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Augsburg

09.12.2020

Wie Corona den Auslandsaufenthalt Augsburger Studenten beeinträchtigt

Die Studentin Teresa Frohnwieser macht trotz Corona ein Auslandssemester.
Bild: Frohnwieser

Plus Wegen Corona denken die wenigsten Studierenden über ein Auslandssemester nach. Drei Studenten aus Augsburg haben den Schritt trotzdem gewagt und unterschiedliche Erfahrungen gemacht.

Die meisten Studenten hatten sich lange auf ihr Auslandssemester gefreut, denn bei Austauschprogrammen wie Erasmus bekommt man eine Zusage häufig schon ein knappes Jahr vor dem Aufenthalt. Dann kam die Corona-Pandemie und auch die Augsburger Studierenden standen vor der Frage, ob sie ihren Aufenthalt trotzdem antreten oder doch absagen wollen. Denn es war klar, dass das klassische Auslandssemester, in dem man viele Studenten aus allen Ländern der Welt kennenlernt, aufgrund der Kontaktbeschränkungen nicht möglich sein wird.

Tatsächlich haben sich in diesem Semester deutlich weniger Augsburger Studenten für ein Auslandssemester entschieden, wie die Zahlen des Akademischen Auslandsamts der Universität zeigen: Nur 81 Augsburger Studenten lernen momentan an einer anderen Universität in Europa - im vergangenen Wintersemester waren es noch 292 Studierende. Teresa, Peter und Debora gehören zu den 81, die trotzdem ins Ausland gegangen sind - und sie berichten von unterschiedlichen Erfahrungen.

Corona hält Teresa Frohnwieser nicht davon ab, ins Ausland zu gehen

Zu Hause in Augsburg studiert Teresa BWL im Master. Seit Mitte September lebt sie für ein Semester in Österreich und studiert an der Universität Graz, doch die Rahmenbedingungen dafür könnten besser sein. Denn um die Corona-Pandemie einzudämmen, gilt in Österreich eine strenge Ausgangsbeschränkung zwischen 20 und 6 Uhr und auch die Gastronomie ist geschlossen. Am Montag traten einige Lockerungen in Kraft: Geschäfte dürfen wieder öffnen und man kann sich mit mehreren Personen aus dem gleichen Haushalt treffen. Große Veranstaltungen, auf denen Teresa andere Erasmus-Studenten sehen könnte, finden nicht statt.

Dabei fanden zu Beginn des Semesters Anfang Oktober sogar noch Lehrveranstaltungen vor Ort in der Universität statt. Inzwischen werden aber auch in Graz alle Vorlesungen und Seminare online abgehalten. "Wenn man nicht gerade Medizin studiert oder im Labor arbeitet, gibt es eigentlich keinen Grund mehr, sich auf dem Campus aufzuhalten", meint Teresa.

 

Die Corona-Beschränkungen machten es ihr deutlich schwerer, sich an einer neuen Universität einzuleben. Es gab keine Führung durch die Universität, kein Erasmus-Rahmenprogramm und auch keine Stadttour. Trotzdem merkt die 25-Jährige deutlich, dass sie gerade an einer anderen Universität studiert und nicht zu Hause in Augsburg: "Die Dozenten legen hier großen Wert auf Mitarbeit, Zwischenberichte und Hausarbeiten. Das macht es einfacher, am Ball zu bleiben."

Teresa aus Augsburg hat Anschluss an andere Studenten gefunden

Weil die Beschränkungen zu Beginn des Semesters noch nicht so streng waren, hat Teresa trotzdem Anschluss an die anderen Studierenden gefunden: "Am Anfang haben wir noch viele Ausflüge gemacht und waren gemeinsam in Bars oder Restaurants." Stattdessen verabreden sich die Erasmus-Studenten jetzt zu Videoanrufen und tauschen sich auf diese Art aus.

Auch wenn in Teresas Auslandssemester einiges anders läuft als in den Jahrgängen vor ihr, ist sie über den Verlauf nicht enttäuscht: "Mir war vorher bewusst, dass das kein Party-Semester wird." Im Vorfeld war eine Sorge, ob das Semester überhaupt stattfinden kann. Denn für sie war klar, dass sie das Auslandssemester auf jeden Fall antreten will, wenn sie die Möglichkeit bekommt. Das liegt aber auch an ihrem Zielort: "In Österreich bin ich mir sicher, dass es ein gutes Gesundheitssystem gibt und ich im Notfall schnell zu Hause bin.". Jetzt hofft die Studentin, dass sie die Zeit bis Januar, wenn sie wieder nach Deutschland kommt, noch nutzen kann.

Den 23 Jahre alten Peter Mattern zog es von Augsburg nach Schweden

Bis vor wenigen Wochen hat Schweden in der Corona-Pandemie einen lockeren Kurs verfolgt, zeitweise waren zum Beispiel noch Veranstaltungen mit bis zu 50 Personen erlaubt. Auch nachdem Schweden Ende November die Maßnahmen verschärft hat, gibt es keine Maskenpflicht und auch Restaurants sollen geöffnet bleiben. Dementsprechend viele Freiheiten hat Peter bislang genossen, vor allem im Vergleich zu seinen Kommilitonen in Augsburg.

Peter Mattern ist nach Schweden gegangen.
Bild: Mattern

Der 23-Jährige studiert Wirtschaftsingenieurwesen im zweiten Mastersemester und ist seit Ende August in Karlstad, einer Stadt mit 60.000 Einwohnern in der Nähe des Vänernsees. Im Gegensatz zu Teresa und Debora will er sogar noch ein weiteres Semester im Ausland verbringen. Dabei spielt neben der modernen Universität und der Natur auch die Tatsache, dass es in Schweden bislang relativ wenige Einschränkungen gab und er hier nach wie vor viel Kontakt zu seinen Mitmenschen hatte, eine Rolle.

Zu Beginn des Semesters fand noch Präsenzunterricht statt, inzwischen sind aber auch in Karlstad Vorlesungen und Seminare auf online umgestellt. Trotz der Umstände fühlt sich Peter gut integriert, denn zu Beginn des Semesters gab es Willkommens-Veranstaltungen und die Austauschstudenten wurden persönlich begrüßt. Bislang verlief sein Alltag so, wie man sich ein typisches Studentenleben vor Corona vorgestellt hat: Freizeit, Freunde treffen und Sport treiben. Bis vor Kurzem konnte er sogar noch im Hochschulsport Volleyball spielen. Der 23-Jährige war positiv überrascht, wie viel Studentenleben noch möglich ist. "Ich bereue es auf keinen Fall. Egal wie das Semester verläuft, es ist immer eine Erfahrung."

Corona sei in Schweden seltener Gesprächsthema. Über die schärferen Einschränkungen macht sich auch Peter Gedanken, wirklich besorgt ist er dabei aber nicht: "Sollte es ganz schlimm werden, kann ich immer nach Hause kommen."

Debora Mann hat sich für ein Semester in Frankreich entschieden.
Bild: Debora Mann

Studentin Debora Mann verbringt ein Semester in Frankreich

Debora betont, dass sie froh über die Möglichkeit ist, ihr Auslandssemester überhaupt anzutreten, obwohl in Frankreich momentan strenge Corona-Beschränkungen herrschen. Die 24-Jährige ist für ihr Erasmus-Semester nach Chambéry in Ostfrankreich gegangen. Wie in ganz Frankreich ist die Bevölkerung dort dazu angehalten, sich weiterhin nicht mit Freunden und Familie zu treffen. Zwischenzeitlich durfte man sich nur noch eine Stunde täglich draußen aufhalten. Diese Regel wurde mittlerweile gelockert und nun ist es wieder erlaubt, sich bis zu drei Stunden draußen zu bewegen, in einem Radius von 20 Kilometern um den Wohnort. An den Universitäten findet allerdings nach wie vor Online-Lehre statt.

Dabei hatte auch Debora zu Beginn ihres Semesters ebenfalls noch Präsenzunterricht vor Ort in der Uni. Darüber ist die 24-Jährige froh, denn so konnte sie in das Uni-Leben in Chambéry hineinschnuppern: "Weil hier an der Uni die Räume für die Seminare und Vorlesungen so häufig gewechselt werden, habe ich das Gebäude sehr gut kennengelernt." In der Stadt selbst ist sie durchaus angekommen, weil sie noch einige Male essen gehen konnte, eine Stadtführung gemacht und Museen besucht hat.

Auch sie ist nicht enttäuscht von ihrem bisherigen Erlebnis, da ihr bewusst war, dass es kein klassisches Auslandssemester wird. "Trotzdem ist es eine interessante Erfahrung. Aber es gibt schon diese Momente, in denen ich mich darüber ärgere, dass ich nicht mehr Städte anschauen oder Ausflüge unternehmen kann." Vielleicht wäre sie auch gar nicht angereist, wenn sie von Anfang an gewusst hätte, dass alle Kurse online stattfinden werden.

Hören Sie sich dazu auch unsere Podcastfolge mit den Social-Media-Beauftragten der Campus-Cat an, die wir 2019 aufgenommen haben:

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