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Augsburg

20.03.2019

Was Hündin Mina mit der Kunstmeile verbindet

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2 Bilder
Straßenhündin Mina hat bei Norman Rauch ein neues Zuhause gefunden. Der junge Mann kümmert sich nicht nur um sie, sondern will mit dem Verkauf seiner Kunstwerke aus Büchern auch eine Tierschutzinitiative unterstützen. Aktuell stellt er bei der Kunstmeile Pfersee aus – und zwar bei Schlüssel Fritz.

Norman Rauch und Biggi Reichhardt verkaufen ihre Werke zugunsten einer Tierschutzinitiative. Mit 27 weiteren Kunstschaffenden verwandeln sie Pfersee Zentrum in eine Galerie.

Johannes Neudert sieht die Welt buchstäblich mit anderen Augen. Das liegt nicht nur daran, dass der Stadtberger mit seinen 19 Jahren vieles anders bewertet als Ältere. Der Industriemechaniker-Azubi ist stark sehbehindert. Seine Fotografien – vor allem Landschaften und Architektur – sind aber alles andere als verschwommen oder handwerklich unvollkommen.

Klare Linien, bewusst komponierte Landschaftsaufnahmen kennzeichnen die Aufnahmen, die im Kaufhaus Konrad zu sehen sind. Im Rahmen der Kunstmeile Pfersee stellt Neudert zum ersten Mal öffentlich aus, wenn man mal von einer kleinen Galerie im Treppenhaus seines Wohnhauses absieht. Motive findet er bei Spaziergängen mit seinem Vater in der Umgebung. Doch auch auf Reisen ist die Kamera stets dabei.

Mutter ist die strengste Kritikerin

Der Anstoß zur Teilnahme an der Kunstmeile kam von seiner Mutter. Sie ist auch eine strenge Kritikerin. „Vor allem, wenn ich eine Aufnahme mal zu stark bearbeitet habe, ist sie überhaupt nicht zufrieden“, verrät Johannes Neudert. Jetzt hat er „Blut geleckt“ und will sich öfter um eine Präsentation seiner Fotografien an Ausstellungen bemühen. Warum er sich trotz seiner schlechten Augen ausgerechnet die Fotografie als künstlerisches Metier ausgesucht hat? Schon als Sechsjähriger habe er eine Filmkamera bekommen und damit alles Mögliche festgehalten. Während seiner Schulzeit begann er dann mit dem Fotografieren. „Ich bin gern mit Freunden unterwegs, doch ich brauche auch viel Zeit für mich. Mit Fotografieren nutze ich sie sinnvoll“, sagt er.

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Natürlich erleichtern ihm die modernen Kameras mit Autofokus und diversen Programmen die Aufnahmen enorm. Aber die Suche nach Motiven ist seine ureigenste Sache. „Ich habe natürlich Bilder anderer Fotografen gesehen. Für mich ist aber entscheidend, welche Gefühle ich mit einer Aufnahme ausdrücken kann. Ohne Gefühle will ich nicht fotografieren“, meint Neudert bestimmt. So legte er sich in einen Hof in Hamburg auf den Boden, um eine Stimmung des Himmels einzufangen, der von den umliegenden Gebäuden gerahmt wird.

Falzholz, diverse Messer, viel Fingerspitzengefühl – und alte, möglichst dicke Bücher sind dagegen die Grundlage für die Arbeiten von Biggi Reichhardt und Norman Rauch. Sie gestalten aus bis zu 900 Seiten starken Büchern filigrane Kunstwerke. Seite für Seite falten sie die Blätter und arbeiten durch bestimmte Schneidetechniken Buchstaben, Wörter, auch Formen heraus. Sogar Porträts hat das Paar bereits gefertigt.

Falten wird zum Lebensinhalt

Das klingt sehr kompliziert und aufwendig. Doch haben sie sich die verschiedenen Techniken so gut angeeignet, dass sie einfachere Arbeiten in ein, zwei Tagen bewältigen. Das Falten ist für die beiden zum Lebensinhalt geworden.

Denn der 27-jährige Polizeibeamte und die Studentin, 29, produzieren und verkaufen ihre Kunstwerke zu einem einzigen Zweck: „Jeder Cent geht sofort in den Tierschutz, nur das Porto behalten wir“, sagt Reichhardt. Sie unterstützen damit Tierschützer in einer rumänischen Kleinstadt, die sich um Straßenhunde und streunende Katzen kümmern. „Mit dem Erlös eines Buches für 20 Euro können wir die Kastration eines Hundes finanzieren und damit verhindern, dass noch mehr Straßenhunde zur Welt kommen“, rechnet Rauch vor (Homepage: www.faltenfuertierschutz.de).

Insgesamt 29 Kunstschaffende sind bei der Pferseer Kunstmeile mit von der Partie. Die Idee, mit den Besuchern einen Publikumspreis zu vergeben, habe allerdings noch nicht geklappt, sagt Organisatorin Margot Kloos. Aber für das nächste Jahr sei fest eingeplant, dass die Betrachter abstimmen können, welcher Künstler den Preis erhält.

Pferseer Kunstmeile läuft bis 31. März

Noch bis 31. März sind die Werke in den beteiligten Geschäften und in der Herz-Jesu-Kirche zu sehen. Alle Orte sind im Internet unter www.buergerhaus-pfersee.de zu finden.

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