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Augsburg

31.08.2018

Wo sind die Mohren aus dem Hotel-Logo geblieben?

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„Wir haben aus Layoutgründen verschiedene Logos zur Verfügung, die wir alle verwenden“, so Hotel-Direktor Gandenheimer.
Bild: Alexander Kaya (Archiv)

Das Steigenberger hat die Optik seiner Werbung verändert. Mit der aktuellen Diskussion um den Namen des Hauses habe dies nichts zu tun.

Hat das Augsburger Steigenberger-Hotel auf die Debatte um seinen Namen reagiert? Auf seiner Internetseite wirbt das Haus seit kurzem mit einem Logo, das auf die stilisierte Darstellung der drei Mohren verzichtet. Amnesty International (AI) wertet dies als einen „ersten positiven Schritt“ in einer seit Tagen laufenden Diskussion. Hotel-Direktor Theodor Gandenheimer dagegen betont: „Mit der Diskussion um unseren Namen hat die Verwendung des Logos nichts zu tun.“

Wie berichtet, hat die Augsburger AI-Jugendgruppe eine Online-Petition für eine Umbenennung des Hotels gestartet. Der Begriff „Mohr“ habe seinen Ursprung in der kolonialen Vergangenheit und wurde „zur Abwertung und Herabstufung schwarzer Menschen“ verwendet. Er sei als rassistisch einzustufen. Die Jugendlichen schlagen vor, das Haus solle künftig nur als „Steigenberger Hotel“ firmieren – oder sich zum Beispiel in „Drei Möhren“ umbenennen.“

Bislang hat die Petition rund 400 Unterstützer

In den ersten eineinhalb Monaten mobilisierte die Petition knapp über 400 Unterstützer; bis zum Ablauf in zehn Monaten sollen es 2300 werden. Doch das Thema wird über die Stadtgrenzen hinaus diskutiert. Die Meinungen gehen auseinander: Von der Frage, ob eine solche Organisation keine drängenderen Probleme habe, bis zur Feststellung, dass es an der Zeit war für eine Sensibilisierung, ist jede Haltung vertreten.

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Amnesty International freut sich über die Aufmerksamkeit, vermisst jedoch eine konstruktive Diskussion: Sobald Rassismus auch nur angesprochen wird, verschließt sich das meist weiße Gegenüber. Mann will nicht über Rassismus sprechen, sondern wehrt sich gegen den Vorwurf des Rassismus“, heißt es in einer Pressemitteilung. Das Engagement „ihrer“ Jugendlichen unterstützt die Organisation: „Wir Älteren sind megastolz auf sie.“

Beim Steigenberger-Hotel sieht man die Sache anders: Die Debatte habe das Management intensiv beschäftigt, sagen Mitarbeiter. Man müsse sich aber darauf konzentrieren, „das Haus zu führen“. Eine Umbenennung lehnt die Steigenberger-Gruppe ab und begründet dies mit der Legende eines Besuchs dreier abessinischer Mönche, die dem Hotel vor über 500 Jahren seinen Namen gaben. Hotel-Direktor Theodor Gandenheimer bekräftigt dies: „Natürlich kann man Traditionen zur Diskussion stellen. Unser Haus jedoch steht zu seinem Namen“, sagte er auf AZ-Nachfrage.

Auf Bademänteln und Betten sind die Mohren weiterhin zu sehen

Gandenheimer geht noch weiter: Dass auf der Internetseite des Hotels nun ein Logo ohne die Köpfe der Mohren zu sehen ist, habe nichts mit Amnesty International zu tun. „Wir haben aus Layoutgründen verschiedene Logos zur Verfügung, die wir alle verwenden“, sagt er. In anderem Kontext sind die Mohren weiterhin zu sehen: Sie finden sich als Zierstickerei auf hauseigenen Bademänteln, sie sind auf die gläsernen Eingangstüren geätzt, sie schmücken die Kopfenden der Hotelbetten. Im Foyer sind zudem die historischen Büsten der drei abessinischen Mönche aufgehängt. „Es handelt sich aber um Kopien, da die Originale so wertvoll sind, dass wir sie ersetzt haben“, so Gandenheimer. Sowohl diese Büsten als auch die drei Figuren an der Außenfassade sollen auch künftig dort bleiben. sagt Gandenheimer. Er befindet sich derzeit in Urlaub, gab am Freitag aber doch eine Stellungnahme ab.

Zuletzt hatte sich die Augsburger Hotelleitung mit Stellungnahmen zurückgehalten. Da das Haus zur Steigenberger-Gruppe gehört, wurde stets an die Frankfurter Zentrale verwiesen. Dort wundert man sich über die Augsburger Debatte. Die drei Mohren, heißt es, stünden für Toleranz und Gastfreundschaft.

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01.09.2018

In welchem "political correctness"-Wahn leben wir zwischenzeitlich eigentlich?
Pippi Langstrumpf und Die kleine Hexe wurden umgeschrieben, aus dem "Negerkuß" wurde die "Schaumwaffel mit Migrationshintergrund" und so weiter und so weiter.
Das Hotel existiert seit dem 15. Jahrhundert und heißt mindestens seit dem 18. Jahrhundet so, wie heute.
Jetzt also "Drei Möhren"? Welchem Gehirn ist ein solcher Irrsinn entsprungen?
Leider kneift nun aber auch das Hotel selbst, in dem es behauptet, die aktuelle Logo-Änderung hätte nichts mit der laufenden Diskussion um den Namen zu tun. Aber warum dann - ausgerechnet zum jetzigen Zeitpunkt - diese Änderung?
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!
Ich hätte mir da deutlich mehr Rückgrat von der lokalen Hotel-Direktion bzw. der übergeordneten Steigenberger-Gruppe gewünscht, denn wir haben in Deutschland wahrlich ganz andere - und vor allem viel drängendere - Probleme, als eine herbei geredete Rassismus-Diskussion wegen eines alteingesessenen Hotel-Namens!

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01.09.2018

"Megastolz" auf "ihre" Jugendlichen wegen deren übertriebenem Betätigungsdrang,
der nicht zwischen wichtigen und unwichtigen Themen zu unterscheiden vermag??

Auch den Älteren von AI ist offenbar dieses Unterscheidungsvermögen verloren gegangen.

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01.09.2018

"Amnesty International freut sich über die Aufmerksamkeit, vermisst jedoch eine konstruktive Diskussion: Sobald Rassismus auch nur angesprochen wird, verschließt sich das meist weiße Gegenüber. Mann will nicht über Rassismus sprechen, sondern wehrt sich gegen den Vorwurf des Rassismus"
Genau das ist das Problem, welches AI nicht verstanden hat:
Man "produziert" aus einen Namen/Begriff ein Rassismusproblem, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Kein normale Mensch hat irgendwelchen Rassismus oder ähnliches in dem geschichtsträchtigen Namen des Hotels je gesehen, im Gegenteil, es war immer etwas honoriges. Auch hat der Name Mohr nichts mit kolonialer Vergangenheit zu tun, da ursprünglich eigentlich die Marokkaner ab dem 16. Jh.so genannt wurden. Es ist traurig, dass man da so eine Posse daraus macht der Rest in D. lacht über uns!

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01.09.2018

AI vermisst eine konstruktive Diskussion? Könnte am Ende einer solchen denn etwa auch die Erkenntnis stehen, dass man mit der Behauptung wie Forderung daneben liegt? Oder ist es doch eher so, dass man die Argumente die gebracht werden, gar nicht zur Kenntnis nimmt, in der festen Überzeugung im Recht zu sein?

Das aber hat mit konstruktiver Diskussion so gar nichts zu tun sondern dem Überstülpen der eigenen Meinung.

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01.09.2018

Wo andere Leute sich nichts schlechtes denken, gibt es wiederum andere, die so lange suchen bis sie meinen was schlechtes gefunden zu haben um zu diskreditieren!

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31.08.2018

Einfach nur lächerlich. Manche Leute haben echt nichts zu tun...

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