Newsticker

16.700 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages in Deutschland
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Verliebt, verprügelt: Prostituierte rettet sich in neue Beziehung

Augsburg

06.02.2015

Verliebt, verprügelt: Prostituierte rettet sich in neue Beziehung

Ein 28-jähriger Zuhälter ist unter anderem wegen Menschenhandels zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Sein Opfer rettete sich durch eine Beziehung zu seinem Sohn.
Bild: Symbolbild, Oliver Berg (dpa)

Vor Gericht sagte der Zuhälter, er habe sich in die Frau verliebt. Er verprügelte und bedrohte die Prostituierte aber, als sie für ihn nicht mehr auf den Strich gehen wollte.

Im Rotlichtmilieu ist nicht gut Kirschen essen. Zuhälter kämpfen mit harten Bandagen gegeneinander. Frust und Wut lassen sie dann manchmal an den Frauen ab, die für sie anschaffen gehen. Ein 28-jähriger Rumäne ist wegen Menschenhandels, ausbeuterischer Zuhälterei und weiteren Delikten vom Amtsgericht zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Er hatte eine 25-jährige Prostituierte von einem Landsmann für 20.000 Euro „ausgelöst“, damit sie für ihn arbeitet. Als diese sich weigerte, regelmäßig ihren Dirnenlohn abzugeben, um den „Kaufpreis“ in Raten abzuzahlen, verprügelte er sie, drohte, sie und ihre kleine Tochter bei lebendigem Leib zu verbrennen. Außerdem nötigte er die Frau, ein gemeinsames ungeborenes Kind abzutreiben.

Die Rumänin war zunächst zusammen mit einer Freundin für einen anderen Zuhälter in Frankreich auf den Strich gegangen. Als es dort Probleme gab, kehrte das Trio nach Augsburg zurück, wo die 25-Jährige dann den Angeklagten kennenlernte. „Ich hatte mich in sie verliebt“, beteuerte er nun im Prozess vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Fabian Espenschied.

20.000 Euro Auslöse-Gebühr: Prostituierte wollte Geld beschaffen

Sein Landsmann sei nicht einverstanden gewesen, dass sie bei ihm bleibe. „Er hat uns mit einem Messer bedroht und gesagt, wir müssten ihm 20.000 Euro zahlen, dann könne sie gehen.“ Die 25-Jährige sei dann mit dem Vorschlag einverstanden gewesen, die Forderung des Landsmannes in Raten von je 500 Euro pro Woche zu begleichen. „Ich werde arbeiten gehen, damit wir zahlen können“, habe sie gesagt.

Dass er die Frau mehrmals misshandelt habe, räumte er ein. „Aber das waren nur Ohrfeigen. Und einmal habe ich sie nur im Gesicht getätschelt, weil sie in Ohnmacht gefallen war.“ Die wüsten Drohungen, mit denen er die Dirne gefügig machen wollte, bezeichnete er als „Beleidigungen, die man in Rumänien so sagt“. Letztlich gab der Angeklagte dem Opfer die Schuld: „Sie hat mich wahnsinnig gemacht, mich in alles reingezogen. Und ich musste alles ausbaden.“

Neues Liebes-Verhältnis: Sohn des Angeklagten rettet die Rumänin

Erst als die 25-Jährige ein Verhältnis mit dem Sohn eines Bordellbetreibers begann, der ihr den Rücken stärkte, war sie Ende Juli 2014 zur Kripo gegangen und hatte den Angeklagten angezeigt. Daraufhin hatten die Ermittler Telefone überwacht und Beweismaterial gesammelt.

Am Ende berichtigte der Angeklagte seine beschönigende Version und legte ein umfassendes Geständnis ab, sodass eine Verfahrensabsprache zwischen Verteidiger Udo Reissner, Staatsanwältin Maiko Hartmann und dem Gericht möglich wurde. Die 25-Jährige, die mit ihrem neuen Freund samt dessen Vater im Gerichtssaal erschien, brauchte deshalb nicht mehr auszusagen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren