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Augsburg

14.10.2016

Was Radler an der Stadt kritisieren

Mit Transparenten und Klingeln wollten die Radler auf ihre Forderungen hinweisen.
Bild: Bernd Hohlen

2900 Augsburger legten beim „Stadtradeln“ fast 600.000 Kilometer zurück. Während der Feierstunde machen sie mit Schildern und Klingeln ihrem Unmut Luft. Was sie kritisieren.

Die Augsburger sind begeisterte Radler. Beim Wettbewerb „Stadtradeln“ ließen sie immerhin deutlich größere Städte wie Köln und Berlin hinter sich und gehörten in der Endabrechnung zu den zehn besten Kommunen. Die knapp 2900 Radler legten 591.570 Kilometer zurück. Das Ergebnis feierten Oberbürgermeister, Baureferent und Umweltreferent mit etwa 200 Gästen im Goldenen Saal des Rathauses. Doch nicht allen war zum Feiern zumute.

Die Radler bemängeln, dass es bislang wenig sichtbare Fortschritte beim Projekt „Fahrradstadt 2020“ gibt. Damit soll die Infrastruktur für Radler erheblich verbessert werden und ihr Anteil am Gesamtverkehr auf 25 Prozent steigen. Vergangenes Jahr lag der Wert laut Oberbürgermeister Kurt Gribl bei 17 Prozent. In einer koordinierten Aktion hoben mehrere Radler im Saal Schilder in die Höhe, um ihre Forderungen klar zu machen. Sie klingelten zudem.

ADFC: Umsetzung von Beschlüssen wird blockiert

Verständnis und Kritik äußerte Janos Korda, Vorstandsmitglied des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs, in Richtung Stadt: „Es war richtig, sich die Zeit zu nehmen und ein Gesamtkonzept zu erarbeiten. Dass es aber schon am Anfang der Umsetzung hakt, stimmt einen schon nachdenklich.“ Er meint damit die vergangene Sitzung des Bauausschusses, in der SPD und CDU ihre Zustimmung zu einem Schutzstreifen in der Deutschenbaurstraße in Pfersee verweigerten. Grund war, dass 32 Parkplätze dadurch wegfallen würden. „Was denken sich die Stadträte dabei? Sie blockieren die Umsetzung von Beschlüssen des Stadtrates“, beklagt Korda.

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Der ADFC arbeitet bei der „Fahrradstadt 2020“ mit der Stadtverwaltung zusammen. Das Projekt könne nicht realisiert werden, ohne dass Parkplätze und auch Fahrspuren für den motorisierten Verkehr verloren gehen, betonte Korda. Er verwies darauf, dass bei der Stadt München ein Fußweg von 1000 Metern zwischen dem Parkplatz und der eigenen Wohnung als zumutbar gilt. Was Korda und seine Mitstreiter auch ärgert, ist die schwierige Finanzierung der Infrastruktur. „Bei anderen Großprojekten wie der Mobilitätsdrehscheibe, fließt das benötigte Geld ohne Abstriche und es läuft parallel noch eine große Marketingkampagne. Bei der Fahrradstadt 2020 fehlt beides. Dabei ist dies eines der großen Ziele der aktuellen Stadtregierung.“

Oberbürgermeister Gribl: Ziele sind „ehrgeizig“

Oberbürgermeister Kurt Gribl bewertete die Situation positiver. Es gehe voran, auch wenn manchmal nach zwei Vorwärtsschritten ein Schritt zurück erfolge. Er wisse auch, dass das Ziel von 25 Prozent Anteil am Gesamtverkehr „ehrgeizig“ sei. Es gelte deswegen, Tempo und Richtung zu halten, dann sei der Wert erreichbar.

Baureferent Gerd Merkle verwies darauf, was bereits alles geschafft wurde in den vergangenen Jahren. So seien 32 Einbahnstraßen für Radler freigegeben worden. Auch entstehe am Hauptbahnhof Anfang kommenden Jahres im Helio-Center (ehemals Fuggerstadt-Center) ein Rad-Parkhaus für etwa 500 Räder. Auf der Westseite des Bahnhofs komme perspektivisch ein weiteres hinzu mit 500 bis 700 Plätzen. Zudem gebe es in der Annastraße und am Königsplatz öffentliche Stationen zum Aufpumpen von Rädern und die Mitnahme in der Straßenbahn außerhalb der Stoßzeiten sei jetzt auch erlaubt.

Merkle sagte, sein Referat arbeite aktiv an Verbesserungen. So will er sich im nächsten Bauausschuss grünes Licht für einen Radweg an der Langenmantel- und Donauwörtherstraße holen. Merkle kündigte an, dass es 2017 wieder eine Radlnacht geben soll. „Wir waren sehr überrascht, dass 3500 Radler kamen. Vielleicht werden es dann noch mehr.“ In zwei Jahren soll eine neue Erhebung gemacht werden, um herauszufinden, wie viele Augsburger aufs Rad umgestiegen sind.

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