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Porträt

12.01.2020

Was Marius Beckmann als Organist so besonders macht

Die Schmid-Orgel auf der Empore von St. Georg zaubert Marius Beckmann ein Lächeln ins Gesicht. Bei einem Konzert zeigte er vor Kurzem, was in dem Instrument und in ihm steckt.
Foto: Annette Zoepf

Der 26-jährige Musiker will Lust auf Orgelmusik machen. Warum er seine Stelle in drei Kirchen als „Sechser im Lotto“ empfindet und wovon er träumt.

Mit einem Orgelkonzert am 1. Weihnachtsfeiertag in St. Georg stellte Marius Beckmann eindrucksvoll unter Beweis, dass er mehr will, als Gottesdienste musikalisch zu begleiten. Mit vier Stücken, darunter die bombastische Sonata Eroica von Joseph Jongen, eine Komposition von Stadtpfarrer Florian Geis sowie Improvisationen bekannter und weniger bekannter Weihnachtslieder ließ er sein Publikum aufhorchen. Bei den sinfonischen Stücken vermittelte er den Eindruck, auf der Empore sei ein ganzes Orchester am Werk. Er habe sich sehr über die vielen Besucher gefreut, sagt er bescheiden.

Erst seit November in Augsburg, hat Beckmann bereits eine Homepage gestaltet, auf der er die Kirchenmusik von St. Georg und St. Sebastian präsentiert. Der junge Mann, der aus dem nordhessischen Kassel stammt, bezeichnet seine Stelle als „Sechser im Lotto“. Denn mit der Schmid-Orgel in St. Georg und der Koulen-Orgel in St. Sebastian stünden ihm zwei ganz besondere Instrumente zur Verfügung. Darüber hinaus gehört auch noch die Kirchenmusik in St. Markus in der Fuggerei zu seinem Aufgabengebiet.

Beckmann zählt zu den jüngsten Organisten im Bistum Augsburg

Mit noch nicht einmal 27 Jahren zählt Marius Beckmann zu den jüngsten Organisten im Bistum Augsburg. Während er sich fürs Klavierspiel nie begeistern konnte, habe ihn schon von Kindheit an „die Königin der Instrumente“ fasziniert. „Ich habe mir einiges autodidaktisch angeeignet, habe Unterricht bei einem Kirchenmusiker genommen und schon mit elf oder zwölf Jahren Gottesdienste gespielt“, sagt er.

Dabei stammt der junge Mann nicht aus einem kirchlich geprägten Elternhaus, sondern aus einer Musikerfamilie. „Mein Vater ist Trompeter und ich bin weitläufig mit dem Komponisten Robert Schumann verwandt.“ Die Gene ließen in Marius Beckmann früh den Wunsch reifen, die Musik zu seinem Beruf zu machen und Kirchenmusik, Orgel sowie Orchesterleitung zu studieren. Nach seinen Düsseldorfer Studienjahren zog es Marius Beckmann dann für zwei Jahre nach Paris, wo er sich am Konservatorium intensiv der Orgelimprovisation widmete – seinem großen Steckenpferd.

Konzerte in Notre Dame

An die Zeit in der französischen Hauptstadt mit ihrer „sehr interessanten Orgelszene“ denkt der junge Musiker gerne zurück. Unter anderem gab er auch Konzerte in Notre Dame. Die Orgel in der Kathedrale habe den verheerenden Großbrand im vergangenen April weitgehend unbeschadet überstanden, weiß Beckmann. Die schönste Orgel von Paris befindet sich seiner Meinung aber in der Kirche Sacré Cœur. Dass der Musiker seine Liaison mit Frankreich nicht weiter ausdehnte, hatte wirtschaftliche Gründe: „In Frankreich verdient man als Organist fast kein Geld.“

Und so zog es Beckmann nach Deutschland und Kassel zurück, wo er als Kirchenmusiker sozusagen in der „katholischen Diaspora“ eine kleine Stelle innehatte. Umso mehr freut er sich auf die große (kirchen-)musikalische Bandbreite, die ihm jetzt in Augsburg seine „drei tollen Orgeln“ ermöglichen. Mit einem Konzertprogramm, zu dem auch andere Musiker geladen werden, möchte er die Faszination der Orgelmusik einem breiteren Publikum vertraut machen – und auch selbst in anderen Kirchen Gastspiele geben.

Lob für die Augsburger Organisten-Szene

Orgeltechnisch sei in Augsburg richtig was geboten, findet Marius Beckmann. Der kontaktfreudige Musiker hat sich in der Stadt binnen Kurzem mit seinen Kollegen bereits gut vernetzt.

Froh ist er über seine Wohnung in St. Georg. Von dort aus sei er rasch in seinen verschiedenen Wirkungsstätten. Wenn Beckmann mal nicht an einer seiner Orgeln spielt, programmiert er am Computer, kocht, spielt Skat, fährt seinen VW Käfer Baujahr 1969 oder restauriert Möbel: „Das beziehungsweise der Jüngste in meiner Wohnung bin ich“, sagt der Neu-Augsburger und lacht.

Noch trennt ihn eine Abendmesse in St. Georg vor dem Feierabend zu Hause – und von Zukunftsvisionen. „Mein Traumberuf wäre Filmkomponist“, verrät Marius Beckmann. Während ihm die zeitgenössische Filmmusik zu elektronisch ist, haben es ihm vor allem die Soundtracks aus den 1950er- und 60er-Jahren angetan. An ihnen kann er sich gar nicht satthören. „Die dazugehörigen Filme aber schaue ich mir nicht an.“

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