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Augsburg

15.10.2014

Uni-Veranstaltung eskaliert: Studenten ziehen vor dem Dom blank

Auf einer Uni-Veranstaltung sollen Studienanfänger aufgefordert worden sein, sich zu entblößen. Nicht alle fanden das lustig - vor allem nicht die Uni-Leitung.

Mit reichlich Alkohol und nackten Tatsachen feierten die Erstsemester der Wirtschaftswissenschaften ihren Studienbeginn an der Universität Augsburg. Dass bei den sogenannten Einführungs- oder Orientierungsphasen an den Hochschulen gerne mal etwas getrunken wird und die Studienanfänger kuriose Aufgaben lösen müssen, ist nicht unüblich. Die Art und Weise wie die Stadtrallye bei den Wirtschaftswissenschaftlern abgelaufen ist, aber schon.

„An einigen Spielen konnte man gar nicht teilnehmen, wenn man nicht etwas getrunken hat“, berichtet beispielsweise eine Studentin. Eine andere sagt, dass „quasi jede Einkaufsmöglichkeit genutzt“ wurde, um sich mit alkoholischem Nachschub zu versorgen.

Pikant dabei: Es handelt sich bei der Tour durch die Stadt um eine offizielle Veranstaltung der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät. Sie wurde von studentischen Tutoren durchgeführt und begleitet.

Klaus Prem, Pressesprecher der Universität, betont in dem Zusammenhang, dass die Fakultät strikt darauf geachtet habe, dass kein Alkohol ausgeschenkt wurde und dass bei der Stadtrallye keine Spiele stattfanden, die als anzüglich empfundenes Verhalten beinhaltet oder zu solchem Verhalten motiviert hätten. Auf das Verhalten Einzelner habe die Universität aber „keinen Einfluss“ und die Fakultät sehe es auch nicht als ihre Aufgabe an, den Erstsemestern „nachzuspionieren“.

Leitfaden zum Umgang mit Betrunkenen

Dass es wohl nicht Einzelfälle waren, die sich entkleideten und Alkohol tranken, dafür sprechen Bilder von verschiedenen Orten in der Stadt, unter anderem vom Brunnen beim Augsburger Dom und in der Maximilianstraße, die unserer Redaktion vorliegen. Auch an der Universität scheint das Thema im Vorfeld eine Rolle gespielt zu haben. Im Leitfaden für die Tutoren heißt es: Die Erstsemester sollten bei zu viel Alkoholkonsum „auf einen normalen Pegel“ gebracht werden. Gelinge dies nicht, solle die Organisationsleitung informiert werden, die sich dann kümmere.

Entwickelt wurden die Spiele laut Prem von einem Kern-Team von Tutoren und einem Fakultätsmitarbeiter. Anschließend wurden diese unter anderem Dekan Peter Welzel vorgelegt. Auf der geprüften Spieleliste hätten keine anzüglichen Spiele gestanden, sagt Prem. Zudem habe Welzel viele Tutoren im Vorfeld kennengelernt. „Ich habe sie als überaus wohlerzogene und seriöse junge Menschen kennengelernt. Insofern kann ich mir schwer vorstellen, dass sie die Katalysatoren gewesen sein sollen“, so Welzel.

"Niemanden dazu animiert, sich auszuziehen"

Durch die Stadt wurden die Anfänger von eben jenen Tutoren geleitet. Laut Stellungnahme der Uni haben diese Freiwilligen niemanden dazu animiert, sich auszuziehen oder Alkohol zu trinken. Ganz anders klingen hingegen die Schilderungen teilnehmender Studenten, mit denen unsere Redaktion gesprochen hat. Sie berichten vielmehr, dass die Tutoren die treibende Kraft gewesen seien. „Sie haben Extrapunkte angeboten, wenn sich jemand auszieht. Einige Teilnehmer haben dann mit eingestimmt, sodass eine größere Gruppe einen gewissen Druck aufgebaut hat, mitzumachen.“

Vor allem weibliche Studienanfänger hätten dies als sehr unangenehm empfunden. „Es kamen auch Passanten und kleine Kinder vorbei, das war schon unangemessen“, sagt eine Studentin. Sie räumt aber auch ein, dass viele Erstsemester begeistert mitmachten. Es habe aber auch die anderen gegeben, die heim gingen. Ob das nun immer an der Art der Spiele gelegen habe, wisse sie aber nicht, schränkt sie ein. Es mussten aber wegen des Schwundes Gruppen zusammengelegt werden, die in der Stadt unterwegs waren, berichtet sie. Einzelne Kommilitonen seien durch den Alkoholkonsum zudem „ziemlich fertig“ gewesen am Ende der Tour.

Sebastian Klöckner, Vorsitzender des Vereins „Augsburger Wirtschaftsstudenten und Alumni“, ist verärgert. Vor allem deshalb, weil er ähnliche Spiele bereits im Vorjahr bei der Universitätsleitung angeprangert habe. Das „vollkommen verantwortungslose Verhalten der Universitätsbeamten“ schade den Studierenden und dem Vertrauen in die Universität.

Präsidentin Sabine Doering-Manteuffel kündigte an, die Vorwürfe prüfen zu wollen, auch wenn bislang weder bei der Stadt noch der Fakultät oder bei der Unileitung Beschwerden eingegangen seien. „Wenn sich das so zugetragen hat, ist das nicht im Sinne der Universität.“ Die Studienanfänger, die die meisten Punkte am Ende der Stadtrallye hatten, wurden dafür übrigens bei der Abschlussfeier in einer Bar mit neun Flaschen Bier belohnt.

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