ein echter Höhepunkt für Kenner: Der BMW 502 mit V8-Motor bekam den schwärmerischen Spitznamen „Barockengel“. Das Modell war 1957 als Streifenfahrzeug des Polizeipräsidiums Oberbayern im Einsatz. Jede Menge Modelle der Bayerischen Motorenwerke brachten auch der BMW Club Augsburg sowie die Partnerclubs aus Ulm und Fürstenfeldbruck mit. „Wir sind einer von rund 200 Clubs, die BMW offiziell anerkannt hat“, erklärt Vorstandsmitglied Marius Seitz stolz. Unter anderem im angereisten Fuhrpark: ein BMW 325i aus dem Rennsport, ein folierter X5 mit 500 PS Leistungssteigerung und einer von insgesamt nur vier bekannten M635 CSI mit der Lackfarbe „Porsche Midnight Blue“.

Was für Laien belanglos klingt, ist für die Besucher der Veranstaltung so spektakulär wie für Kunstsammler die Entdeckung einer verschollenen Erfindung Leonardo da Vincis. Apropos Italien: Diverse Besucher aus dem Süden präsentierten Zeitmaschinen auf vier und zwei Rädern. Roberto Gonnelli beispielsweise ist „crazy for old bikes“, wie seine Visitenkarte verrät. „Ich sammle nicht die großen, sondern die seltenen“, erklärt er.

Rot wie ein Ferrari ist seine Guzzino von Moto Guzzi – ein echter Hingucker aus dem Jahr 1946. Ein Hingucker ist mit seinen vielen Piercings im Gesicht auch der Schweizer Patrick Sutter, der auf der MotoTechnica Spielzeugautos, Blechschilder, Gebrauchsanleitungen und andere museumsreife Exponate für Autonarren anbietet. Privat fährt er einen Chevrolet Camaro aus dem letzten Jahrhundert. „Die gehen nicht kaputt, das ist der Vorteil an alten Autos“, sagt er. Zumindest, wenn man umsichtig fährt. Was dagegen passieren kann, wenn man Gefahren unterschätzt, zeigte die Verkehrswacht Aichach-Friedberg eindrucksvoll. Die Messebesucher konnten mit einer Rauschbrille testen, welche Auswirkungen Alkohol am Steuer hat. Auch am Pkw-Simulator konnten Gäste virtuell herausfinden, wie souverän sie auf Glatteis, bei Tieren auf der Fahrbahn und anderen Herausforderungen reagieren würden.

„Das jüngere Publikum beschäftigt sich immer weniger mit dem Thema Restauration“, beobachtet Veranstalter Otto Wonisch. „Sie erben einen Oldtimer und wollen den verkaufen.“

Doch es geht auch anders, wie ein junger Mann aus Buchloe mit seinem Vater beweist: „Wir haben extra eine Halle gemietet für unser privates Projekt“, sagt der Papa begeistert. Gemeinsam wollen sie ein Fahrzeug aus dem Jahr 1957 restaurieren.

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