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Studie

03.12.2019

Wie sich das Wetter aufs Herzinfarkt-Risiko auswirkt

Bei bestimmten Wetterlagen steigt die Zahl der Herzinfarkte.
Bild: Annette Zoepf (Symbol)

Wissenschaftler der Augsburger Universitätsmedizin weisen einen Zusammenhang zwischen erhöhten Ozonwerten in der Region und Gesundheitsgefahren nach.

Die Gesundheit der Menschen hängt eng mit ihrer Umwelt zusammen. Das zeigt eine neue Studie der Augsburger Universitätsmedizin. Die Forscher weisen einen Zusammenhang zwischen bestimmten Wetterlagen und erhöhten Ozonwerten auf der einen Seite und einer steigenden Zahl von Herzinfarkten auf der anderen Seite nach. Über die Ergebnisse der Studie sprachen wir mit Hauptautorin Elke Hertig, Professorin für Regionalen Klimawandel und Gesundheit.

Ohne die schützende Ozonschicht wäre es um den Planeten Erde schlecht bestellt. Wann wird Ozon schädlich für den Menschen?

Elke Hertig: Die Ozonschicht weit oben in der Atmosphäre übernimmt eine wichtige Schutzfunktion für den Menschen. In Bodennähe vorkommendes Ozon ist jedoch ein Luftschadstoff, der mit verschiedenen Gesundheitsgefährdungen in Zusammenhang steht. Unsere Studie zeigt, dass mittelhohe bis hohe Ozonwerte mit steigenden Raten von Herzinfarkten in der Region Schwaben einhergehen.

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Wie sich Ozon von Sauerstoff unterscheidet

Was sind die besonderen Eigenschaften von Ozon?

Hertig: Ozon unterscheidet sich vom gewöhnlichen Luftsauerstoff unter anderem dadurch, dass es von drei Sauerstoffatomen gebildet wird und chemisch deutlich reaktiver ist. Es kommt in der Atmosphäre auch in großen Höhen vor und bildet dort die sogenannte Ozonschicht, die bekanntlich durch die Abschirmung harter Sonnenstrahlung eine wichtige Schutzfunktion übernimmt. Bildet es sich jedoch in Bodennähe, stellt Ozon eine Gefahr für die Gesundheit dar. Das konnten wir mit unserer Studie untermauern.

Wann treten potenziell gefährliche Konzentrationen von Ozon auf?

Hertig: In den Monaten März bis September treten hohe Ozonkonzentrationen vor allem an warmen und trockenen Tagen sowie bei windstillen Wetterlagen auf. Das Herzinfarktrisiko steigt jedoch nicht parallel zu den Ozonwerten kontinuierlich an. Am höchsten ist das Risiko für einen Herzinfarkt bei mittelhohen bis hohen Ozonwerten. Gehen diese Werte aber über ein bestimmtes Maß hinaus, nimmt das Risiko wieder ab.

Warum gibt es diesen Wendepunkt, wie erklären Sie dieses Phänomen?

Hertig: Es könnte auch am Verhalten der Bevölkerung liegen. Sehr hohe Ozonwerte treten nämlich vor allem an heißen Tagen auf. Viele Menschen halten sich dann mehr im Inneren von Gebäuden auf und versuchen, körperliche Arbeit im Freien zu vermeiden. So sind Sie dem Ozon dementsprechend weniger ausgesetzt.

Wie sich Hochdruck und Tiefdruck auswirken

Steigt das Risiko von Herzinfarkten nur bei erhöhten Ozonwerten, oder gibt es auch problematische Wetterkonstellationen?

Hertig: Auch die unterschiedlichen Wetterlagen an sich - unabhängig von der jeweiligen Ozonbelastung also - wirken sich auf das Herzinfarkt-Risiko aus. Wir haben festgestellt, dass bei einer Hochdruckwetterlage mit Zentrum über der Region Augsburg die Zahl der Herzinfarkte abnimmt. Bei feuchtkalten Tiefdruckwetterlagen beobachten wir dagegen eine Zunahme.

Die Studie ist ein Ergebnis umfangreicherer Forschungen. Welche Daten wurden ausgewertet?

Hertig: Die Studie ist Resultat eines gemeinsamen Forschungsprojekts. Dafür arbeiten die Universität Augsburg, das Universitätsklinikum, das Universitäre Zentrum für Gesundheitswissenschaften UNIKA-T in Augsburg sowie des Helmholtz Zentrums München zusammen. Wir Wissenschaftler gingen der Frage nach, ob auf Basis der Daten des bevölkerungsbasierten KORA-Herzinfarktregisters Augsburg ein Zusammenhang zwischen der bodennahen Ozonbelastung und der Zahl der Herzinfarkte in Augsburg festgestellt werden kann. In die Untersuchung einbezogen wurden die jeweils vorherrschende Wetterlage sowie die lokalen meteorologischen Bedingungen.

Autorinnen und Autoren der Studie sind Elke Hertig (Medizinische Fakultät), Alexandra Schneider und Annette Peters (beide Helmholtz Zentrum München), Wolfgang von Scheidt (Universitätsklinikum und Herzzentrum Augsburg-Schwaben), Bernhard Kuch (Donau-Ries Kliniken, Nördlingen) und Christa Meisinger (Helmholtz Zentrum München und Universitäres Zentrum für Gesundheitswissenschaften UNIKA-T, Augsburg).

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