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Augsburg

11.12.2018

Witze-Roboter bringt Menschen zum Lachen

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Informatiker Klaus Weber an der Universität Augsburg hat viel Arbeit und wissenschaftliches Herzblut in seinen Witze-Roboter Reeti gesteckt. Die intelligente Maschine aus Augsburg sorgt in Fachkreisen international für Aufsehen.
Bild: Klaus Rainer Krieger

Wissenschaftler der Uni Augsburg entwickeln intelligente Maschinen. Sie erkennen, welche Humorvorlieben ihr Gesprächspartner hat und sollen sympathische Gefährten im Alltag werden.

Mit Humor ist das so eine Sache. Manchmal erzählt man einen Witz und das Gegenüber kann überhaupt nicht darüber lachen. Mag sein, der Gesprächspartner hat die Pointe nicht verstanden. Vielleicht mag er auch eine bestimmte Art von Witzen nicht. Mit Roboter „Reeti“ von der Universität Augsburg sollte so eine Humor-Panne nicht mehr passieren. Informatiker Klaus Weber hat einen neuen Witze-Roboter entwickelt, der die Humorvorlieben seines menschlichen Gesprächspartners erkennt und darauf richtig reagieren kann.

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Roboter Reeti sei ein Beispiel für Künstliche Intelligenz, sagt Professorin Elisabeth André vom Lehrstuhl für Multimodale Mensch-Maschine-Interaktion an der Uni. Grundsätzlich sei es bislang Menschen vorbehalten gewesen, Humor zu verstehen. Robotern fehle eigentlich die dafür notwendige Empathieebene. Menschen können andere zum Lachen bringen und erkennen, ob ihr Humor auch von anderen verstanden wird.

Hitliste der Witze

Klaus Weber hat es mit seinen Kollegen Hannes Ritschel, Ilhan Aslan und Florian Lingenfelser am Lehrstuhl André geschafft, einem Roboter dieses Verständnis anzutrainieren. Reeti kommt ohne sprachliche Befehle aus. Er kann durch Beobachtung erkennen, wem welche Witze besonders gut gefallen und dann die jeweilige persönliche Hitliste zusammenstellen. Dazu beobachtet die intelligente Maschine, ob ihr Gegenüber das Gesicht bewegt und lächelt, oder sie hört, ob der menschliche Gesprächspartner laut lacht. Das Besondere an Reeti sei sein „sozial verstärkendes Lernen“, sagt Weber. Das technische Verfahren dahinter arbeite mit dem Belohnungsprinzip.

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Wie das in der Praxis funktioniert? Zunächst hat der intelligente Roboter mehr als 10000 Witze zur Auswahl aus dem Internet heruntergeladen. Für Weber und sein Team bestand die Herausforderung dann darin, den richtigen Algorithmus zu finden, damit Reeti möglichst rasch und zuverlässig die Humorvorlieben seinen Gegenübers herausfindet. Der Wissenschaftler verwendete das am Augsburger Lehrstuhl entwickelte Tool SSI (Social-Signal-Interpretation). Es ermöglicht die Echtzeitanalyse sozialer Signale. Die Schwierigkeit: „Reeti braucht viele Beispiele, damit er selbstständig lernen und reagieren kann, auch dann, wenn sich die Präferenzen des Nutzers verändern“, sagt Weber. Schließlich will kein Mensch die immer gleichen Witze hören.

Reeti weiß am Ende nicht nur, welche Art von Witzen der jeweilige Nutzer bevorzugt. Er weiß auch, wie lang die Witze sein sollen, die sein menschliches Gegenüber hören will, ob es massentaugliche oder spezielle Witze sein sollen und ob der Roboter beim Witzereißen auch noch eine Grimasse schneiden soll.

Witze-Roboter soll ein Gefährte sein

Der wissenschaftliche Aufwand war erheblich. Rund 1,5 Jahre hat Klaus Weber im Rahmen seiner Masterarbeit an der intelligenten Maschine getüftelt. Mit Erfolg: Mit seinem Witze-Roboter kam er kürzlich auf einer wichtigen Konferenz der Branche – der ICMI ’18 in Colorado – unter die drei besten wissenschaftlichen Arbeiten. Das freut vor allem auch Professorin Elisabeth André. Sie erklärt den Sinn, der hinter Projekten wie diesem steht.

Ziel sei es, intelligente Roboter zu schaffen, die soziale Gefährten für den Menschen sein können, sagt sie. Und das nicht nur, weil Lachen gesund ist, was wissenschaftlich belegt ist. Forscher gehen davon aus, dass Roboter in Zukunft immer enger mit den Menschen zusammenarbeiten werden. Auch die Verbreitung in Haushalten werde zunehmen.

Damit die Maschinen von Menschen nicht nur geduldet, sondern auch als Bereicherung in ihrem Umfeld gesehen werden, soll das Interaktionsverhalten der Roboter von den Nutzern als sympathisch und vertrauensvoll erlebt werden. „Viva“ heißt ein weiteres Projekt an Elisabeth Andrés Lehrstuhl. Es beschäftigt sich damit, einen vertrauenswürdigen, lebendigen und sozialen Roboter zu entwickeln. Er soll das emotionale Wohlbefinden seiner Nutzer verbessern und sie bei der Pflege von Sozialkontakten unterstützen. „Viva“ wird vom Bundesforschungsministerium gefördert. Dieser Roboter soll zusammen mit verschiedenen Partnern aus Forschung und Industrie realisiert werden. Zielgruppe sind insbesondere Menschen im Alter zwischen 40 und 90 Jahren, die in einem eigenen Haushalt leben und körperlich und geistig noch leistungsfähig sind, die aber kein großes soziales Netzwerk von Familie, Freunden und Bekannten haben.

Roboter sorgen für Kontroversen

André beschäftigt sich seit über 30 Jahren mit künstlicher Intelligenz. „Technisch müssen wir uns in Deutschland beim Thema Roboter nicht verstecken“, sagt sie mit Blick auf die weltweite Konkurrenz. André weiß aber auch, dass der mögliche Einsatz von Robotern in bestimmten Bereichen für kontroverse gesellschaftliche Debatten sorgt – beispielsweise, wenn es um die Pflege von alten Menschen geht. Japaner beispielsweise seien dafür aufgeschlossener, die gesellschaftliche Akzeptanz sei größer als in Deutschland. Man müsse sich hierzulande aber die Frage stellen, ob der Einsatz eines Roboters sinnvoll sein kann, wenn ein alter Mensch damit weiter zu Hause leben kann und nicht ins Pflegeheim muss. André betont jedoch: Wichtig sei, dass die Maschine Hilfestellungen gebe und nicht etwa menschliche Pflegekräfte ersetze.

Lesen Sie dazu auch diesen Kommentar: „Künstliche Intelligenz“ nutzen

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