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Augsburg

06.03.2020

Weniger Tauben in der Stadt: Augsburg erregt Aufsehen

Augsburg geht mit einer besonderen Strategie gegen die massive Vermehrung der Tauben vor. Die Lösung findet immer mehr Nachahmer.
Bild: Annette Zoepf

Plus Kaum ein anderer Vogel wird so gehasst wie die „Ratte der Lüfte“. Immer mehr Städte interessieren deshalb für die sogenannte Augsburger Lösung.

Viele Städte, ein Problem: Stadttauben vermehren sich rasant. Für Menschen werden sie zu einer regelrechten Plage, wenn sie an Gebäuden brüten, laut sind und überall ihren Kot hinterlassen. In Augsburg setzt man seit geraumer Zeit auf einen speziellen Lösungsansatz. Der findet in anderen deutschen Städten und im Ausland immer mehr Nachahmer. Dabei bleibt in Augsburg noch einiges zu tun.

Ortstermin in Augsburg mit Besuchern aus Prag. Jakub Leps ist stellvertretender Bürgermeister eines Stadtbezirks mit rund 80.000 Einwohnern in der tschechischen Hauptstadt. Er sagt, dort seien Stadttauben in vielen älteren Hochhäusern mit Balkons zu einem echten Ärgernis für Anwohner geworden.

Augsburger Tierschützer erklären Maßnahmen zur Taubenabwehr

Deshalb will er sich zusammen mit seinen Begleitern vom Augsburger Tierschutzverein erklären lassen, was man zur Taubenabwehr tun könnte. In der Fuggerstadt setzt man auf betreute Taubenschläge und auf eine Geburtenkontrolle für die Vögel. Im Gebäude der historischen Stadtmetzg , dem heutigen Sozialamt, können die Tschechen anschauen, wie das „Augsburger Modell“ funktioniert, das inzwischen vom Tierschutzverein übernommen wurde.

In 13 betreuten Taubenschlägen in Augsburg werden die Eier regelmäßig durch Attrappen ausgetauscht, bis zu 10 000 pro Jahr.
Bild: Annette Zoepf

In der Stadtmetzg gab es früher fingerdick Taubenkot auf den Simsen. Nun hat sich das Problem mit einem betreuten Taubenschlag im Gebäude erledigt. Helfer verteilen dort Körnerfutter und schauen nach, ob in den Nestern Eier liegen. Die Gelege werden gegen künstliche Attrappen ausgetauscht, damit die Tauben möglichst wenig Nachwuchs bekommen. Rund 7000 bis 10.000 Eier sammeln die Helfer des Tierschutzvereins auf diese Weise jährlich in dreizehn Taubenschlägen in Augsburg ein. Was das bringt?

Geschäftsführerin Sabina Gassner sagt: „Wir werden oft gefragt, ob es in Augsburg immer weniger Tauben gibt.“ Zur Entwicklung des Bestandes gibt es jedoch keine Untersuchungen und damit auch keine exakten Zahlen. Das große Ziel sei nicht, Augsburg komplett taubenfrei zu machen, sagt Gassner. Mit dem Modell habe man aber erreicht, dass die Population seit Jahren stabil bleibt, obwohl die Vögel bis zu sechsmal jährlich brüten.

Tauben in Augsburg: Andere Städte wollen Lösung nachmachen

Andere Städte zeigen immer mehr Interesse für den Augsburger Weg. Nicht nur in Prag. Vor einigen Monaten war eine Delegation aus Salzburg da. Tierschutzinitiativen in Lüneburg und Berlin wollen dem Vorbild folgen. Das berichtete das Nachrichtenmagazin Spiegel in einem großen Beitrag über das Augsburger Stadttauben-Modell. Billig ist diese Lösung nicht. Von der Stadt Augsburg fließen in diesem Jahr 85.000 Euro Zuschuss an den Tierschutzverein , um die Stadttaubenpopulation unter Kontrolle zu halten.

Gassner sagt, am teuersten sei die Logistik. Die Taubenschläge müssen regelmäßig mit neuem Körnerfutter versorgt werden, damit die Tiere viel Zeit in ihrer Unterkunft verbringen und nicht in die Umgebung ausschwärmen. „Die Schlepperei der schweren Säcke können ehrenamtliche Betreuer aber nicht machen“, sagt sie. Das wird von einem Landwirt erledigt, mit dem der Tierschutzverein zusammenarbeitet. Ein Futtersack wiegt 25 Kilo. Jede Taube frisst täglich 50 Gramm Körnermix.

In Augsburg sammeln Helfer jährlich tausende Taubeneier ein.
Bild: Silvio Wyszengrad

Augsburg gilt als erste Stadt in Deutschland , die konsequent auf betreute Taubenschläge setzte. Seit 1997 wurden dreizehn Standorte eingerichtet, die jeweils 100 bis 250 Vögel beherbergen. Viele sind in städtischen Gebäuden untergebracht, aber auch in Firmenhallen oder in hölzernen Türmen wie in Göggingen oder beim Schwaben-center. Trotzdem gibt es nach wie vor viele Beschwerden von Bürgern über Verunreinigungen und Belästigungen durch Tauben. Es seien so viele, dass nicht alle einzeln beantwortet werden können, sagte Ordnungsreferent Dirk Wurm ( SPD ) vor einigen Monaten bei einer Zwischenbilanz.

Neben der wilden Fütterung von Tauben gibt es noch ein weiteres Problem im Hintergrund. Wenn Gebäude lange leer stehen, siedeln sich dort unkontrolliert Tauben und andere Tiere an. Das sei früher im Fünffingerlesturm so gewesen und zuletzt im Gebäude des früheren Wirtshauses Weißer Hase in der Annastraße, sagt Gassner. Tierschützer mussten die Tauben mit großem Aufwand fangen und woanders unterbringen. Auch nach dem Abbruch alter Betriebsgebäude auf dem früheren Hasenbräu-Gelände im Stadtzentrum und der folgenden neuen Wohnbebauung wurden viele Tauben heimatlos. Dies führte zu Problemen für Gastronomie-Betriebe an der Maximilianstraße.

Maximilianstraße: Augsburg will weitere Taubenschläge aufstellen

Deshalb sollen in Augsburg nun weitere betreute Taubenschläge entstehen. „Für einen Standort im städtischen Standesamt an der Maximilianstraße stehen wir in den Startlöchern“, sagt Gassner. Gespräche des Tierschutzvereins laufen auch mit dem großen deutschen Wohnungskonzern Vonovia. Ziel ist, auf einem Wohnblock in der Jakobervorstadt einen weiteren betreuten Schlag einzurichten. Vono-via habe sich noch nicht abschließend geäußert. Der Konzern stehe dem „Augsburger Modell“ aber aufgeschlossen gegenüber und wolle es in einer anderen Wohnanlage in Puchheim bei München anwenden. Einen weiteren Brennpunkt mit vielen Stadttauben sehen die Tierschützer am Hauptbahnhof. Alle Gespräche dazu mit der Deutschen Bahn seien „extrem schwierig“.

Der Hahn am Augsburger Stadtmarkt.
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Bild: Christian Wiedemann

Generell ist das Taubenproblem in Städten von Menschen gemacht: Denn die Stadttauben sind keine Wildtiere, sondern verwilderte Haustiere und deren Nachkommen. Tierschützer sagen, dass die Bejagung mit Falken keinen dauerhaften Erfolg bringe. Tauben seien schlau genug, den Raubvögeln auszuweichen. Auch andere Strategien wie Fütterungsverbote oder das Abschießen der Tiere durch Jäger hätten bei der Bekämpfung nie einen nachhaltigen Erfolg gebracht. Das zeigte sich auch in München. Dort setzt man ebenfalls auf das „Augsburger Modell“.

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