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Corona: 90 Prozent der Deutschen lehnen Demos gegen Corona-Maßnahmen ab

10.01.2020

Was die Kirchen eint

Prominente Geistliche haben viele Zuhörer

Das Gipfeltreffen der beiden höchsten deutschen Kirchenrepräsentanten im Goldenen Saal zieht: Die halbe städtische Referentenriege ist gekommen, Abgeordnete quer durch die Parteien und Parlamente, dazu Regionalbischof Axel Piper, Diözesanadministrator Bertram Meier und die Weihbischöfe Anton Losinger und Florian Wörner sowie Mitglieder am Runden Tisch der Religionen. Kein Stuhl in den ersten Reihen blieb im ausverkauften Goldenen Saal frei beim ersten Augsburger Friedensgespräch zwischen Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, und Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Vorsitzender des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland. Augsburg eifere damit der Friedensstadt Osnabrück nach, stellte Christiane Lembert-Dobler, Chefin des städtischen Friedensbüros, die neue Reihe vor, die schlüssig aus den Reden zu Vielfalt und Frieden entwickelt worden sei.

Rasch zeigte sich, dass die beiden Kirchenführer aus München ein befreundetes, eingespieltes Team bilden. „Jeden Satz von dir kann ich unterschreiben“, sagte der Protestant Bedford-Strohm, als der Kardinal flammend für eine Evangelisierung warb, die neu auf Jesus Christus und seine radikale Liebe zu den Menschen schaut. „Wer Christus im Munde führt, der muss sich fragen lassen, was Nachfolge heute heißt“, antwortete der Landesbischof. Und forderte, das Gift und den Hass in den sozialen Medien („Es hat System, denn damit lassen sich Werbeeinnahmen erzielen“) in den Griff zu bekommen. Auch die Seenotrettung von Flüchtlingen im Mittelmeer zählte er dazu.

Ist die Kirche zu politisch, kümmert sie sich zu wenig um ihre Mitglieder? Den Einwand der Moderatorin Ursula Münch, Direktorin der Akademie für Politische Bildung in Tutzing, kontrastierte Bedford-Strohm mit seinen Besuchen in vielen Gemeinden. Was dort Tag für Tag für Menschen getan wird, bekannter zu machen, sei ihm „ein riesiges Anliegen“. Auch Marx wusste, dass gutes Zusammenleben nicht durch bloße moralische Appelle entsteht. „Dazu braucht es klare Orientierung und starke Erfahrungen.“ Er registriere weiter großen Willen zur Gemeinsamkeit. Aber er sehe die offene Gesellschaft, „in der wir Unterschiede akzeptieren müssen“, gefährdet. Bürgermeisterin Eva Weber rief mit Blick auf Morddrohungen gegen den EKD-Vorsitzenden dazu auf, eine „Phalanx der Anständigen“ zu bilden. Auch wenn die Kirchen „kein einfaches Dasein“ hätten – in Augsburg stiegen 2018 die Kirchenaustritte um 19 Prozent auf über 2000 –, hätten sie doch gute und überzeugende Antworten. „Barmherzigkeit, Nächstenliebe und Gerechtigkeit sind heute so relevante Werte wie zur Zeit von Jesus“, meinte die Bürgermeisterin.

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