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Augsburg

23.11.2015

Zwei Augsburger helfen in Kobane

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2 Bilder
Gero Smolinsky half in Kobane.
Bild: Uwe Hauser

Seit Juni baut ein Freiwilligenverein ein Gesundheitszentrum in der lange umkämpften syrischen Stadt Kobane. Auch Uwe Hauser und Gero Smolinsky nahmen die gewagte Reise auf sich.

Die Straßen mal staubig, mal verschlammt. Häusergerippe und Berge von Schutt. So sieht Kobane, die Stadt, die zum Symbol des erfolgreichen Widerstands gegen den Islamischen Staat (IS) in Nordsyrien wurde, dieser Tage aus. Uwe Hauser und Gero Smolinsky waren dort und kehrten erst vor wenigen Tagen von ihrem humanitären Einsatz zurück nach Augsburg. Sie sprühen vor Optimismus und Empathie für die Bürger der selbstverwalteten, zu 80 Prozent vom IS und durch den Krieg zerstörten Stadt. „Der Fleiß, der Mut und die Zuversicht, mit der die Menschen jeden Tag aufräumen, kaputte Häuser einreißen und den Schutt mit Eimern wegtragen – das hat uns total beeindruckt“, berichten sie.

Zusammenarbeit mit Kurden

Im Internationalen Kulturzent-rum in Lechhausen zeigten sie eigene Bilder und einen Trailer zu einem Dokumentarfilm, der im Dezember erscheinen wird. Das Aufbauprojekt wird vom „Solidaritäts- und Förderverein Gesundheitszentrum Kobane“ und von der „Internationalen Koordinierung revolutionärer Parteien und Organisationen“ (ICOR) organisiert. Beide arbeiten eng mit kurdischen Institutionen und der PYD in der nordsyrischen selbstverwalteten Region Rojava zusammen. Sie koordinieren die internationalen Hilfstrupps, die mit jeweils etwa 40 Menschen für je vier Wochen auf der Baustelle des Gesundheitszentrums eingesetzt werden. Hier halfen auch die beiden Augsburger Familienväter vier Wochen lang mit.

Während alle anderen Nichtregierungs-Organisationen nach einem verheerenden IS-Angriff auf die Stadt im Juni abzogen und auch nicht wieder kamen, steht die Baustelle des Gesundheitszentrums nicht still. „Wir sind zur Zeit die einzigen ausländischen Helfer dort und die Menschen sind unendlich dankbar für unsere Unterstützung“, berichtet Uwe Hauser. Er ist Fachlagerist in der Flugzeugwerft am Augsburger Flughafen. Für den Einsatz bekam er von seinem Arbeitgeber unbezahlten Urlaub. Fasziniert haben ihn die basisdemokratischen Strukturen, die in der Stadt trotz der politisch und wirtschaftlich angespannten Situation aufgebaut wurden. „Ich wollte mich einem Team anschließen, das die Menschen dort in ihrem Mut unterstützt und etwas Sinnvolles zum Wiederaufbau beiträgt.“ Er war zuständig für die Versorgung der etwa 80 Arbeiterinnen und Arbeiter, darunter auch 40 Einheimische. „So kam ich in der Stadt ganz schön rum, ich musste ja einkaufen. Jeden Tag haben mich die wieder aufgebaute Brotfabrik und die Stimmung der Arbeiter dort am meisten gefreut.“

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Jahresurlaub für Kobane

Gero Smolinsky ist Krankenpfleger in der Psychiatrie und nahm seinen Jahresurlaub für Kobane. „Dass der Einsatz als Bauhelfer auch gefährlich sein konnte, habe ich mit meiner Frau diskutiert. Sie stimmte zu“, erklärt er. Ganz ohne Pannen verlief das Engagement der Augsburger nicht.

Die Türkei hat die nahe Grenze bei Kobane hermetisch abgeriegelt, sodass die Helfergruppe Mitte Oktober ins irakische Süleymaniyye fliegen musste. Auch die dortige irakisch-kurdische Regierung ließ sie zunächst nicht weiter. Erst nach fünf Tagen konnten sie die 1100 Kilometer nach Kobane in Angriff nehmen. Über den Tigris, immer entlang der syrisch-türkischen Hochsicherheitsgrenze. Eine Eskorte von PYD-Kämpfern begleitete sie. „Das Frustrierendste für Kobane ist, dass die Hilfe so nah ist, die Türkei aber alle Wege gesperrt hat. Ein ganzer OP-Saal und 8000 Kilo Werkzeug stehen hinter der türkischen Grenze und werden nicht durchgelassen“, erzählt Smolinsky. Er fordert: „Wenn Kanzlerin Merkel die Unterstützung für die Kurden hier ernst meint, sollte sie dafür sorgen, dass der Nato-Partner die Waren ins drei Kilometer entfernte Kobane durchlässt.“

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