Neue Infostelen vor den Augsburger Prachtbrunnen Herkules und Augustus weisen darauf hin, dass die Brunnen im Winter nicht mehr abgedeckt werden.Foto: Silvio Wyszengrad
Aus der Not ist in Augsburg mal wieder eine Tugend geworden: Die hölzernen Abdeckungen der Prachtbrunnen in der Maximilianstraße sind inzwischen so baufällig, dass sie diesen Winter nicht mehr aufgebaut werden konnten. Die Stadt hatte deshalb vergangenen Sommer beschlossen, nur noch die Becken vor Frost und Schnee zu schützen, diese Konstruktion soll wohl ab nächstem Winter kommen. Vorteil: So würden Augsburger und Touristen auch in der kalten Zeit einen Blick auf die Brunnen werfen können, die immerhin Welterbe sind. Seit wenigen Tagen bekommen die Passanten nun zusätzlich eine Art blaues Wunder zu sehen: Infostelen, die ebendiesen Sachverhalt erklären. Doch das löst bei so manchem Passanten Kopfschütteln aus.
Okay, formal wird uns der Winter weiter beschäftigen, der Frühling fängt kalendarisch erst am 20. März an. Insofern kann man die Augsburger schon noch darauf hinweisen, dass die Brunnen nicht wie üblich seit Oktober hinter Brettern verdeckt sind. Sollten manche das in den letzten drei Monaten noch immer nicht bemerkt haben, haben sie es jetzt Weiß auf Blau: "Die alte Brunnenabdeckung konnte aufgrund ihres desolaten Zustands nicht mehr aufgebaut werden", hat die Stadt es frank und frei in den Welterbe-Farben zu Blech gebracht. Und wer weiß: Der ein oder andere Tourist mag sich durch diese Offenheit so berührt zeigen, dass er der Stadt eine Spende dalässt.
Kraftwerke, Brunnen und Lechkanäle verhalfen Augsburg einst zum Aufschwung. Dieses Zusammenspiel macht Augsburg zum Unesco-Welterbe.
Die blau-weißen Infostelen, die es größentechnisch locker mit einigen kleineren Brunnenfiguren aufnehmen können, stehen voraussichtlich bis April vor dem Herkules- und dem Augustusbrunnen. Verankert sind sie in einem "Fundament" aus Beton, das rundherum mit auffällig rot-weißen Warnstreifen bemalt ist. Die Sicherheit, man versteht das. Dass die Tafeln erst aufgestellt wurden, kurz bevor die Bäume, die noch nicht am Rathausplatz stehen, Blätter treiben, versteht man eher nicht. Nachfrage also bei der Stadt, die natürlich eine Erklärung hat: "Nachdem die beiden Infostelen recht groß ausfallen, war eine Integrierung in den Christkindlesmarkt kaum möglich." Um Auf- und Abbaukosten zu sparen, habe man die Tafeln erst jetzt aufgestellt. Das leuchtet ein.
"Große Hinweistafeln um die Prachtbrunnen wirken störend", sagt die Stadt Augsburg - und hat jetzt unauffällige Infostelen aufgebaut.Foto: Silvio Wyszengrad
Die Stadt sieht die Stelen als "Informationsangebot und damit einen positiven Beitrag". Sie waren auch vergleichsweise günstig: rund 1100 Euro pro Stück. Und sie waren schneller aufgebaut, als die Hinweistafeln zu den 22 Welterbe-Denkmälern, auf die die Augsburger nach der Unesco-Ernennung ganze vier Jahre warten mussten. Da übrigens fällt noch etwas auf: Im Gegensatz zu den neuesten "Wir-decken-die-Brunnen-nicht-mehr-ab-Infostelen" muss man die "Darum-ist-dieses-Denkmal-Welterbe-Hinweistäfelchen" an den Augsburger Prachtbrunnen mit der Lupe suchen: Sie sind recht unauffällig und klein. Doch auch dafür hat die Stadt eine Erklärung: "Da große Hinweistafeln rund um die Prachtbrunnen störend wirken würden, erhielten Augustus- und Merkurbrunnen kleine Täfelchen, die an den Brunnengittern angebracht wurden."